Serie Tickets zur Macht VI Die Treffpunkte der Elite

Hier ein Drink mit George Clooney, dort ein Frühstück mit Frank-Walter Steinmeier oder eine Spritztour im Oldtimer: Die Elite aus Politik, Wirtschaft und Medien trifft sich in Clubs, Salons – und manchmal auf der Straße.

Die geheimen Clubs der Wirtschaftselite
Capital ClubNur gegen Aufnahmegebühr und Jahresbeitrag darf im Capital Club getroffen werden. Gäste: Joschka Fischer, Roland Pofalla, Klaus Wowereit Adresse: Mohrenstraße 30, 10117 Berlin www.berlincapitalclub.de Quelle: Pressebild
Airport Club Quelle: Presse
Deutsche Parlamentarische Gesellschaft Quelle: Deutscher Bundestag/Siegfried Bücker
Soho House, Berlin Aus dem Ur-Soho-House in London stammt der Grundsatz für Mitglieder: No bankers, no lawyers. In der City der Neunziger war das ein Erdbeben, in der Berlin ist nichts leichter als das. Gäste: Hierher kommen Modedesignerwie Michael Michalsky, Jungunternehmerwie Jan-Henrik Scheper-Stuke, Chef des Krawattenlabels Edsor Kronen, oder Schauspieler wie Heike Makatasch. Und Madonna? War auch schon da. Adresse: Torstraße 1, 10119Berlin www.sohohouseberlin.com
Business-Club Schloss Solitude Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche
Kieler Yachtclub Der Club hieß bis 1918 Kaiserlicher Yachtclub, hier war die wilhelminische Elite, Industrielle und Adlige Mitglied. Auch die Mitglieder der Familie Krupp aus Essen. Vor dem an der Kieler Förde gelegenen Clubhaus, das seit 2007 dem ThyssenKrupp-Konzern gehört,  ist die alte Krupp-Yacht „Germania VI“ vertäut, mit dunkelgrünen Rumpf. Gäste: Zur Kieler Woche im Juni ist der Yachtclub noch heute gesellschaftlicher Treffpunkt deutscher und vor allem skandinavischer Industriemanager. www.kyc.de Quelle: Screenshot
Union Club in der Villa MertonIn der neobarocken Villa Merton gelegen, suchen die Mitglieder des Union Club in sicherer Entfernung vom Rummel des Bankenviertels Kontakt zu Entscheidern aus Industrie und Finanzwelt.. Gäste: Air-Berlin-Chefpilot Hartmut Mehdorn schaut hin und wieder vorbei. Auch der ehemalige Vorstandssprecher und spätere Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, kommt gerne her. Gleiches gilt auch für den US-Generalkonsul in Frankfurt, Edward Alford. Adresse: Am Leonhardsbrunn 12, 60487 Frankfurt http://www.union-club.com/ Quelle: Presse

Allgemeiner Schnauferl-Club: Unter Brüdern

Das Hemd grobkariert, die Hose verwaschen, die Hände leicht ölverschmiert: Dass der Mann ein weltweit agierendes Unternehmen führt, mit knapp 1000 Beschäftigten und 250 Millionen Umsatz, sieht man ihm nicht an. Daran denkt er selbst wohl gerade auch nicht. Ihn beschäftigt mehr die Frage, warum die „Kiste“, ein mehr als 60 Jahre alter Jaguar Roadster, nach einer kurzen Rast nicht wieder anspringen mag. Aber wozu hat man Clubkameraden?

„Heiner, kannst du mal“, bittet er schließlich einen anderen Endfünfziger um Hilfe, der auch umgehend mit einem Werkzeugkoffer herbeieilt. Kurz darauf erwacht der Sechszylinder wieder polternd zum Leben, und die Deutschland-Rallye kann fortgesetzt werden.

Tickets zur Macht

Der Geist der Kameradschaft und die Liebe zum historischen Automobil einen die etwa 1500 Mitglieder des Allgemeinen Schnauferl-Clubs (ASC) von 1900. Der Begriff Schnauferl stammt vom Geräusch des sogenannten Schnüffelventils ab, das in den ersten Viertaktmotoren montiert war – für die Mitglieder des ASC pures Basiswissen. Der Verein gehört heute zu den ältesten Automobilclubs weltweit und sicher auch zu den elitärsten: Zu den „Schnauferlbrüdern“ der ersten Stunde zählten unter anderem Carl Benz, Gottlieb Daimler, Prinz Heinrich von Preußen und Ettore Bugatti. Aktueller Ehren-Schnauferlbruder ist Carl H. Hahn, der von 1982 bis 1993 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen war. Trotz seiner inzwischen 86 Jahre nimmt Hahn immer noch rege am Clubleben und an traditionellen Oldtimer-Fahrten des ASC teil.

Oldtimer mit (Spar)Potenzial
Modell: Messerschmidt
Modell: Fiat Dino Coupe Bauzeit: 1966-1972 Stückzahl: 7.651 Neuwagenpreis: 13.000 Zeitwert: 20.000 Quelle: Presse
Modell: Toyota 2000 GT Bauzeit: 1967-1970 Stückzahl: 351 Neuwagenpreis: 10.000 Zeitwert: 250.000 Quelle: wikipedia - gnsin
Modell: Peugeot 404 Cabriolet Bauzeit: 1962-1968 Stückzahl: 10.398 Neuwagenpreis: 8.000 Zeitwert: 25.000 Quelle: Creative Commons-Lizenz
Modell: Bentley Azure Bauzeit: 1995-2003 Stückzahl: 1.321 Neuwagenpreis: 347.000 Zeitwert: 70.000 Quelle: Presse
Modell: Ferrari 512 Berlinetta Boxer (BB) Bauzeit: 1976-1984 Stückzahl: 2.323 Neuwagenpreis: 22.000 Zeitwert: 130.000 Quelle: Creative Commons-Lizenz
Modell: VW Samba-Bus T1 Bauzeit: 1951-1959 Stückzahl: 6241 Neuwagenpreis: 4.300 Zeitwert: 80.000 Quelle: wikipedia - kieft

Bunte Club-Mischung

Ehemalige Vorstände, Unternehmer, Lehrer, Ärzte – praktisch alle Berufsgruppen sind heute im ASC und seinen 14 Landesgruppen vertreten, erzählt Präsident Uwe Brodbeck. Der ehemalige Mercedes-Pressechef steht seit 2008 an der Spitze des ASC. Inzwischen gibt es in einigen Landesgruppen auch „Schnauferl-Damen“ – Frauen, die sich für alte Autos begeistern.

Wer in den Club will, sollte in Oldtimern nicht nur alte Autos sehen und ein wenig Benzin im Blut haben – einen Oldtimer muss der Anwärter nicht zwingend in seiner Garage stehen haben. Der ASC ist zwar der Oldtimer-Club, dessen Mitglieder die meisten (Vorkriegs-)Messing-Autos besitzen – nimmt aber Enthusiasten auf, die noch auf der Suche nach einem passenden Gefährt sind. Der Jahresbeitrag liegt zwischen 150 und 250 Euro, je nach Landesgruppe. Die Mitglieder nehmen nicht nur an zahlreichen Veranstaltungen des ASC teil, sondern erhalten auch die offizielle Vereinszeitschrift, „Das Schnauferl“.

Protzerei ist allerdings verpönt: Wer nur sein Garagengold zur Schau stellen will, muss damit rechnen, keine drei Bürgen zu finden und von der Aufnahme ausgeschlossen zu werden.

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