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Teuer und sinnlos? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum MBA

MBA-Studium: Lohnt es sich? Quelle: dpa

Ein Master of Business Administration ist teuer und zeitaufwendig. Doch ist er wenigstens der gewünschte Turbo für die Karriere? Ein Überblick.

Karrieresprungbrett oder Eintrittskarte für die oberste Etage, damit wird der Management-Studiengang Master of Business Administration (MBA) assoziiert. Doch was lernen die angehenden Führungskräfte da eigentlich? Und wieso ist das Studium so teuer? Die WirtschaftsWoche hat einen Blick auf den deutschsprachigen Markt geworfen und beantwortet die wichtigsten Fragen.

1.      Was ist ein MBA und was unterscheidet ihn vom EMBA?
Der Studiengang ist eine akademische Fortbildung für angehende Führungskräfte. Hier sollen sie lernen, wie Unternehmen von innen funktionieren, wie Teams am besten arbeiten und Aufgaben sinnvoll verteilt werden.

Der MBA richtet sich an „Young Professionals“, die erst ein oder zwei Jahre im Beruf sind und sich entweder weiterentwickeln wollen oder einen Wechsel anstreben. Hier gibt es mehr Vollzeitangebote. Doch der größte Teil absolviert die Ausbildung neben dem Beruf an Abenden und Wochenenden.

Der EMBA ist eine Weiterentwicklung des MBA. E steht für Executive richtet sich an Menschen, die bereits auf mittlerer Managementebene arbeiten. 80 Prozent durchlaufen die Ausbildung neben dem Beruf und wollen sich so für die oberste Chefetage qualifizieren.

Entstanden ist das Ausbildungskonzept in den USA um 1900. Akademiker sollten so zusätzlich zu ihren Fachkenntnissen für das höhere Management vorbereitet werden.


2.      Wer bietet es an?
Nach Deutschland ist die MBA-Welle knapp 100 Jahre später herübergeschwappt. Seit 1990 steigt die Zahl der Angebote rapide an. Mittlerweile gibt es etwa 130 Anbieter und 250 MBA Programme. Die meisten davon sind in Berlin, Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg und NRW ansässig. Mittlerweile gibt es jedoch in jedem Bundesland – bis auf Schleswig Holstein – ein MBA-Programm. Laut Bloomberg-Ranking ist im deutschsprachigen Raum das Programm ESMT in Berlin am beliebtesten, gefolgt von der Frankfurt School of Finance und der IMD Business School in Lausanne. 

3.      Was kostet das? Und warum so viel?
Das teuerste Angebot hat mit 75.000 Euro die WHU Otto Beisheim School of Management. Im Schnitt liegen die Gebühren bei 18.000 Euro. Die Gebühren sind deswegen so hoch, weil die meistens Business Schools private Wirtschaftsunternehmen sind und anders als Universitäten keine staatliche Förderung erhalten.

Das meiste Geld geht an die Dozenten, die kleine Kurse mit 20 bis maximal 40 Teilnehmern unterrichten. Außerdem fallen noch Kosten für Lehrmaterial, Studienfahrten und die Verpflegung während der Seminare an.

Laut MBA-Guide, einem Infoportal für den Abschluss, zahlen mehr als 60 Prozent der MBA-Studenten die hohen Gebühren aus eigener Tasche oder werden vom Arbeitgeber unterstützt. Nur 14 Prozent der MBA-Absolventen erhalten ein Stipendium oder nehmen einen Kredit bei der Bank auf.

4.      Was steht im Lehrplan?
Zunächst einmal werden ganz klassische BWL-Themen gepaukt: Rechnungswesen, Bilanzen, Marketing, Personalmanagement, Finanzierung und Investition – alles auf Englisch natürlich.

Der Abschluss ist schließlich auf global agierende Unternehmen ausgerichtet. Außerdem werden die MBA-Studenten häufig auch psychologisch geschult. In Rollenspielen lernen sie ihr Führungsverhalten kennen oder bekommen ein Persönlichkeitscoaching. Hinzu kommen Verhandlungstaktiken, unternehmerisches Denken und Kommunikationsfähigkeiten.

5.      Wer studiert?
Laut einem Report von MBA-Studium.de sind die Studenten bereits mit BWL vertraut. 64 Prozent haben einen Bachelor oder Master in dieser Disziplin. Nur 9 Prozent stammen aus dem Gebiet des Ingenieurwesens, 9 Prozent aus der Gesundheitsbranche, 5 Prozent haben Erfahrung in Logistik und nur 2 Prozent kommen aus der IT. Auch wenn die Zahl der Frauen kontinuierlich steigt, sind die Männer mit 60 bis 70 Prozent in der Überzahl.

6.      Was müssen die Bewerber können?
Um sich für einen MBA einschreiben zu können, muss man ein paar Jahre gearbeitet haben. Beim EMBA werden sogar mindestens fünf Jahre und eine Führungsposition erwartet. Außerdem müssen die Bewerber mindestens einen Bachelor vorweisen und sich anschließend in einem Auswahlgespräch beweisen. Über die Hälfte der Hochschulen verlangen außerdem den Toefl-Sprachtest.

7. Was meinen die Headhunter?
Für eine Karriere im deutschsprachigen Raum ist der MBA eine gute Zusatzqualifikation, aber keine Voraussetzung. Hubertus Graf Douglas, Deutschland-Geschäftsführer der Personalberatung Korn Ferry, meint: „Dass Berufserfahrung, Praxis aber vor allem auch Persönlichkeitspotenzial wichtiger sind, bestätigen unsere Studien. Wir haben 2018 zuletzt die Werdegänge von 170 CEOs verglichen: 13 Prozent hatten einen MBA, im DAX waren es nur zehn Prozent. Also drei DAX-Chefs.“

Ein MBA sei damit eher die Ausnahme als die Regel bei Deutschlands Chefs. „Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass eine solche Zusatzqualifikation sehr hilfreich sein kann. Das kommt stets auf den Einzelfall an, der – gerade bei einer solchen hohen finanziellen Investition – intensiv zu prüfen ist.“ Der entscheidende Vorteil des teuren Studiums sei das Netzwerk der Hochschulen, das bei der Karriere helfen kann. „Auf dem CEO-Stuhl aber ist mehr notwendig. Denn Charakter und Motivation lässt sich an der Uni nicht lernen. Auch nicht im MBA.“

Auch in digitalen Zukunftsbranchen verspricht der teure Abschluss keinen Mehrwert. Martina Weiner, Geschäftsführerin der Personalagentur i-potentials, sagt: „Die Digitalwirtschaft achtet im Vergleich zur Old Economy deutlich weniger auf MBA-Abschlüsse. Wenn Digitalunternehmen überhaupt einen MBA verlangen, dann meist deswegen, weil man dem Kandidaten dadurch Zugriff auf ein bestimmtes Netzwerk und eine gewisse Leistungsbereitschaft unterstellt, nicht aufgrund der Studieninhalte. Die digitalen Methoden und Führungskompetenzen lernen die Mitarbeiter ‚on the job‘ wie es so schön heißt. Wer eine Karriere als Führungskraft in der New Economy anstrebt, für den sind Soft Skills wie Empathie relevanter, um die Bedürfnisse von seinen Kunden und Mitarbeitern zu verstehen.“

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