WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Studie Vorstandsvergütung Dax-Chefs machen wieder richtig Kasse

Deutschlands Top-Manager verdienen so gut wie lange nicht. Während die Autobosse die Einkommensspitze anführen, verdoppelte der Commerzbank-Chef sein Gehalt. Doch unterhalb des Vorstands hört die Lohn-Transparenz auf.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
In diesen Berufen verdienen Sie am meisten
Platz 10: Corporate Finance ManagerDas Vergleichsportal Gehalt.de hat mehr als 200.000 Vergütungsdaten aus den letzten zwölf Monaten untersucht und die am besten beziehungsweise am schlechtesten bezahlten Berufe in Deutschland ausgewertet. Berücksichtigt wurden ausschließlich Angaben von Beschäftigten ohne disziplinarische Personalverantwortung. Auf Platz zehn im Ranking kommen die "Corporate Finance Manager" mit einem Durchschnittsgehalt von 65.586 Euro brutto. Quelle: dpa
Eine Hand liegt auf Gesetzesbüchern Quelle: dpa
Platz 8: Business Development Manager Quelle: Fotolia
In der Liste der Top-Ten Jobs finden sich auch Vertriebsingenieure Quelle: dpa/dpaweb
Platz 6: Tax Manager Quelle: dpa
Eine Frau arbeitet in einem Labor Quelle: dpa
Platz 4: Fondsmanager Quelle: dpa

118 Prozent mehr Gehalt – darüber kann sich derzeit Martin Blessing freuen. Der Commerzbank-Chef ist im Jahresvergleich der absolute Gehaltsgewinner unter den Dax-Chefs. Ausschlaggebend für die exorbitante Lohnsteigerung ist, dass Blessing erstmals seit der Finanzkrise wieder einen Bonus ausbezahlt bekommt. Neben seinem Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro kassiert Blessing so für 2014 nach langer Zeit wieder eine variable Vergütung in etwa gleicher Höhe.

Zwar haben noch nicht alle 30 Dax-Konzerne ihre Vergütungsberichte vorgelegt. Doch eine Zwischenauswertung der Unternehmensberatung hkp-group zeigt: Auch die meisten anderen deutschen Top-Manager verdienen wieder prächtig. Im Schnitt kassiert ein Dax-Chef rund 5,4 Millionen Euro pro Jahr. Auf Basis der Vergütungsberichte von 24 Dax-Unternehmen ergibt sich ein durchschnittlicher Anstieg der Vergütung im Vergleich zum Vorjahr von rund zwölf Prozent. Das ist der höchste Steigerungswert seit 2011.

„Vor dem Hintergrund der erfolgreichen Geschäftsentwicklung ist dieser Anstieg der Vergütungen im Gesamtbild durchaus gerechtfertigt“, sagt Michael Kramarsch. Der Gehaltsexperte der hkp-group verweist darauf, dass die deutschen Konzernlenker im internationalen Vergleich, insbesondere im Vergleich zu US-Managern, noch immer relativ wenig verdienen. Trotzdem müsse man sich auch hierzulande daran gewöhnen, dass Unternehmen ihren Chefs hohe Vergütungen bezahlen.  „Bei großen Konzernen sind zweistellige Millionengehälter international einfach Standard“, sagt Kramarsch.

In diesen Branchen kriegen die Chefs am meisten

Unangefochten an der Spitze der Top-Verdiener steht Martin Winterkorn. Der VW-Chef kassiert für 2014 eine Jahresgage von fast 16 Millionen Euro. Nach der bisher üblichen Berechnungsmethode basierend auf Vorschriften des Handelsgesetzbuchs würde Winterkorn fast doppelt so viel verdienen wie der Daimler-Boss Dieter Zetsche. Doch bei dieser Rechenart werden beispielsweise die Millionenbeträge aus der Altersversorgung nicht berücksichtigt.

Seit diesem Jahr gibt es deshalb auf Initiative der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex erstmals einen neuen Vergütungsausweis. Die Unterschiede sind teils gravierend. Denn mit der neuen und zugleich ehrlicheren Rechenart zeigt sich, dass auf dem Konto von Daimler Daimler-Chef Zetsche für 2014 nicht 8,4 Millionen Euro, sondern insgesamt 14,4 Millionen Euro landen.

Was Topmanager als Kinder werden wollten
Ursula Soritsch-Renier, Leiterin der IT bei SulzerIm Vorschulalter wollte ich Rosenverkäuferin werden. Ich wollte soviel wie möglich von diesen wunderschönen Blumen haben. Natürlich habe ich damals überhaupt nicht verstanden, dass ich diese Rosen hätte verkaufen müssen. Über die Zeit wollte ich dann Arzt, so wie mein Vater werden, bevor ich gegen Ende meiner Gymnasialzeit bereits in den Wirtschaftsbereich übergesiedelt bin und lauthals verkündet habe, dass ich mit 40 in irgendeinem Vorstand sitze.
Bernhard Mattes, Deutschlandchef Ford"Am liebsten Fußballer. Ich spielte nicht nur im Verein, ich war jeden Nachmittag, egal, wie das Wetter war, auf dem Platz. Meine Freunde und ich suchten nach immer neuen Gegnern, und in den Ferien veranstalteten wir sogar ein Trainingslager." Quelle: dpa
Simone Menne, Finanzvorstand Lufthansa"Fotografin. Als ich zehn war, habe ich einem Bekannten einmal in einer Dunkelkammer bei der Entwicklung von Schwarz-Weiß-Bildern zugesehen. Das hat mich fasziniert, und meine Eltern haben mir zum 16. Geburtstag eine Spiegelreflexkamera geschenkt. Ich mochte daran, dass es ein künstlerischer Beruf ist, aber eben auch ein Handwerk." Quelle: REUTERS
Nathalie Roos Quelle: PR
Günther Fielmann Quelle: dpa
Klaus Fischer Quelle: dpa
Alain Caparros, CEO der Rewe-Gruppe"Als ich als Kind mit meinen Eltern nach Lothringen gezogen bin, ging ich zuerst auf eine Jesuiten-Schule. Das hat mich sehr geprägt. Deshalb war damals für einige Zeit mein Berufswunsch Pfarrer." Quelle: dpa

Der große Gehaltsverlierer im Jahresvergleich  ist Johannes Teyssen. Der Vorstandsvorsitzende des strauchelnden Energieriesen Eon erhält um elf Prozent weniger Lohn als noch 2013. Hauptgrund dafür: Die mehrjährige Vergütung ist an den Erfolg des Unternehmens gekoppelt. Und Deutschlands größter Energieversorger spürt die Energiewende immer stärker. Die Kohle-, Gas- und Atomkraft des Konzerns rechnen sich nicht mehr. Allein 2014 steht bei Eon ein Rekordverlust von 3,2 Milliarden Euro in den Büchern.

„Das Pay-for-Performance-Prinzip hat sich nachhaltig etabliert“, sagt Gehaltsexperte Michael Kramarsch. Die Vergütung der Manager entwickelt sich heute – anders als früher – im Gleichklang mit den Unternehmensergebnissen.

Seit 2007 sind die rund 900 börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland per Gesetz dazu verpflichtet die Gehälter ihrer Top-Manager bis ins kleinste Detail offen legen. Geht es nach der Familienministerin, Manuela Schwesig, dann sollen aber bald nicht mehr nur die Gehälter der deutschen Top-Manager transparent einsehbar sein, sondern die Einkommen beinahe aller Arbeitnehmer. Die SPD-Politikerin will noch in diesem Jahr ein Gesetz auf den Weg bringen, dass Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern dazu zwingt, zumindest das Gehaltsniveau von vergleichbaren Berufspositionen offen zu legen.

Mit Transparenz zur Gehaltsgerechtigkeit

Hintergrund für den Vorstoß von Schwesig ist, dass Frauen in Deutschland nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts seit Jahren um 22 Prozent weniger Geld verdienen als Männer. Bei vergleichbaren Jobs und gleicher Qualifikation beträgt die Lohnlücke bis zu acht Prozent.  Das Kalkül der Familienministerin: Mehr Transparenz führt zu gerechteren Gehältern.

Kennen Sie diese Spitzenmanager?
Stefan Heidenreich, CEO der Beiersdorf AG Quelle: REUTERS
Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp Quelle: dpa
Bill McDermott Quelle: dpa
Timotheus Höttges Quelle: dpa
Adidas-Chef Herbert Hainer Quelle: Reuters
Johannes Teyssen Quelle: ap
Carsten Spohr Quelle: dpa

Konkret sollen Arbeitnehmer künftig prüfen können, ob sie im Vergleich zu ihren Kollegen eine faire Gehaltseinstufung erfahren. Dabei wird es zwar nach den Plänen der Familienministerin nicht möglich sein, dass Gehalt jeden einzelnen Mitarbeiters abzufragen. Aber jeder Beschäftigte soll auf Anfrage einsehen können, inwieweit das eigene Einkommen vom Gehalt vergleichbarer Positionen im Unternehmen abweicht. Bei Vergütungsexperten stößt das geplante Gesetzesvorhaben jetzt auf einhelliges Kopfschütteln.

„Ich glaube, dass der Vorschlag von Ministerin Schwesig, eine Intervention wäre, die nicht zur deutschen Gesellschaft passt“, sagt Michael Kramarsch von hkp. Denn nach Ansicht des Vergütungsexperten gibt es schlichtweg keine „strukturelle Benachteiligung“ von Männern und Frauen beim Gehalt. „Im Vorstand und im Aufsichtsrat verdienen Frauen genau das Gleiche wie ihre männlichen Kollegen – genauso im Tarifbereich“, erklärt Kramarsch. Dass weniger Frauen in Top-Positionen sitzen, sei die eigentliche Debatte, die man führen müsse. „Aber beim Gehalt bauscht man ein Problem auf, das so nicht existiert“, sagt Kramarsch.

Helmuth Uder, Vergütungsspezialist bei der Unternehmensberatung Tower Watson hält zwar „grundsätzlich extrem viel von Transparenz“, weil es dabei geholfen habe, die die Vergütungsexzesse aus der Vergangenheit einzudämmen. „Dass Banker exorbitant hohe Boni kassieren konnten, indem sie Eigenhandel betreiben haben, der keinen Mehrwert generiert, wurde zu Recht hart reguliert“, sagt Uder. Aber die Idee Gehaltsstrukturen in allen Unternehmensbereichen offenzulegen, sei ein „Schuss ins Knie“, der nicht zu mehr Gehaltsgerechtigkeit zwischen Männern und Frauen führen werde.

Den Gehaltsexperten stört, dass der Vorstoß der Familienministerin die unterschiedlichen Lohnvorstellungen der einzelnen Alterskohorten überhaupt nicht berücksichtigt. „Die Babyboomer, die fast ihr ganzes Berufsleben lang in einem Betrieb arbeiten, haben ganz andere Vorstellungen als die Generation Y oder Z“, sagt Uder. Insbesondere die jungen Mitarbeiter würden nicht nur auf die Höhe des Gehalts achten.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

„Die wollen, dass der Arbeitgeber Weiterbildungsmöglichkeiten bezahlt, flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte organisiert und für Nebenleistungen wie einen Dienstwagen oder betriebliche Altersversorgung aufkommt“, sagt Uder. In eine faire Rechnung zur Gehaltstransparenz müssten derlei Daten miteinbezogen werden. Das würde aber nur zu einem enormen Bürokratie-Aufwand führen, der niemandem nützt, befürchtet der Vergütungsspezialist: „Schon gar nicht den Mitarbeitern“.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%