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Serie Tickets zur Macht Die Netzwerke der Mächtigen

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Kennen und helfen

Die Hobbys der Superreichen
Jeff Bezos Quelle: AP
James Cameron Quelle: dapd
Dennis Tito Quelle: AP
Francis Ford Coppola Quelle: dpa
Roman Abramowitsch Quelle: dpa/dpaweb
Richard Branson Quelle: dpa
Paul Allen Quelle: dapd

Engländer und Amerikaner sprechen von Closed Shops, Deutsche von Netzwerken, Rheinländer vom Klüngel. Doch egal, wie man es nennt und sich auf internationalem oder nationalem Parkett bewegt; ob man in ökonomisch motivierten Zirkeln oder Freundeskreisen von Museen zusammenkommt; sich unter Adeligen oder im Karnevalsverein trifft; ob man qua Geburt, Beruf oder Vermögen dazugehört. Das Prinzip ist stets dasselbe: Man kennt sich, man schätzt sich, man hilft sich.

Die einen plaudern unter ihresgleichen entspannt über geschäftliche und private Interessen. Die anderen tauschen Tipps über anstehende Jobwechsel aus, bahnen Kooperationen an und stellen Aufträge in Aussicht. Alles unbeobachtet von der Öffentlichkeit. Ganz gleich, in welcher Branche. Der deutsche Top-Manager Klaus Kleinfeld, Vorstandsvorsitzender von Alcoa, vergleicht das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos mit „Speed Dating“. Soll heißen: Er trifft innerhalb kürzester Zeit so viele wichtige Personen wie sonst nie. Evonik-Chef Klaus Engel nutzt das WEF vor allem dazu, um sich mit Gleichgesinnten über globale Trends und die Konjunktur auszutauschen. Als wichtigstes Treffen der globalen Finanzelite etwa gilt die Jahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Das letzte Tête-à-Tête von Finanzministern, Zentralbankgouverneuren der G7, Top-Bankern und Nichtregierungsorganisationen fand im Oktober 2012 in Tokio statt. In Berlin wiederum gab es in der vergangenen Woche ein Zusammentreffen, dessen Name Programm ist: die „Super Return Conference“. Unter diesem Dach versammeln sich seit 1998 knapp 1500 Manager der Private-Equity-Branche mehrmals jährlich an wechselnden Orten der Welt – um über die Zukunft der Branche zu debattieren, Strategien gegen mögliche Regulierungen auszuhecken oder nach der neuen Formel für spektakulären Anlageerfolg zu suchen.

Wo sich die Mächtigen noch treffen

Serie der WirtschaftsWoche

Welche aber sind die bedeutsamsten Machtzirkel unserer Zeit? Wo laufen die wirklich wichtigen Fäden zusammen? Wo wird jenseits öffentlich wahrnehmbarer Gremien und Institutionen wie Regierungen, Wirtschaftsverbänden, Wahlen und Hauptversammlungen über den Lauf der Dinge mitentschieden? Über globale Entwicklungen historischer Dimension, Regulierungen auf nationaler Ebene bis hin zu Entscheidungen im lokalen Umfeld? Welcher Zirkel eignet sich für welchen Personenkreis? Wie befördert eine Mitgliedschaft meine berufliche und private Entwicklung? Und wie bekomme ich Zutritt?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die WirtschaftsWoche in den kommenden Wochen. Eine sechsteilige Serie liefert Einblicke in die Welt der Elitezirkel und stellt etwa 30 der bedeutendsten Vereinigungen vor – vom WEF in Davos über die Internet-Konferenz Le Web bis hin zum Frauennetzwerk Zonta und dem Allgemeinen Schnauferl-Club, einem mächtigen Zusammentreffen autovernarrter Top-Manager.

Die Ehepaare der Wirtschaft
Brigitta und Titus Dittmann Titus Dittmann gilt als Vater der deutschen Skateboard-Szene. Mit seiner Frau ist er seit 1974 verheiratet - der gemeinsame Sohn Julius (links) führt mittlerweile die Familiengeschäfte. Nach missglücktem Börsengang bringt er heute Kindern in Afghanistan und Afrika das Skateboarden nahe. Seine Frau beantragte damals den "Reisegewerbeschein", um das Unternehmen zu gründen. Titus Dittmann konnte das nicht machen. Sein Beruf als Lehrer erlaubte es ihm nicht. Quelle: PR
Erivan und Helga HaubJahrelang prägten sie die Tengelmann-Gruppe: Erivan und Helga Haub. Sie heiraten 1958, elf Jahre später übernimmt Erivan Haub die Geschäftsführung des Familienunternehmens. Unter ihm expandiert Tengelmann zu einem der weltweit größten Handelsunternehmen. Helga Haub engagiert sich  vor allem für die Umwelt und verbannt 1984 Schildkrötensuppe aus dem Sortiment. Quelle: DPA
Gerd und Gabriele StrehleSie war jahrelang der kreative Kopf der Modefirma Strenesse, er der ökonomische. 1973 kommt Gabriele Strehle – damals noch Gabriele Hecke – als Designerin zu den Nördlinger „Bekleidungswerken Strehle“. Sie prägt das Unternehmen mit ihrer Handschrift und entwickelt die Marke Strenesse.  1985 heiratet sie Gesellschafter Gerd Strehle, 1998 erhält die Marke ihren Namenszusatz „Strenesse – Gabriele Strehle“, zwei Jahre später wird aus der Strehle GmbH die Strenesse AG. 2012 hat Gerd Strehle seinen Vorstandsvorsitz an seinen Sohn aus erster Ehe, Luca Strehle, abgegeben und hat den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. Gabriele Strehle hat das Unternehmen daraufhin verlassen. Quelle: DPA
Bertha und Carl Benz Bertha Benz stammte aus einer wohlhabenden Familie. Weil sie sich ihr Erbe vorzeitig auszahlen ließ, konnte Carl Benz aus einem Vertrag mit einen Motorenbauer herausgekauft werden, so erzählt es die Urenkelin Jutta Benz im Interview mit Wiwo.de. Kaufmännisch begabt sei Carl Benz nicht gewesen: An der zweiten Firma Benz & Cie., die er gründete, war er lediglich mit zehn Prozent beteiligt. Dieses Unternehmen lief gut; Carl Benz war die meiste Zeit mit seinen Erfindungen beschäftigt. Bertha Benz soll Druck ausgeübt haben, es war schließlich auch ihr Geld, das in dem Unternehmen steckte. Quelle: Presse
Sonia und Willy BognerDas Unternehmer-Ehepaar ist seit 1972 verheiratet. Er ist der erfolgreiche Kaufmann, wie "Die Welt" schreibt; sie der kreative Kopf des Modeunternehmens. Willy sei der Chef, sie die Chefita - auf Gleichberechtigung habe Sonia Bogner keine Lust: Sie möchte nicht die ganze Verantwortung für die Firma tragen müssen. Quelle: Presse
Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und HalbachDiese Szene aus dem ZDF-Dreiteiler „Krupp – Eine deutsche Familie“ von 2009 zeigt Gustav und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach (dargestellt von Iris Berben und Thomas Thieme). Nach dem Tod ihres Vaters Friedrich Alfred Krupp war die noch minderjährige Bertha Krupp Alleinerbin des Stahlriesen Krupp. Auf Vermittlung von Kaiser Wilhelm II. heiratete sie den preußischen Adligen Gustav von Bohlen und Halbach. Das Paar durfte auf königlich-preußischen Erlass solange den Namen „Krupp von Bohlen und Halbach“ tragen, solange ihnen das Unternehmen persönlich gehörte. Quelle: dpa
Liz und Reinhard Mohn Elisabeth (Liz) Mohn war 17 Jahre alt, als sie Reinhard Mohn kennen lernte. Drei Kinder haben sie gemeinsam, die - bis auf einen Sohn - alle Anteile am Medienkonzern halten. Ihr wurde als Familiensprecherin das Recht eingeräumt, bis zu ihrem 80. Lebensjahr in alle Informationen und Besprechungen involviert zu sein. Während sich Reinhard Mohn bis zu seinem Tod 2009 immer mehr aus dem Geschäftsleben zurückzog, wuchs der Einfluss seiner Ehefrau gleichermaßen. Sie ist heute Aufsichtsratsmitglied bei Bertelsmann. Quelle: dpa

Starkes Bedürfnis

„Keine menschliche Eigenschaft ist erstaunlicher als unser Drang, mit anderen zu sympathisieren“, schrieb der schottische Philosoph und Ökonom David Hume in seinem 1740 veröffentlichten „Traktat über die menschliche Natur“. Damit formulierte er vor knapp 300 Jahren, was bis heute unverändert gilt: Das Bedürfnis nach sozialen Bindungen gehört zu den zentralen Triebkräften des Menschen – ganz gleich, ob im Berufs- oder Privatleben. Als soziale Wesen suchen wir Anschluss an Gleichgesinnte. Mal wollen wir durch gegenseitige Unterstützung Einfluss und Status einer Gruppierung festigen, mal Entscheidungen in eine bevorzugte Richtung beeinflussen.

So verständlich dieser Wunsch ist, so faszinierend sind seine Ausprägungen. Sagenumwobene Geheimbünde wie die Freimaurer, die Illuminaten oder das Opus Dei regen traditionell die Fantasie von Außenstehenden an. Wilde Theorien füllen ganze Bücherregale und geistern durch Diskussionsforen im Internet. Manche vermuten, dass diese und andere Netzwerke in dunklen Hinterzimmern das Schicksal der Welt bestimmen; andere glauben, dass sie als Schattenregierungen die gewählten Politiker zu Marionetten verkommen lassen – oder die Amtsträger in den Vorstandsetagen der Unternehmen gleich mit.

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