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Talentmanagement Talente suchen nicht, sie wollen gefunden werden

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"Wir müssen uns auf die individuelle Ebene begeben"

Die beliebtesten Arbeitgeber der Ingenieure
Platz 20: Bosch Rexroth4,2 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich Bosch Rexroth als Arbeitgeber. Quelle: Presse
Platz 19: Intel4,6 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich Intel als Arbeitgeber. Quelle: REUTERS
Platz 18: E.On4,7 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich E.On als Arbeitgeber. Quelle: dapd
Platz 17: BASF4,8 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich BASF als Arbeitgeber. Quelle: dapd
Platz 16: RWE4,8 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich RWE als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 15: MAN5,0 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich MAN als Arbeitgeber. Quelle: AP
Platz 14: ThyssenKrupp5,1 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich ThyssenKrupp als Arbeitgeber. Quelle: dpa

Die Erfahrung haben auch die Personaler bei E.ON gemacht. "Die Sozialen Netzwerke nutzen wir überwiegend zur Kommunikation und für den Beziehungsaufbau. Fündig werden wir auf spezialisierten online Plattformen und Portalen", sagt Monica Wertheim. Ingenieure, Juristen, Wirtschaftswissenschaftler – alle Berufs- und Interessengruppen haben ihre eigenen Portale, auf denen sie sich fachlich austauschen. Für IT-Spezialisten ist das zum Beispiel mikrocontroller.net. Über diese hochspezialisierten Foren und Seiten können Personaler mit ihren Wunschkandidaten auf Experten-Ebene in Kontakt zu treten.

"Mit dem Gießkannenprinzip erreicht man nichts mehr. Wir müssen uns auf die individuelle Ebene der Fachkräfte begeben", weiß auch Monica Wertheim. Sie hat untersucht, wo und vor allem wann sich die von E.ON begehrten Menschen im Netz austauschen. Eine gründliche Recherche ergab eine Reihe von Plattformen und Foren, die das Unternehmen nun stärker beobachten will. Doch alleine das Monitoring dieser gefilterten Seiten sei ein großer Zeitfresser gewesen.

Personalfindung über Clusterbildung

Um dieses Problem zu lösen, arbeitet Wertheim seit einem Jahr mit der Firma Complexium aus Berlin zusammen. Das Unternehmen gibt Personaleren ein neues Tool namens Galaxy-Plattform an die Hand. Auf den ersten Blick wirkt diese Plattform verwirrend. Neben über hundert Wörtern werden unterschiedlich große Punkte angezeigt, die durch Linien miteinander verbunden sind. Das dreidimensionale Gebilde ist im Fluss, man kann es hereinscrollen und die Wörter anklicken. Das Ganze wirkt wie eine bunte Wolke. Diese Wolke ist letztlich nur eine visuelle Darstellung von Begriffen, die zuvor in Cluster unterteilt wurden. Jedes Cluster hat eine Farbe. Die Begriffe, die darunter zusammengefasst sind, werden besonders häufig gemeinsam genannt. „Die dargestellten Begriffe kommen in den Fragen und Antworten der Zielgruppe häufiger vor als üblich. Sie scheinen also besonders wichtig zu sein. Tauchen Begriffe häufig in einem Kontext auf, dann werden sie zu einem - farblichen - Cluster zusammengefügt", sagt Martin Grothe, der das Projekt auf die Beine gestellt. Die Begriffe stammen aus den Diskussionen der Plattformen, die E.ON zuvor ausgesucht hat.

Letztlich zeigen sie an, worüber sich Menschen auf den einschlägigen Webseiten austauschen. Wenn ein Personaler nun also auf einen Begriff besonders aufmerksam wird, kann er ihn anklicken und bekommt so eine Übersicht über alle Gespräche, in denen dieser verwendet wurde. Die Clusterbildung im Vorfeld hilft dabei zu entscheiden, welche Felder den Suchenden besonders reizen. So benutzen Absolventen einen anderen Wortschatz und interessieren sich für andere Themen als gestandene Mess- oder Windkraftingenieure mit mehrjähriger Berufserfahrung.  Es entsteht eine inhaltliche Landkarte, die genau anzeigt wer, wann, worüber spricht.

Schnellere Suche nach Fachkräften

Die Übersicht lässt sich praktisch alle drei bis fünf Minuten aktualisieren. "Personaler brauchen eine so häufige Taktung allerdings meistens nicht", sagt Grothe. "Ein Tagesticker ist ein guter Einstieg."

Das Tool hat die Suche nach Fachkräften deutlich beschleunigt. "Das Vorgehen hat uns enorm Kosten eingespart", sagt Monica Wertheim. Da das Projekt noch in den Kinderschuhen sei, kann sie noch keine konkreten Zahlen nennen. Doch mit einem Klick, direkt Spitzenkandidaten auf fachlicher Ebene erreichen zu können, sei ein riesiger Vorteil. Hier könne man sich austauschen und die Arbeit des eigenen Unternehmens ebenso geschickt präsentieren, wie eine Stellenausschreibung. Was hier geschieht ist letztlich wieder eine Form der Kontaktpflege, die mit Headhunting nichts zu tun hat.

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