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Studie Vorstandsvergütung Dax-Chefs machen wieder richtig Kasse

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Mit Transparenz zur Gehaltsgerechtigkeit

Hintergrund für den Vorstoß von Schwesig ist, dass Frauen in Deutschland nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts seit Jahren um 22 Prozent weniger Geld verdienen als Männer. Bei vergleichbaren Jobs und gleicher Qualifikation beträgt die Lohnlücke bis zu acht Prozent.  Das Kalkül der Familienministerin: Mehr Transparenz führt zu gerechteren Gehältern.

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Konkret sollen Arbeitnehmer künftig prüfen können, ob sie im Vergleich zu ihren Kollegen eine faire Gehaltseinstufung erfahren. Dabei wird es zwar nach den Plänen der Familienministerin nicht möglich sein, dass Gehalt jeden einzelnen Mitarbeiters abzufragen. Aber jeder Beschäftigte soll auf Anfrage einsehen können, inwieweit das eigene Einkommen vom Gehalt vergleichbarer Positionen im Unternehmen abweicht. Bei Vergütungsexperten stößt das geplante Gesetzesvorhaben jetzt auf einhelliges Kopfschütteln.

„Ich glaube, dass der Vorschlag von Ministerin Schwesig, eine Intervention wäre, die nicht zur deutschen Gesellschaft passt“, sagt Michael Kramarsch von hkp. Denn nach Ansicht des Vergütungsexperten gibt es schlichtweg keine „strukturelle Benachteiligung“ von Männern und Frauen beim Gehalt. „Im Vorstand und im Aufsichtsrat verdienen Frauen genau das Gleiche wie ihre männlichen Kollegen – genauso im Tarifbereich“, erklärt Kramarsch. Dass weniger Frauen in Top-Positionen sitzen, sei die eigentliche Debatte, die man führen müsse. „Aber beim Gehalt bauscht man ein Problem auf, das so nicht existiert“, sagt Kramarsch.

Helmuth Uder, Vergütungsspezialist bei der Unternehmensberatung Tower Watson hält zwar „grundsätzlich extrem viel von Transparenz“, weil es dabei geholfen habe, die die Vergütungsexzesse aus der Vergangenheit einzudämmen. „Dass Banker exorbitant hohe Boni kassieren konnten, indem sie Eigenhandel betreiben haben, der keinen Mehrwert generiert, wurde zu Recht hart reguliert“, sagt Uder. Aber die Idee Gehaltsstrukturen in allen Unternehmensbereichen offenzulegen, sei ein „Schuss ins Knie“, der nicht zu mehr Gehaltsgerechtigkeit zwischen Männern und Frauen führen werde.

Den Gehaltsexperten stört, dass der Vorstoß der Familienministerin die unterschiedlichen Lohnvorstellungen der einzelnen Alterskohorten überhaupt nicht berücksichtigt. „Die Babyboomer, die fast ihr ganzes Berufsleben lang in einem Betrieb arbeiten, haben ganz andere Vorstellungen als die Generation Y oder Z“, sagt Uder. Insbesondere die jungen Mitarbeiter würden nicht nur auf die Höhe des Gehalts achten.

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„Die wollen, dass der Arbeitgeber Weiterbildungsmöglichkeiten bezahlt, flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte organisiert und für Nebenleistungen wie einen Dienstwagen oder betriebliche Altersversorgung aufkommt“, sagt Uder. In eine faire Rechnung zur Gehaltstransparenz müssten derlei Daten miteinbezogen werden. Das würde aber nur zu einem enormen Bürokratie-Aufwand führen, der niemandem nützt, befürchtet der Vergütungsspezialist: „Schon gar nicht den Mitarbeitern“.

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