WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Strategie So schmieden Sie trotz Alltagsstress Langfristpläne

Seite 2/2

Kluge Strategie auf dem Papier reicht nicht

Kein Wunder, dass bei so vielen Beteiligten eine stringente Planung schwerfällt. Zumal eine kluge Strategie auf dem Papier alleine noch lange nicht reicht: Immerhin sagte jeder fünfte befragte CEO in der PwC-Studie, dass er Schwierigkeiten habe, die Strategie im Alltag umzusetzen. Aber wie können Führungskräfte in der Hektik des Tagesgeschäfts ausgeruhte Langfristpläne schmieden – und worauf müssen sie dabei achten?

Das Konzept einer Strategie geht zurück auf den preußischen Generalmajor Carl von Clausewitz. In seinen Werken beschrieb er, wie Truppen ihre Gegner bezwingen können. Was der Militärwissenschaftler im frühen 19. Jahrhundert formulierte, ist auch für die Chefetagen des 21. Jahrhunderts relevant: „Wenn Führungskräfte eine Richtung vorgeben möchten, muss die vor allem von den Mitarbeitern verstanden werden“, sagt Olaf Plötner, Professor der Berliner European School of Management and Technology.

So bringen Sie Ihr Gehirn im Alltag auf Trab

Leichter gesagt als getan. Denn eine Strategie umschreibt lediglich, wie ein Ziel erreicht werden soll. Heißt aber auch: Diese Ziele müssen erst einmal definiert werden, daraus ergibt sich die Strategie. Im Kern geht es immer um die Frage, wie man sich von Konkurrenten abheben will – durch niedrigere Preise, höhere Qualität oder eine eigene Nische? So trivial diese Frage klingt, so häufig geht sie im Tagesgeschäft unter. Deshalb raten Experten der Geschäftsleitung zu regelmäßigen Klausurtagungen außerhalb der vier Bürowände.

Dabei diskutieren Führungsteams zwei bis drei Mal pro Jahr über die langfristige Ausrichtung – und dokumentieren die Ergebnisse. Wie viele Konzerne so systematisch vorgehen, weiß niemand genau – denn auf Strategiepapieren klebt gern mal der Stempel „Streng geheim“. Berater gehen indes davon aus, dass nur wenige Führungskräfte überhaupt solche Unterlagen besitzen.

Ein weiteres Problem ist die Vermittlung: „Viele Strategien sind zu kompliziert und daher nicht kommunizierbar“, sagt Olaf Plötner. Sein Mantra: Die Analyse der Strategie so komplex wie nötig, das Ergebnis hingegen so einfach und verständlich wie möglich. Und unbedingt auf Banalitäten wie „kundenorientiert agieren“ verzichten – sonst ziehen die Angestellten nicht mit.

Bei der Otto Group etwa achten die Strategieteams darauf, nicht als Elfenbeinturm-Bewohner wahrgenommen zu werden: Wichtig sei die Vernetzung mit den operativ Verantwortlichen. Und es müsse Klarheit darüber herrschen, wohin die buchstäbliche Reise gehen soll, sagt Konzernstratege Heimann. Dann müsse man auch nicht mehr jedes kleinste Detail der Planung jedem Angestellten mitteilen. Seine Erfahrung: Wenn alle informiert sind, lässt sich eine Langfriststrategie leichter kurzfristig anpassen oder ergänzen.

Auch daraus machen die Hamburger kein Geheimnis: Bei der Unternehmensstrategie will sich der Versandhändler von großen Vorbildern inspirieren lassen – und schickte jüngst eine Abordnung für eine Woche ins Silicon Valley.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%