WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Rat der Weisen Ich bin unterfordert – wie sage ich's dem Chef?

Quelle: Patrick Zeh für WirtschaftsWoche

Wer Stress hat, wünscht sich vielleicht mehr Langeweile. Auf Dauer ist Unterforderung allerdings belastend. Wer mehr zu tun haben möchte, sollte das Gespräch mit Vorgesetzten suchen und sich konkret für Höheres anbieten.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Boreout bedeutet Ausgebranntsein, weil man sich langweilt – das klingt erst einmal absurd. Betroffene kann die permanente Unterforderung jedoch in eine schwierige Lage bringen: Sie strecken die Arbeit, um nicht untätig zu wirken, und fühlen sich trotzdem wertlos. Im schlimmsten Fall werden sie krank. Eine Wiwo-Leserin fragt deshalb: „Wie spreche ich am besten an, dass mich mein Job unterfordert?“

Antwort: Nähern Sie sich der Antwort am besten von zwei Seiten. Fangen Sie bei sich an: Warum sind Sie unterfordert? Fühlen Sie sich bei diesem Job ganz grundsätzlich am falschen Platz? Oder macht er Ihnen eigentlich Spaß und Sie möchten einfach mehr oder andere Tätigkeiten übernehmen?

Überprüfen Sie außerdem: Entspricht Ihre eigene Wahrnehmung – dass Sie unterfordert sind – auch der Wahrnehmung Ihrer Vorgesetzten? Sind sie zufrieden mit Ihnen oder trauen sie Ihnen weniger zu als Sie selbst?

Dazu sollten Sie erst einmal herausfinden, ob Ihre Vorgesetzten mit Ihnen zufrieden sind. Wenn das der Fall ist, eröffnen Sie das Gespräch mit einer ganz direkten Bitte: „Die Arbeit hier im Unternehmen macht mir Spaß und ich bin gern Teil des Teams. Auf Dauer möchte ich aber mehr und bin für neue Herausforderungen offen. Gibt es da etwas, das Sie sich für mich vorstellen können?“ Seien Sie nicht verblüfft, wenn Ihre Vorgesetzten dazu ad-hoc keine Antwort haben – und nutzen Sie das, indem Sie selber Vorschläge machen. Zum Beispiel: „Bei Projekten wie dem XY würde ich gern mitarbeiten, die Team-Leitung übernehmen oder bei der Budgetplanung assistieren“ Oder Sie sagen: „In Abteilung 3 ist doch gerade viel zu tun. Könnten Sie sich vorstellen, dass ich da einige Wochen mitarbeite?“ Schauen Sie genau hin, wie Ihr Gegenüber auf Ihr Anliegen reagiert. Signalisiert er die Bereitschaft, Ihnen Karriereoptionen zu geben? Oder versucht er, Sie abzuwimmeln?

In vielen Firmen ist es üblich, Entwicklungspläne zu vereinbaren. Darin wird schriftlich festgehalten, was Sie tun müssen, um in einer bestimmten Zeit an bestimmte Positionen zu gelangen. Wenn Ihre Vorgesetzten keine Bereitschaft zeigen, mit Ihnen zumindest einen solchen Plan aufzusetzen, dann hilft nur eins: Freundlich ein Zwischenzeugnis anfragen und vielleicht noch einige Weiterbildungen mitnehmen. Wenn die Zeit gekommen ist, dann gehen Sie – und zwar in Richtung der Tätigkeiten, wo Sie Ihre Interessen und Kompetenzen gut einsetzen können.

Ob in Ihrem alten oder in einem neuen Unternehmen: Vergessen Sie nicht, sich neue oder zusätzliche Aufgaben mit mehr Verantwortung auch zusätzlich entlohnen zu lassen! Verhandeln Sie das bei Ihrer neuen Tätigkeitsbeschreibung mit.

Anja Henningsmeyer ist zertifizierte Verhandlungsführerin, Dozentin und Hauptschöffin am Amtsgericht Frankfurt. Die Verhandlungsexpertin lehrt an zahlreichen Hochschulen und in Unternehmen. 2019 erschien Ihr Ratgeber: „Denn Sie wissen, was Sie tun. Wie Frauen erfolgreich verhandeln im Campus Verlag.

Wenn Sie eine Frage haben, senden Sie uns diese bitte an erfolg@wiwo.de oder via FacebookInstagram und LinkedIn

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%