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Roland Jäger "Manager müssen Kritik suchen"

Der Fall VW zeigt: Wo nicht auf Fehler hingewiesen wird, kann es schnell zu gravierenden Problemen kommen. Doch gerade Chefs zeigen sich häufig nicht besonders kritikfähig. Ein Interview mit Business-Coach Roland Jäger über Fehlbarkeit, Ehrlichkeit und den richtigen Umgang mit Kritik.

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Die berühmten Ausrutscher der Manager
Matthias Müller Quelle: AP
Josef Ackermann Quelle: AP
Rolf Breuer Quelle: dpa
Jürgen Schrempp Quelle: dpa-dpaweb
Hartmut Mehdorn Quelle: dpa
Michael Meier Quelle: dpa
Hilmar Kopper Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Jäger, wie kritikfähig sind deutsche Firmenchefs?

Roland Jäger: Mitarbeiter untereinander sind meist sehr ehrlich und offen zu einander. Aber je höher man in der Hierarchie kommt, desto taktischer und politischer wird die Kritik. Da geht es häufig nicht um Ehrlichkeit, sondern um die Durchsetzung der eigenen Position und Macht. Oder Kritik bleibt ganz aus. Ich erlebe immer wieder, dass Menschen mit jeder Hierarchiestufe an Kritikfähigkeit verlieren.

Warum ist das so?

Roland Jäger Quelle: Presse

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    Führungskräfte werden durch den eigenen Erfolg darin bestärkt, dass das, was sie tun und sagen, richtig ist. Vielleicht grenzen sie sich sogar selbst von Kritik ab, weil das sonst eine Erschütterung des eigenen Selbstverständnisses bedeuten würde. Das ist nicht besonders klug, aber ein häufiger Mechanismus.

    Welcher Umgang mit Kritik wäre klüger?

    Die richtige Einstellung ist: Ich mache meinen Job gut, aber es gibt Dinge, die ich besser machen kann. Deshalb bin ich daran interessiert diese auch zu hören. Allein schon aus dem Gedanken heraus, sich weiterzuentwickeln, ist Kritik nötig. Man kann auch mit Neugierde an Kritik herangehen.

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    Und das passiert in vielen Unternehmen nicht?

    Selten. Auch sachliche Kritik wird dauernd persönlich genommen. Mit diesem Mechanismus muss ich mich nicht mit der Kritik beschäftigen, weil ich denke, dass sie mich nur verletzen soll. So schaffe ich es einerseits, mich damit nicht zu beschäftigen, andererseits mache ich damit auf Dauer alle meine Kritiker mundtot.

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    Aber manchmal ist Kritik doch auch persönlich. Wie lerne ich also, relevante von irrelevanter Kritik zu unterscheiden?

    Kritik hat leider immer einen Haken: Relevante erkennt man meist erst hinterher. Deshalb muss ich mir jede Kritik zumindest erst einmal anhören und mich vor allem in den Zustand versetzen, in dem ich sie auch annehmen will. Dabei sollte ich mir bewusst machen, dass die vorgetragene Kritik erst einmal nur die Meinung des Anderen ist.

    Die Rolle der Hierarchie

    Müssen Manager den Umgang mit Kritik lernen?

    Definitiv. Allerdings liegt das nicht immer nur am Chef, sondern auch die Mitarbeiter müssen mutiger werden. Ich erlebe häufig, dass Angestellte keine Kritik äußern, weil sie einen Karriereknick befürchten. Wenn ich dann konkret nachfrage, wann und ob so etwas schon einmal geschehen ist, wird es oft dünn. Dann kennt man eine Geschichte vom Hörensagen, einen Vorstand, den es längst nicht mehr gibt oder aber vermutet nur. Das ist schade. Bedeutet aber auch, dass Chefs immer wieder auf die eigene Kritikfähigkeit hinweisen müssen. Es funktioniert nicht nach dem Motto: Wer den größten Schmerz hat, der wird den Mund aufmachen. Manager müssen Kritik suchen.

    Wie miese Chefs ihre Mitarbeiter vergraulen
    Keine Verantwortung übernehmen oder abgeben Quelle: Fotolia
    Fehlende soziale Kompetenz, mangelnde Motivationsfähigkeit Quelle: Fotolia
    Mann steht am Bahnsteig und schaut auf seine Armbanduhr Quelle: Fotolia
    Fehler des Chefs: Sich zurückziehen, kein Feedback geben Quelle: Fotolia
    Ein schlechtes Arbeitsklima ist Kündigungsgrund Nummer eins Quelle: Fotolia
    Sind Mitarbeiter nur Marionetten? Quelle: Fotolia
    Vielen Chefs fehlt es an der Fähigkeit, Ziele nicht nur für die oberen Etagen, sondern auch für die Mitarbeiter zu definieren Quelle: Fotolia

    Wie soll das funktionieren?

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      Führungskräfte müssen einerseits konkret zur Kritik einladen. Andererseits müssen sie darauf achten, dass wenn jemand konstruktiv kritisiert, sie dies wertschätzen und positiv sanktionieren, in dem der entsprechende Mitarbeiter zum Beispiel besonders gefördert wird. Wenn zwei oder drei Mitarbeiter erleben, dass Kritik nicht Repressalien, sondern Anerkennung und Vorteil bedeutet, dann schafft man schnell im Unternehmen eine offenere Kultur. Denn diese Tatsachen machen unter den Mitarbeitern die Runde.

      Fördert eine flache Hierarchie einen offeneren Umgang mit Kritik?

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      Nicht jede starre Hierarchie ist gleichbedeutend mit ausbleibender Kritik. Es geht auch immer um die persönlichen Beziehung zu den jeweiligen Menschen und die kommunizierte Offenheit von Kritikfähigkeit. Starre Hierarchien im Organigramm sind deshalb nicht so entscheidend, wie die im Kopf. Ich erlebe immer wieder, dass sich Manager in Anwesenheit von ihrem Vorstandsvorsitzenden total verändern und fast schon in Duckmäuser-Verhalten verfallen. Auch wenn der Vorstand das überhaupt nicht erwartet. Die Herausforderung ist also, das von seinen Mitarbeitern konkret einzufordern.

      Hat auch Kritik Grenzen?

      Selbstverständlich! Es müssen sogar klare Grenzen gezogen werden: Wenn nicht gewisse Entscheidungen oder Verhaltensweisen sachlich dargestellt werden, sondern es persönlich oder polemisch wird, muss das direkt sofort unterbunden werden. Denn damit wird der Respekt gefährdet.

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