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Ralf Konersmann Was wir von der Philosophie der Stoa lernen können

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Philosophie als Therapie?

Die jüngere Stoa, vor allem Seneca, will das Wesen der Welt erkennen, um die Menschen zu kurieren. Wird Philosophie hier zur Therapie?

Das Erkennen selbst hat etwas Therapeutisches, es beruhigt. Darin steckt ein emphatisches Bekenntnis zur Philosophie: Ich erkenne, geleitet durch die Vernunft, Sachverhalte und gewinne Einsichten, die sich künftig bewähren werden, wenn ich nur die Kraft aufbringe, ihnen zu folgen und mich an ihnen zu orientieren. Dadurch gewinne ich Halt. Die Worte Halt und Haltung, das Sprachfeld des Haltens und Gehaltenwerdens, des Durchhaltens und Standhaltens ist überaus bezeichnend für die Stoa…

…und bezieht sich auf die innere wie äußere Welt des Einzelnen?

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    Ja, die große Welt hält mich, wenn ich aufhöre, eigenwillig gegen ihre Verfasstheit zu rebellieren. Wir sollen uns anpassen, sagt Seneca, freilich nicht an irgendwelche Despoten im Sinne des Nachgebens an eine blanke Macht. Seneca folgt einer anderen Logik: Er empfiehlt die Anpassung an die Gegebenheiten der Welt, so dass wir uns nicht aufreiben, uns keine Verletzungen zuziehen, sondern uns geschickt, vor allem klug verhalten. Dabei hilft uns die Philosophie: durch vernünftige Einsicht in die Verhältnisse.

    Wovor die Deutschen große Angst haben
    TerrorismusDie Attentate der Terror-Miliz IS in Europa schüren die Angst vor terroristischen Anschlägen massiv. Rangierten Befürchtungen vor neuen Anschlägen in Europa im Sommer 2015 noch auf Platz drei, sind sie nun sprunghaft angewachsen - um ein gutes Fünftel auf 73 Prozent. Verwunderlich ist das für Psychologen nicht. Denn die Anzahl der Attentate in Europa ist real gestiegen. War das Meinungsbild im Sommer 2015 noch vom Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ geprägt, kamen im November die Attentatsserie von Paris und im März 2016 die Bomben von Brüssel dazu. Bei Anschlägen in der Türkei wurden 2016 auch deutsche Touristen getötet. Quelle: obs
    Politischer ExtremismusExtrem angewachsen im Vergleich zum Vorjahr sind auch die Ängste vor politischem Extremismus (68 Prozent, plus 19 Prozentpunkte). Diese Angst hat zumindest indirekt auch mit der dritten Angst zu tun. Quelle: dpa
    EinwanderungDie Aussicht auf weiteren Zuzug von Ausländern macht den Deutschen angesichts der Flüchtlingskrise wachsende Angst. Kurz vor der Zuspitzung der Flüchtlingskrise im Sommer 2015 befürchtete jeder zweite Befragte (49 Prozent), dass das Zusammenleben zwischen Deutschen und Ausländern durch einen weiteren Zuzug von Flüchtlingen beeinträchtigt wird. Nun teilen bereits zwei Drittel der Befragten (67 Prozent, plus 18 Prozentpunkte) diese Sorge. Quelle: dpa
    Überforderung der Deutschen und staatlicher Behörden durch FlüchtlingeZwei Drittel der Interviewten (66 Prozent) sind inzwischen der Meinung, dass die Deutschen generell und besonders die Behörden durch Flüchtlinge überfordert sind - das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu könnten die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten und häufige Meldungen über gewaltsame Konflikte in Flüchtlingsheimen beitragen. Quelle: dpa
    Kosten für Steuerzahler durch Schuldenkrise von EU-StaatenAuch die Befürchtung, dass die Kosten der Schuldenkrise der EU an ihnen hängen bleiben werden, macht 65 Prozent der Deutschen Angst. Diese Sorge war allerdings auch schon im Vorjahr ähnlich hoch (plus 1 Prozentpunkt). Quelle: dpa
    Überforderung der PolitikerZu diesen konkreten Ursachen kommt als neue Kategorie bei der überwiegenden Mehrheit der Deutschen noch der Eindruck, dass die Politiker generell mit ihren Aufgaben überfordert sind (65 Prozent, plus 17 Prozentpunkte). Für die politische Klasse dürfte dieses Ergebnis ein Alarmsignal sein. Quelle: AP
    Persönliche SorgenAngesichts der politischen Sorgen treten die persönlichen deutlich in den Hintergrund, obwohl auch die gestiegen sind: 57 Prozent der Deutschen haben Angst davor, im Alter ein Pflegefall zu werden (plus 8 Prozentpunkte) und 55 Prozent fürchten sich vor einer schweren Erkrankung (plus 8 Prozent). Quelle: AP

    In Ihrem jüngsten Buch „Die Unruhe der Welt“ zitieren Sie als Motto ein Wort Senecas aus dem 92. Brief an Lucilius: „Was ist das glückliche Leben? Sorgenlosigkeit und beständige innere Ruhe.“ Was genau ist damit gemeint?

    Man merkt es vielleicht nicht sofort, aber der Begriff der Sorgenlosigkeit drückt eine Negation aus: Die Freiheit von Sorgen. Da ist ein Abwehrgestus am Werk, da wird versucht, die Dinge auf Abstand zu halten, die sich mir aufdrängen. Die Prämissen sind dabei: Der Mensch ist unvollkommen, er ist schwach, die Welt ist nicht für ihn gemacht. Erfahrungen, die jeder von uns aus seiner Perspektive nachvollziehen kann: die Gefahr des Scheiterns, der Unsicherheit, des Bedroht-Seins. Und die Stoa knüpft genau hier an. Sie fragt: Wie befreie ich mich aus den Sorgen, aus den Bedrängnissen des Lebens? Ihre Ethik ist der Versuch, einen Ausweg zu zeigen, ohne billige Lösungen, die unser Dilemma nur verschärfen.Und die innere Ruhe…

    … ist dazu gleichsam das positive Gegenstück. Man könnte sie fast als Vorgabe des Weges interpretieren, der zu beschreiten ist: Indem ich Bürden und Belastungen abstreife, finde ich allmählich zur Ruhe. Es geht also um ein Projekt, um das ich mich bemühen, um das ich ringen muss. Seneca scheut nicht Metaphern aus der Welt des Militärischen: Wir sind Krieger, Leben heißt kämpfen, heißt sich freikämpfen…

    Klingt eher unstoisch…

    Nur scheinbar, denn zur Stoa gehört auch ein kämpferischer Zug, die Zähigkeit, sich nicht beirren zu lassen von Verführungen, etwa, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, durch die Werbung mit ihren Wohlfühlformeln und Suggestionen: Man müsse nur das Richtige kaufen, die richtige Versicherung wählen etc., um ein sorgenfreies Leben zu führen.

    Die gefährlichsten Krisengebiete der Welt
    Syrien und IrakIn den Konflikten in Syrien und im Irak gehört die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu den stärksten Kriegsparteien. Sie beherrscht in beiden Ländern große Gebiete, in denen sie ein „Kalifat“ errichtet hat. Im syrischen Bürgerkrieg bekämpfen sich zudem das Regime und seine Gegner. Die Armee ist mit starker Hilfe von Kämpfern aus dem Iran, von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von der russischen Luftwaffe auf dem Vormarsch. Die moderate Opposition wird vom Westen unterstützt. Quelle: AP
    Ukraine Quelle: dpa
    Nigeria Quelle: dpa
    Libyen Quelle: dpa
    Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer Quelle: dpa
    Nordkorea Quelle: dpa
    Afghanistan Quelle: dpa

    Da macht der Stoiker nicht mit, er wählt nicht den einfachen Weg, den Weg des geringsten Widerstands.

    Er erspart uns nicht die Einsicht, dass der stoische Weg ein harter, beschwerlicher Weg sein wird, einzig und allein getragen von der Zuversicht, dass er sich am Ende gelohnt haben wird, trotz Rückschlägen und bitteren Erfahrungen.

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