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Serie Tickets zur Macht V Mächtige Frauen unter sich

Die einen treffen sich einmal im Jahr in einem französischen Seebad, andere kommen regelmäßig an wechselnden Orten zusammen, wieder andere einmal im Monat. Vier Netzwerke weiblicher Führungskräfte.

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Women's Forum: Davos für Frauen

Eine Absage hätte sie vielleicht noch zähneknirschend akzeptiert. Aber gar keine Reaktion? Das war dann doch zu viel für Aude de Thuin. Die Französin war in ihrer Heimat bereits eine erfolgreiche Unternehmerin. Da erschien es der Veranstalterin von Messen und Kongressen nur logisch, am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos teilzunehmen. Doch die Organisatoren ignorierten sie. Als de Thuin dann noch feststellte, dass unter den Teilnehmern des WEF nur drei Prozent Frauen waren, reichte es ihr endgültig. Und sie beschloss: Ein Davos für Frauen musste her.

Die mächtigsten Frauen Deutschlands
Simone Bagel-Trah Quelle: dpa
Nicola Leibinger-Kammüller Quelle: AP
Hannelore Kraft Quelle: dpa
Friede Springer Quelle: AP
Maria-Elisabeth Schaeffler Quelle: AP
Anke Schäferkordt Quelle: dpa
Beate Baumann Quelle: dpa

Zunächst wollte allerdings keine Bank ihr Vorhaben finanzieren. Deshalb verkaufte de Thuin, die sich selbst als "dickköpfige Bretonin" bezeichnet, ihr Unternehmen an ihren Mann. Erst dann lud sie Frauen in Führungspositionen ins schmucke Seebad Deauville, zwei Stunden Autofahrt von Paris entfernt. Das 4.000-Einwohner-Dörfchen war bis dahin vor allem bekannt für seine vielen normannischen Fachwerkvillen sowie als Treffpunkt der Pariser High Society, die sich zum Segeln, Golfen und Pferderennen verabredete. Im September 2005 trafen sich dort zum ersten Mal namhafte Frauen zum Women's Forum for the Economy and Society. Schon die Premiere war ein Erfolg, inzwischen sponsern 40 Unternehmen die Veranstaltung. Zu den Gesellschaftern gehören Anne-Claire Taittinger vom gleichnamigen Champagnerhersteller und Bankier David de Rothschild. Die "Financial Times" zählt die jährlich im Herbst stattfindende Konferenz, die seit 2009 von der internationalen Werbeholding Publicis organisiert und vermarktet wird, zu den fünf wichtigsten weltweit.

Vor allem aus einem Grund: Die Teilnehmerinnen sprechen längst nicht mehr ausschließlich über Frauenquote und Karrierechancen, sondern auch über übergeordnete politische, gesellschaftliche und ökonomische Probleme.

Tickets zur Macht

Auf dem Treffen im vergangenen Oktober kamen 1.200 Teilnehmer aus 80 Ländern zusammen, darunter die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, und diskutierten über die Arabische Revolution, Kapitalismus, Wachstum und Armut, die Energiefrage und den Umgang mit digitalen Medien.

Die Teilnahme kostet zwischen 1.800 Euro (für Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen) und 4.800 Euro (für Angestellte von Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern). Das Treffen im Oktober steht unter dem Motto "Competition, Cooperation, Creativity" und wird durch zusätzliche Konferenzen in Brasilien und Myanmar ergänzt.

Immer öfter werden auch Männer auf den Planet der Frauen geladen, etwa Carlos Ghosn. Warum er die Einladung annimmt? "Beim Autokauf", sagt der streitbare Renault-Nissan-Chef ganz pragmatisch, "treffen immer häufiger Frauen die Entscheidung."

Zonta: Exzellente Vielfalt

Die mächtigsten Frauen im Business
Nancy McKinstry Quelle: Presse
Platz 14: Ho Ching Quelle: REUTERS
Platz 13: Sandra Peterson Quelle: Bayer CropScience AG
Platz 12: Ornella Barra Quelle: Presse
Platz 11: Maria Ramos Quelle: World Economic Forum
Marjorie Scardino Quelle: REUTERS
Annika Falkengren Quelle: REUTERS

Egal, ob Hausfrau oder Herzchirurgin, bei Zonta ist jede Frau willkommen. Unter einer Bedingung: Gut muss sie sein in ihrem Bereich, der im ältesten Frauenzirkel der Welt idealerweise jeweils nur einmal vertreten sein sollte. Der Name Zonta kommt aus der Sprache der Sioux-Indianer und bedeutet "redlich". Das Netzwerk wurde 1919 im US-Bundesstaat New York gegründet, als Gegenentwurf zum männlich dominierten Rotary-Club. Zu den Zontians gehören seitdem Frauen in leitender Position oder Selbstständige. Regelmäßige Teilnahme ist Pflicht. Einmal im Monat lauschen sie Vorträgen von Mitgliedern oder Gästen, plaudern über berufliche und private Belange, arbeiten an sozialen Projekten oder Spendenaktionen. Die Aufnahme erfolgt nur auf Empfehlung.

In welchen Aufsichtsräten 2013 neu gewählt wird - und wo Frauen Chancen haben

In Deutschland hat das Netzwerk etwa 4.600 Mitglieder, verteilt auf 128 Clubs - allein in Hamburg gibt es fünf. Weltweit gibt es 31.000 Zontians, darunter viel Prominenz: Königin Silvia von Schweden gehört ebenso dazu wie die britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher oder die norwegische Schauspielerin Liv Ullmann. Zu den bekanntesten deutschen Vertretern zählt die CDU-Politikerin Rita Süssmuth, Frankfurts frühere Bürgermeisterin Petra Roth ist Ehrenmitglied.

Generation CEO: Sprung nach oben

Die mächtigsten Frauen in deutschen Aufsichtsräten
Renate KocherDie Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstituts Allensbach (IfD) ist eine der einflussreichsten Aufsichtsrätinnen in Deutschland. Renate Kocher ist Mitglied in den Kontrollgremien von Allianz, BMW und Infineon. Doch nicht nur bei Dax-Konzernen ist sie präsent. Die 60-Jährige wacht auch über Bosch und Nestlé Deutschland und ist Mitglied der Verwaltungsräte von Aldi Süd und HSBC Trinkaus. Quelle: dapd
Ann-Kristin AchleitnerDie Wirtschaftsprofessorin ist Multi-Aufsichtsrätin und vergleichsweise jung. Die 47-Jährige rückt in den Aufsichtsrat des Rückversicherers Munich Re. Für den neuen Job hat sie ein Verwaltungsratsmandat bei der Schweizer Bank Vontobel aufgegben. Auch beim Dax-Konzern Linde wacht Achleitner über das Management, im Aufsichtsratsgremium des Handelskonzerns Metro ist sie vertreten. Seit 2012 ist sie auch Mitglied der Regierungskommission für gute Unternehmensführung, die unter anderem Regeln für die Vergütung von Managern vorschlägt. Achleitners Mann Paul ist ebenfalls professioneller Aufseher, unter anderem als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Statt Deutschland AG, heißt es bei dem Paar: Deutschland WG. Quelle: dpa
Nicola Leibinger-KammüllerDie Managerin ist 53 Jahre alt und führt den Maschinenbauer und Laserspezialisten Trumpf. Gleichzeitig nimmt sie aber auch Aufsichtsratsmandate wahr. Wie Achleitner wachst sie über zwei Dax-Konzerne: Lufthansa und Siemens. Beim Axel-Springer-Verlag ist sie ebenfalls im Aufsichtsgremium. Quelle: dapd
Sari BaldaufDie großen Konzerne schauen bei der Suche nach Aufsichtsratsmitgliedern zunehmend auch ins Ausland. Schließlich machen sie im Schnitt mehr als die Hälfte des Umsatzes außerhalb der Landesgrenzen. Von dem Trend zur Internationalisierung profitiert etwa Sari Baldauf, ehemalige Chefin von Nokia Networks. Die 57-Jährige ist Aufsichtsrätin beim Autokonzern Daimler und seit vergangenem Jahr bei der Deutschen Telekom. Quelle: Presse
Annika FalkengrenZu den wichtigsten Ausländerinnen in deutschen Kontrollgremien zählt Annika Falkengren, die schwedische Bankerin, die in den Gremien von Münchner Rück und Volkswagen sitzt. Quelle: REUTERS
Ursula PiëchZu den Grandes Dames in deutschen Aufsichtsräten zählt Ursula Piëch. Seit 2012 ergänzt sie als Aufsichtsrätin bei Volkswagen und als testamentarisch festgelegte Nachfolgerin von Ferdinand Piëch in den Privatstiftungen und hat damit große Macht über den gewinnträchtigsten deutschen Konzern: VW.  Quelle: dpa
Liz MohnAls Aufsichtsrätin von Bertelsmann und Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH wacht Liz Mohn über den größten deutschen Medienkonzern. Quelle: dpa

Ihr Name ist Programm: Hauke Stars ist ganz oben angekommen. Die IT-Expertin ist seit Dezember 2012 nicht nur die erste Frau im Vorstand der Deutschen Börse - sondern auch das erste Dax-Vorstandsmitglied der Generation CEO. Dahinter verbirgt sich ein Netzwerk aus hoch qualifizierten Frauen, das ausgerechnet ein Mann gegründet hat: Heiner Thorborg, einer der renommiertesten Headhunter Deutschlands. "Frauen in Führungspositionen zu bringen ist für Unternehmen schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll", sagt Thorborg. Deshalb schuf er eine Plattform, auf der sich talentierte und aufstiegswillige Frauen präsentieren und vernetzen können.

Alle sind zwischen 33 und 43 Jahren alt und bereits in Führungspositionen angekommen, trotzdem haben sie noch Potenzial nach oben. Zwei Drittel von ihnen haben außerdem Kinder. Über Generation CEO haben sie die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Mit Erfolg: Jede vierte der derzeit 119 Generation-CEO-Frauen sitzt in einem Vorstand, Aufsichts- oder Verwaltungsrat.

Zu den bekanntesten gehören neben Börse-Vorstandsmitglied Stars etwa Tanja Tamara Dreilich, Chefin des Softwareherstellers Nemetschek; Christine Graeff, Generaldirektorin für Kommunikation bei der Europäischen Zentralbank; Eun-Kyung Park, Geschäftsführerin von ProSiebenSat.1 Digital; Julia Jäkel, Co-Chefin des Verlagshauses Gruner + Jahr, oder Ines Kolmsee, Chefin des Stahl-Zulieferers SKW Stahl-Metallurgie. Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Einmal im Jahr treffen sich die Managerinnen in Berlin und organisieren auch regionale Treffen. Das Netzwerk wächst jährlich um 20 neue Managerinnen. Wer will, kann sich selbst bewerben, über die Aufnahme entscheidet allein Netzwerkgründer Thorborg. Er hält es in Sachen Frauen gern mit Barack Obama: "Der sicherste Weg zum Erfolg", so das Credo des US-Präsidenten, "ist es, sich mit brillanten Frauen zu umgeben."

EWMD: Europa ruft

Frauenanteil in Deutschlands Großkonzernen
Adidas Herbert Hainer Quelle: dapd
Elizabeth Corley Allianz Quelle: Pressebild
Sandra Peterson Bayer Quelle: Pressebild
BASFBeim Chemieriesen BASF stieg die Frauenquote im vergangenen Jahr ebenfalls nur um rund ein Prozent auf 10,9 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Hier sind auch Ziele in Sachen Frauenförderung wenig ambitioniert. Lediglich 15 Prozent sollen bis Ende 2020 in den Chefetagen des Konzerns sitzen. Auch insgesamt gibt es wenige Frauen im Konzern. Ihr Anteil an der Gesamtbelegschaft liegt bei 23 Prozent. Allerdings sitzt hier eine Frau im Vorstand. Margret Suckale ist Personalchefin des Ludwigshafener Chemieunternehmens. Bekannt wurde sie während des Lokführer-Streiks 2008 als Personalchefin bei der Deutschen Bahn. Ein weiteres bekanntes weibliches Gesicht ist RTL-Chefin Anke Schäferkordt, die im Aufsichtsrat von BASF sitzt. Quelle: dpa
Beiersdorf Quelle: dpa
Hildegard Wortmann Quelle: Pressebild
Commerzbank Quelle: dapd

Das European Women’s Management Development (EWMD) unterstützt Frauen in Führungspositionen und möchte ihre Fähigkeiten als Managerinnen fördern. Zu den Unterstützern gehören Audi, Henkel und Microsoft. Wer als Privatperson beitreten will, kann für 20 Euro Gebühr an einem der monatlichen Treffen teilnehmen. Stimmt der erste Eindruck, folgt ein Gespräch mit dem Regionalvorstand und danach im Optimalfall die Aufnahme. Gegründet wurde das EWMD 1984 von der Vereinigung europäischer Business Schools in Brüssel.

Unter den Initiatorinnen waren auch drei Deutsche: Die Juristin und Frauenrechtlerin Helga Stödter, die Organisationsprofessorin Ariane Berthoin Antal und die Soziologin Camilla Krebsbach-Gnath bauten zusammen mit sechs Frauen aus der Schweiz, Italien, England und Schweden das Netzwerk auf. Mittlerweile vereint es etwa 800 Mitglieder aus Wirtschaft, Bildung, Politik und Kultur. Bei den Treffen der regionalen Clubs werden Vorträge und Diskussionen geboten.

Management



Die internationalen Mitglieder versammeln sich einmal im Jahr auf dem dreitägigen Global Summit for Women. Zum diesjährigen Frauengipfel, der vom 6. bis 8. Juni in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur stattfindet, kommen unter anderem Pepsi-Chefin Indra Nooyi und Boeing-Europachefin Henryka Bochniarz.

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