Studie zu Kursmanipulationen CEOs machen mit Nachrichten Kasse

Eine neue Studie zeigt: US-Konzernchefs manipulieren häufig den Zeitpunkt von Unternehmensnachrichten - um eigene Aktien teurer zu verkaufen.

Das sind die erfolgreichsten CEOs der Welt
Platz 89: Martin WinterkornDer Vorsitzende von Volkswagen landet in der Rangliste der "Harvard Business Review" auf Platz 89. Für die Studie analysierte die Redaktion die Leistung von 832 CEOs weltweit - und zwar im Hinblick auf die Entwicklung der Aktie und der Marktkapitalisierung. Winterkorn ist seit 2007 bei VW und konnte seitdem den Marktwert des Automobilherstellers um 70 Milliarden Dollar steigern. Quelle: dpa
Platz 73: Herbert HainerHerbert Hainer ist seit 2001 Vorsitzender von Adidas, dem zweitgrößten Sportartikelhersteller der Welt mit 110 Tochtergesellschaften. Seitdem hat sich der Marktwert von Adidas um 17 Milliarden Dollar erhöht. Quelle: dpa
Platz 59: Wolfgang ReitzleDer ehemalige Vorsitzende von Linde, Wolfgang Reitzle, schafft es ebenfalls unter die Top 100 der erfolgreichsten CEOs. In seiner Amtszeit von Januar 2003 bis Mai 2014 stieg der Marktwert des Unternehmens um 29 Milliarden Dollar. Quelle: dpa
Platz 41: Ulf SchneiderDer Fresenius-Chef kommt sogar unter die 50 erfolgreichsten Manager der Welt. Unter seiner Führung stieg der Marktwert um 22 Milliarden Dollar. Quelle: dpa
Platz 19: Elmar Degenhart Bester deutscher Manager ist Elmar Degenhart, seit 2009 Vorstandsvorsitzender von Continental ist. Er steigerte den Marktwert des Automobilzulieferers um 38 Milliarden US-Dollar. Quelle: dapd
Platz 10: William DoyleSeit 1999 ist William Doyle CEO bei PotashCorp, dem weltweit größten Hersteller von Düngemitteln für die Landwirtschaft. Der Marktwert von PotashCorp stieg in dieser Zeit um 37 Milliarden Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 9: Mark DoneganSeit 27 Jahren arbeitet Mark Donegan für Precision Castparts, das größte Gießereiunternehmen der Vereinigten Staaten. Seit 2002 ist er dort CEO, die Marktkapitalisierung stieg um 34 Milliarden Dollar.
Platz 8: J. Michael PearsonSeit 2008 ist Pearson als CEO bei Valeant Pharmaceuticals tätig. Er erhöhte den Marktwert um 44 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 7: Hugh GrantEr ist bekannt durch Negativ-Schlagzeilen in Deutschland: Die deutsche Regierung hatte 2009 den Anbau einer genveränderten Maissorte seines Konzerns aus Sorge um Risiken für Verbraucher und die Umwelt verboten. Dennoch gilt Grant als weltweit sechstbester CEO. Unter seiner Führung konnte der Saatgut- und Pflanzenschutzhersteller Monsanto seinen Marktwert um 59 Milliarde US-Dollar erhöhen – und das in nur elf Jahren.
Platz 6: Lars Rebien SorensenDer einzige Europäer unter den Top Ten der erfolgreichsten CEOs ist der Däne Lars Rebien Sorensen. Seit 2000 arbeitet er für Novo Nodrisk, ein international tätiges und forschendes Unternehmen der Gesundheitsbranche. Seitdem erhöhte sich der Marktwert von Novo Nodrisk um 101 Milliarden US Dollar. Quelle: Reuters
Platz 5: David SimonAuf Platz 5 der erfolgreichsten CEOs landet David Simon des Immobilienunternehmens Simon Property Group. Er konnte den Marktwert um 63 Milliarden Euro steigern. Quelle: Screenshot
Platz 4: David PyottDavid Pyott schaffte es, das Unternehmen Allergan von einer kleinen Firma für Augenpflege zu einem globalen Pharmazeutik- und Medizin-Konzern zu entwickeln. Durch signifikante Investitionen in die Forschung trieb Pyott interne und externe Verbesserungen bei Allergan voran und steigerte so den Marktwert des Unternehmens um 50 Milliarden Dollar. Quelle: Reuters
Platz 3: John ChambersAuf Platz 3 der erfolgreichsten CEOs landet John Chambers von Cisco Systems. Er arbeitet seit 1995 für das Unternehmen, das seinen Umsatz seitdem von 1,2 auf 40 Milliarden Dollar steigern konnte. Die Marktkapitalisierung kletterte um 168 Milliarden Dollar. Quelle: dpa
Platz 2: John MartinSeit 1996 ist er CEO bei Gilead Sciences, einem Pharmazie- und Biotechnologieunternehmen aus den USA. Er erhöhte den Marktwert des Konzerns um 128 Milliarden US-Dollar und ist somit der zweiteffektivste CEO weltweit. Unter seiner Führung wuchs Gilead zu einem der wichtigsten Biotechnologieunternehmen der Vereinigten Staaten. Gileads Medikament Altripla ist das am häufigsten verschriebene Mittel gegen HIV in Amerika. Quelle: Screenshot
Platz 1: Jeffrey BezosDer Amazon-Gründer Jeff Bezos ist der erfolgreichste CEO weltweit. Unter seiner Führung konnte Amazon seinen Wert um 140 Milliarden Dollar steigern. Er selbst sieht sein Erfolgskonzept so: „Wir konzentrieren uns auf Kunden, nicht auf die Konkurrenz. Das führt zu Innovationen, die im Interesse der Kunden sind – und bringt uns gleichzeitig im Konkurrenzkampf nach vorne.“ Quelle: REUTERS

Dass Kleinaktionäre benachteiligt sind, weil sie nicht so gut und schnell relevante Nachrichten erfahren wie großen Investoren, ist kein Geheimnis. Professionelle Aktienhändler sitzen in der Regel unablässig an den entsprechenden Nachrichtenkanälen der Börsen.

Insider, zum Beispiel Manager der Unternehmen mit Aktienbesitz, verfügen neben dem Zeitvorsprung noch über weitere Hebel, die ihnen moralisch höchst zweifelhafte Vorteile bei Aktiengeschäften ermöglichen. Und diesen haben Forscher nun aufgedeckt.

Viele Vorstandschefs machen Kasse, indem sie die Veröffentlichung kursrelevanter Nachrichten so verzögern, dass sie selbst als Aktionäre profitieren können. Das haben Alex Edmans von der London Business School und andere Ökonomen in einer neuen Studie herausgefunden.

Die Autoren fanden deutliche Hinweise darauf, dass die meisten CEOs den Nachrichtenfluss ihres Unternehmens beeinflussen, um den Preis der eigenen Aktien hochzutreiben. Das finde vor allem in den „vesting months“ statt, also den Monaten, in denen einem Chefmanager erstmals gestattet ist, Aktien des eigenen Unternehmens zu verkaufen oder Optionen zu ziehen, die in vorangegangenen Jahren Teil der Vergütung waren.

Da diese Aktien und Optionen vor allem in den USA einen Großteil der Vergütung von CEOs ausmachen, ist der Anreiz für diese sehr groß, sie so bald wie möglich zu verkaufen. Und daher ist auch der Reiz groß, den Aktienwert gerade in den betreffenden Monaten möglichst zu erhöhen.

Bisher sei diese weit verbreitete Art der Kursmanipulation aus verschiedenen Gründen unbeachtet geblieben, schreiben die Autoren. Zum einen werden die Möglichkeiten der CEOs zur Nachrichtenmanipulation unterschätzt. Schließlich können sie die wichtigsten Unternehmensnachrichten nur wenig beeinflussen – zumindest nicht mit legalen Methoden.

Die Quartals-, Halbjahres- und Jahreszahlen erscheinen stets zu einem lange im Voraus festgesetzten Termin. Andere Ereignisse wie Übernahmeangebote müssen zum Zeitpunkt des Geschehens bekannt gegeben werden.

Die schlechtesten Chefs der Welt
Brian Dunn: Die Liste der schlechtesten CEOs des Jahres, die der Management-Professor Sydney Finkelstein jedes Jahr erstellt, wird von Bestbuy-Chef Brian Dunn angeführt. Der zurückgetretene CEO des größten US-Elektronikhändles hat nicht nur Fehlentscheidungen in Milliardenhöhe verursacht, sondern stolperte auch noch über eine Affäre mit einer wesentlich jüngeren Mitarbeiterin. Quelle: dapd
Aubrey McClendon: D er schillernde Vorstandschef des US-Gasgiganten Chesapeake Energy (CHK), der auch am Profibasketball-Team von Oklahoma City beteiligt ist, hat offenbar Mühe, seine eigenen und die Finanzen seines Unternehmens auseinander zu halten. Laut einem Reuters-Bericht hat McClendon über drei Jahre lang Kredite von 1,1 Milliarden Dollar aufgenommen und seine Anteile an Chesapeake-Ölquellen als Sicherheit hinterlegt – ohne dass Aktionäre darüber informiert waren. Das Geld soll er dann genutzt haben, um in den Genuss potenziell lukrativer Sondervergütungen zu kommen. Laut Ranking hat der Milliardär, der eine Sammlung teurer französischer Weine besitzt, außerdem Firmenjets für Privatreisen mit Freunden und Familie genutzt und das Basketball-Team mit Firmengeldern unterstützt. McClendon hat einen Interessenkonflikt immer zurückgewiesen – inzwischen ermittelt die US-Börsenaufsicht. Quelle: REUTERS
Andrea Jung: Die Kosmetik-Königin und jetzt Ex-Avon-Chefin sollte ihren Konzern wieder auf die Erfolgsspur bringen. Doch die Topmanagerin, die einst als Überfliegerin gefeiert wurde, lehnte ein Milliarden schweres Übernahmeangebot ab, das ihrer Firma gut getan hätte – der Preis sei zu niedrig. Quelle: REUTERS
Mark Pincus: Der Zynga-Chef muss mit ansehen, wie der Börsenwert seines kriselnden Spielekonzerns ins Bodenlose stürzt – weil manche Onlinespiele des „Farmville“-Erfinders an Beliebtheit einbüßen, haben die Aktien des fünf Jahre alten Unternehmens in einem Jahr 75 Prozent an Wert verloren. Die Verzweiflung des 46-jährigen CEOs ist riesig, denn er muss jetzt mit einem radikalen Kurswechsel den Niedergang seiner Firma stoppen. Zu allem Unglück verliert Pincus nun auch noch seine Spitzenmanager an seinen engsten Partner: Zuletzt wechselte Finanzchef David Wehner zu Facebook. Quelle: dapd
Rodrigo de Rato: Gegen den ehemalige Chef der spanischen Krisenbank Bankia wird derzeit wegen Preismanipulationen, Bilanzfälschung und Betrug ermittelt. Der Gewinn des Gelhauses, der 2011 unter dem Ex-IWF-Chef mit 309 Millionen Euro angegeben wurde, soll in Wahrheit ein Verlust von rund 3 Milliarden Euro gewesen sein. Quelle: dpa
Mark Zuckerberg: Der Facebook-Chef, der sein Studium an der Elite-Uni Harvard abbrach, hat es nicht in das Ranking der schlechtesten Bosse des Jahres geschafft – allerdings nur ganz knapp, sagt Experte Finkelstein. Weil der Börsengang floppte, schrumpfte Zuckerbergs Vermögen laut Forbes von 17,5 auf 9,4 Milliarden Dollar zusammen (7,2 Mrd. Euro). Quelle: REUTERS
Andrew Mason: Den Einzug knapp verpasst hat auch der Gutscheinportal-Gründer Andrew Mason, der es mit seiner Idee zu Groupon in kürzester Zeit zum Multimillionär gemacht hat. Doch bei dem Schnäppchen-Anbieter läuft es derzeit gar nicht rund, die Geschäftszahlen waren zuletzt enttäuschend. Sogar der Posten von Mason ist gefährdet. Die Aktie verlor seit dem Börsengang vor einem Jahr rund 80 Prozent ihres Werts. Schon seit einiger Zeit hegen die Anleger Zweifel, ob das Geschäftsmodell überhaupt auf Dauer funktioniert. Groupon lebt von einer Kommission auf die Gutscheine. Die Versuche, das Geschäft über die Rabattcoupons hinaus auszuweiten, waren bisher nur mäßig erfolgreich. Quelle: REUTERS
Reed Hastings: Im vergangenen Jahr wurde dem Netflix CEO Reed Hastings die zweifelhafte Ehre des schlechtesten Firmenbosses zuteil - er landete an der Spitze des Rankings, weil der Netflix-Kurs a n der Börse allein zwischen Juli und Oktober 2011 um 60 Prozent eingebrochen war. Nachdem Hastings angekündigt hatte, die Preise um 35 Prozent zu erhöhen, flohen die Kunden massenweise und den Aktionären platzte die Hutschnur.Das Unternehmen bietet in den USA nicht nur eine große Auswahl an DVDs und Blu-rays zum Verleih an, sondern hat auch eine Online-Bibliothek mit mehr als 2.500 Titeln. Quelle: dapd
Mike Lazaridis und Jim Balsillie: Das ehemalige RIM- Führungsduo Mike Lazaridis (2.v.l.) und Jim Balsillie (2.v.r.) gehörte im vergangenen Jahr zu den Zweitplatzierten. Die Topmanager haben zu verantworten, dass das Blackberry-Handy als einstiges Manager-Kultspielzeug seinen Nimbus verloren und der Konzern massiv Marktanteile an Apple und Google verloren hat. Quelle: dapd
Leo Apotheker: Ebenfalls im Jahr 2011 völlig versagt hat laut Finkelstein Leo Apotheker, der von 2010 bis 2011 CEO des amerikanischen Technologiekonzerns Hewlett-Packard gewesen ist. Der deutsche Manager und Ex-Chef des Software-Konzerns SAP wollte das angestammte Computergeschäft abspalten und übernahm stattdessen den britischen Software-Entwickler Autonomy. Dieser Zukauft entpuppte sich als Milliardengrab. Zudem verloren die Kunden das Vertrauen in HP und die Verkäufe von Computern und Druckern brachen ein. Quelle: dapd

Doch bei einer Reihe anderer Nachrichten haben die Unternehmenschefs relativ freie Hand bei der zeitlichen Festlegung der Veröffentlichung: zum Beispiel wenn es um die Festsetzung der Dividenden oder um Aktienrückkaufprogramme geht, die den Aktienpreis stark beeinflussen können.

Um solche Nachrichten ging es Edmans und Kollegen in ihrer Studie. Diese zeitlich manipulierbaren Nachrichten zu kategorisieren, sei extrem aufwendig gewesen: Die Forscher durchkämmten eine riesige Datenbasis von mehr als 166.000 Nachrichten einiger hundert US-Unternehmen zwischen 1994 und 2011. Diese mussten nicht nur nach „positiv“ (für den Aktienwert) und negativ unterteilt werden, sondern auch für jedes einzelne Unternehmen nach dem Kriterium „vesting month“ oder nicht. Dieser ist für jeden CEO anders.

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Doch am Ende konnten die Studienautoren eine statistisch eindeutige Tendenz feststellen: Überproportional häufig wurden Nachrichten in den „vesting months“ veröffentlicht. Und vor allem sind die Nachrichten in diesen für die CEOs wertvollen Zeiten deutlich positiver als in anderen.

Die erste Reaktion auf diese Erkenntnis dürfte bei Kleinaktionären Wut auf die rücksichtslose Selbstbereicherungspraxis der CEOs sein. Doch eine zweite, klügere Reaktion wäre, es bei eigenen Verkaufsentscheidungen den CEOs nachzutun.

Also recherchieren, wann der CEO des betreffenden Unternehmens erstmals eigene Aktien abstoßen darf – und tendenziell zusammen mit ihm zu verkaufen.

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