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Personalumbau Drei von vier Firmen haben keine Strategie

Jedes zweite Unternehmen plant in diesem Jahr große Veränderungen beim Personal. Vermutlich geht es dabei eher um Entlassungen als Einstellungen. Nur hat kaum ein Betrieb auch eine langfristige Personalplanung gemacht.

Drei von vier Firmen haben keine Personalstrategie Quelle: Fotolia

Weil die Arbeits- und Geschäftswelt sich verändern, wollen die Unternehmen in Deutschland intensiv an der Personalschraube drehen: Jeder zweite Geschäftsführer plant in absehbarer Zeit wesentliche Veränderungen bei ihrer Mitarbeiterschaft, heißt es in einer Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum. "Die Chefs haben erkannt, dass sie beim Personal ihres Unternehmens ansetzen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben", sagt Cyrus Asgarian, Studienleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei Kienbaum.

Dabei geht es vermutlich um Entlassungen, Personalumbau ist in der Regel ein Synonym für Personalabbau und nicht für Fachkräftesuche. Beispiel SAP: Seit Jahren baut der Konzern sein Angebot grundlegend um. Statt Softwarelizenzen zu kaufen, sollen die Kunden sie mieten und so für regelmäßige Umsätze sorgen. In der Folge streicht das Unternehmen weltweit Stellen, die nicht zu den Wachstumsgebieten gehören. Das Ganze geschieht unter dem Schlagwort Personalumbau. Erwähnenswert: SAP hat freiwillige Abfindungsprogramme gestartet.

Die sind allerdings deutlich teurer, als erwartet. Während Finanzchef Luka Mucic letzten Sommer noch davon ausging, dass der Personalumbau zwischen 470 bis 530 Millionen Euro kosten würde, war die Summe im Oktober 2015 schon auf 585 bis 615 Millionen Euro gestiegen.

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

In den vergangenen fünf Jahren haben bereits acht von zehn deutschen Unternehmen Mitarbeiter entlassen, um schlanker und vor allem fit für die Zukunft zu werden. Der gewünschte Erfolg ist laut Kienbaum jedoch oft ausgeblieben. Wer ohne Sinn und Plan Leute entlässt, spart dadurch nämlich weder Kosten, noch wird das Unternehmen dadurch agiler.

Das Problem bei vielen Unternehmen laut Asgarian: "Eine umfassende Strategie für Planung und Umsetzung großer Veränderungsprojekte des Personalkörpers fehlt fast immer."

70 Prozent der von Kienbaum befragten Unternehmen haben keine Personalstrategie definiert, 75 Prozent der Unternehmen machen keine Szenario-Analysen, um Auswirkungen möglicher Geschäftsentwicklungen zu simulieren. Außerdem fehle häufig die Weitsicht, so Asgarian. Wenn der Markt zuckt, wird irgendwie reagiert. "Deshalb laufen großangelegte Personalveränderungen wenig faktenbasiert und vorausschauend ab." 

Die Kündigungsschutzklage

Auch weiß mehr als die Hälfte der Unternehmen gar nicht so genau, wer für sie arbeitet. Wie steht es um die Altersstruktur? Geht die Buchhaltung in den nächsten zwei Jahren quasi geschlossen in den Ruhestand? Und was ist mit den Kenntnissen der Mitarbeiter? Arbeiten in der Entwicklungsabteilung Menschen, deren Kompetenzen für künftige Herausforderungen ausreichen oder täte hier eine Weiterbildung oder ein zusätzlicher Experte gut? Bei den Befragten herrscht Ratlosigkeit.

Geschäftsführer haben wenig Vertrauen in ihre Personalumbauer

Und auch das Vertrauen in die eigenen Führungskräfte ist gering: 80 Prozent der befragten Unternehmer geben an, dass die Führungskräfte in ihrem Hause nicht fähig seien, große Personalveränderungen erfolgreich zum Ziel zu führen. Einen Experten, der nur für Personalab- und umbau und für nichts anderes sonst zuständig ist, gibt es allerdings nur in weniger als 30 Prozent der Unternehmen. "Neben begrenzten Kompetenzen der Führungskräfte im Veränderungsmanagement fehlt es zudem oft an einem gemeinsamen Verständnis über das Ziel und die Vorgehensweise der Transformation sowie an der Übersetzung der Personalstrategie in eine persönliche und messbare Maßnahmenplanung für jede Führungskraft", weiß Asgarian. Zusätzlich geben 70 Prozent der Befragten an, dass ihr Unternehmen weder über systematische Prozesse noch die notwendige IT-Systemunterstützung für das Management von Personalaufbau, -abbau und -umbau verfügt. Da ist es schon ein bisschen beängstigend, wenn trotzdem rund 80 Prozent der Unternehmer sagen, dass es in Zukunft einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil ausmachen wird, wie flexibel Menschen eingestellt und gekündigt werden können.

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