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Serie - Geheimnis meines Erfolgs (I) Der verrückte Herr Rosso

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Anfänge an der Textilfachschule

Renzo Rossos Erfolgsregeln

Was Rosso daraus lernte? Dass man gutes Geld verdienen kann, "wenn man ein gutes Produkt hat und bereit ist, clever, hart und geduldig zu arbeiten".

So hält er es auch, als er mit 15 auf eine Textilfachschule nach Padua wechselt. Nur wenig Theorie steht zu Rossos Freude hier auf dem Programm, unterrichtet wird er von Praktikern aus der Modeindustrie. Über das Gefühl für Textilien, den Zuschnitt des Stoffs, das Zeichnen von Schnittmustern und das Setzen der Nähte über die Handhabung der Maschinen, über Lagerung und Transport der Kleidungsstücke bis zur Rechnungstellung: "Hier habe ich alles gelernt, was ich später für meine Selbstständigkeit brauchte."

Handeln, als hätte man nichts zu verlieren

Der kommt er bald einen großen Schritt näher: Als ihm ein Freund aus den USA ein paar Meter Denimstoff mitbringt, schnappt sich der Teenager die Nähmaschine seiner Mutter und schneidert sich eine Jeans mit 42 Zentimeter Schlag. Weil auch seine Freunde scharf sind auf diese Hippie-Hosen, setzt er sich nachts mit ein paar Arbeiterinnen hin und legt los. 7000 Lire verlangt er für eine maßgeschneiderte Jeans – die Hälfte als Arbeitslohn. Die ersten 100 000 Lire sind schnell gewonnen – und die Erkenntnis, dass "ich etwas schaffen kann, wenn ich nur daran glaube."

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    So wie bei seinem ersten Job: Rosso, keine 20 Jahre alt, wird Produktionsleiter eines mittelständischen Textilherstellers, soll die Arbeit von 18 Näherinnen überwachen – obwohl er keine Ahnung von der Aufgabe hat. Auch das zeige schon den später erfolgreichen Unternehmer, sagt Guido Corbetta, Professor für Unternehmensstrategie an der Mailänder Bocconi-Universität. "Sie handeln immer so, als hätten sie kaum etwas zu verlieren."

    Fabrikneu und künstlich gealtert

    In der ersten Woche unter Rossos Ägide verlässt nicht eine vorzeigbare Jeans die Abteilung. Panisch telefoniert der überforderte Jungmanager mit Freunden, büffelt nachts, um die Produktionsabläufe besser zu verstehen. Verdient nach zwei Jahren mithilfe von Leistungsprämien bis zu zehn Mal mehr als zu Beginn seiner Tätigkeit. Und wirft, als es endlich glattläuft, den Job hin: "Ich brauchte einen neuen Anreiz."

    Der heißt: Diesel. Im Oktober 1978 startet Rosso seine eigene Marke. Erst zusammen mit seinem Ex-Arbeitgeber, ab 1985 in Eigenregie. Weil Secondhandjeans damals hoch im Kurs stehen, will Rosso fabrikneue Jeans mit künstlicher Alterung in die Läden bringen. Dafür lässt er den Stoff so aufscheuern, als hätten sie einen Produktionsfehler. "Ich erhob die Jeans zur Kunst", sagt Rosso. Und macht sie dadurch zum Luxusprodukt – wegen der aufwendigen Behandlung des Stoffs war schon die Herstellung teurer als die herkömmlicher Jeans. Wie ein junger Mann auf die Idee komme, Jeans ausgerechnet in den USA zum doppelten Marktpreis verkaufen zu können, fragt sich nicht nur das "Wall Street Journal". Auch die Diesel-Händler schäumen – auf Rossos Plan lassen sie sich erst ein, als der versichert, nicht verkaufte Jeans zurückzunehmen. Nicht nötig – "die Jeans", erinnert sich Rosso, "gingen weg wie warme Semmeln".

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