Selbstverliebte Manager Narzisstische Chefs können Unternehmen ruinieren

Narzissmus - die "Leitneurose der Gegenwart" - wird oft als Karriere-Booster bejubelt. Denn ohne starkes Selbstbewusstsein der Gründer gäbe es viele Unternehmen nicht. Doch Narzissten können den Erfolg auch verspielen.

Warum Narzissten schneller Karriere machen
Narzissten sind selbstbewusstSelbstbewusstsein und die dazugehörige Portion Rücksichtslosigkeit macht Narzissten so erfolgreich - und Unternehmen häufig erst innovativ. Eine Studie deutsch-amerikanischer Forscher um Wolf Christian Gerstner und Andreas König von der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt: Unternehmen investieren umso häufiger in neue Technologien, je narzisstischer der jeweilige CEO ist. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Zu viel Risikobereitschaft kann dem Unternehmen auch schaden. Quelle: AP
Narzissten sind ideale ChefsNarzissmus ja, aber bitte nicht zu viel. So lautet die Beschreibung für den idealen Chef. Wissenschaftler um Emily Grijalva von der Universität von Illinois fanden heraus, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und dem Erfolg als Führungskraft die Form eines umgekehrten U annimmt. Soll heißen: Extremer Narzissmus hilft ebenso wenig weiter wie überhaupt kein Narzissmus. „Der ideale Chef ist in Maßen narzisstisch“, sagt Grijalva. Quelle: Fotolia
Narzissten sind ehrgeizigVor allem in Chefetagen sind Narzissten keine Seltenheit. Kein Zufall: Zum einen sind Narzissten ehrgeizig, motiviert und machtgierig. Zum anderen verfügen sie über die nötige soziale Intelligenz, um ihre Untergebenen und Kollegen zu umschmeicheln. Das beweist auch eine Studie von der Ohio State Universität aus dem Jahr 2008. Die ergab: Narzisstische Studenten sind nicht nur besonders dominant bei Diskussionen, sondern wurden auch häufig in den Vorsitz von Studentenvereinigungen gewählt. Quelle: dpa
Narzissten machen steiler KarriereEgo hin oder her: Dass Narzissten schneller die Karriereleiter erklimmen, ist bekannt. Rücksichtslos und konsequent egoistisch lassen sie alle Hindernisse links liegen und ziehen durch, bis sie in der Chefetage angekommen sind. Dieses Charisma kann manchmal sogar ansteckend wirken - und Mitarbeiter dazu verleiten, selbst ein bisschen mehr Ehrgeiz an den Tag zu legen. Quelle: dpa
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Narzissten sind sympathischZumindest auf den ersten Blick. Das zeigt eine Studie der Universität Münster. Befragte Kommilitonen gaben bei Narzissten oft an: „Finde ich sympathisch, würde ich gern besser kennenlernen.“ Langfristig machen sich Narzissten dagegen keine Freunde – wer länger mit ihnen zu tun hat, dem werden Narzissten auf Dauer unsympathischer.   Quelle: Fotolia
Narzissten sind extrovertiertVor allem mit ihrer Extrovertiertheit können Narzissten oft punkten. Die kann schon beim Bewerbungsgespräch zum entscheidenden Vorteil werden - wenn der Narzisst es schafft, bereits bei diesem ersten Treffen zu glänzen. Quelle: Fotolia

Als Klaus Eidenschink der desolate Zustand des Unternehmens bewusst wurde, war es fast zu spät: Die Firma, in die der Berater gerufen wurde, war in einer schweren Liquiditätskrise. Ein Gesellschafter hatte Eidenschink engagiert, um die zweite Führungsebene zu coachen - zumindest vordergründig. In Wirklichkeit machte sich der Mann Sorgen um die Firma. Er warf dem Geschäftsführer vor, unrealistische Wachstums- und Finanzplanungen zu machen und den Markt falsch einzuschätzen. Außerdem halte der Vertrieb kritische Informationen zurück und es gäbe eine enorme Konkurrenz um die Gunst des Geschäftsführers.

Besagter Geschäftsführer - ein äußerlich jovial und zuvorkommender Mann mit rhetorischem Geschick - sah die Situation jedoch total anders: Das Problem sei einzig die zweite Führungsebene: Die sei unreif und führungsbedürftig. Ansonsten sei alles gut, mit Ausnahme vielleicht des Gesellschafters – der sei in letzter Zeit etwas schwierig geworden.

Letztendlich konnte der Coach und Organisationsberater nicht helfen, die Firma hatte die Arbeit mit ihm aus Budgetgründen eingestellt. Am Ende ging das Unternehmen mitsamt seinen 120 Mitarbeitern pleite. In einem Fachartikel bescheinigt Eidenschink dem Unternehmen später eine "narzisstische Führungsumwelt." Der Chef litt an einem aufgeblähten Selbstbewusstsein, chronischer Überschätzung des eigenen Selbst und nahm wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer.

"Narzissmus kann entstehen, wenn ein Kind in einer kritischen Phase spürt, dass es Anerkennung und Wertschätzung nur durch eine bestimmte Leistung bekommt", sagt Gerhard Dammann, Ärztlicher Direktor an der Psychiatrischen Klinik in Münsterlingen in der Schweiz. Für Kinder sind Liebe und Zuneigung von frühen Bezugspersonen wie den Eltern von existentieller Bedeutung. Fehlt die in der Kindheit, fehlt die Erkenntnis: Ich bin liebenswert, so wie ich bin. Oftmals wird das spätere Leben dann zu einer verzweifelten Suche nach Anerkennung. Im Mittelpunkt des eigenen Tuns steht ständig die Frage: "Wer muss ich sein, um Anerkennung und Aufmerksamkeit von andern zu bekommen?"

Narzissten errichten deshalb eine Fassade, die nach außen möglichst attraktiv erscheint. Oft wirken sie sehr selbstbewusst, charismatisch oder redegewandt – Eigenschaften, die sie für die Unternehmensführung prädestinieren – innerlich bleiben sie jedoch verunsichert und depressiv.

Psychologen schätzen den Anteil der Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung auf vier Prozent. Viele Experten glauben, dass ihr Anteil in Führungspositionen wesentlich höher ist. Dammann bezeichnet den Narzissmus sogar als "Leitneurose der Gegenwart."

Was passiert in solchen Firmen, denen ein solcher Manager vorsteht? Das Drama in vier Akten:

Akt 1: Beschönigen oder Verschweigen wichtiger Informationen

Je narzisstischer eine Führungskraft, desto schwerer fällt es ihr, kritische und abweichende Sichtweisen gelten zu lassen. In Meetings bügeln narzisstische Chefs oft jeden Widerspruch nieder. Personen mit abweichender Meinung sortieren sie mental in ein feindliches Lager ein, werten sie ab oder feuern die ungeliebten Mitarbeiter.

So schmeicheln Sie Ihrem Chef

Die Mitarbeiter, denen ihr Job lieb ist, halten sich also mit Kritik am Chef zurück und verschweigen oder bagatellisieren vielleicht sogar kritische Informationen. "Ich habe Unternehmen erlebt, in denen Mitarbeiter nachgerade unterrichtet und eingewiesen wurden, worüber nicht gesprochen werden darf", erklärt Führungskräfte-Coach Eidenschink.

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