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Tipps für den perfekten Auftritt Deutsche Dax-Chefs sind zu deutsch

Deutsche Dax-Chefs sind zu deutsch, findet Rhetorikcoach Stefan Wachtel. Bei der Präsentation von Unternehmensergebnissen sollten sie weniger faktenlastig und korrekt sein. Tipps für den perfekten Auftritt.

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Stefan Wachstel Quelle: Carsten Sander

Herr Wachtel, kann man eine staubtrockene Bilanz-Pressekonferenz überhaupt lebhaft gestalten?

Auf jeden Fall. Dafür müssen Manager aber in eine andere Rolle schlüpfen. Sie müssen vom sachlichen Erklärer zum emotionalen Vermittler werden. Anstatt nur die Fakten runter zu beten, müssen sie eine Beziehung zu ihrem Publikum aufbauen, sich Freunde machen und für Stimmung sorgen. 

Und wie funktioniert das?

Zum Beispiel, indem ein Manager seine Rede unkonventionell beginnt. Also nicht der übliche „Ich begrüße Sie herzlich zu der diesjährigen Pressekonferenz“-Einstieg, sondern mit einem fesselnden Anfang. Das kann eine spannende Zahl oder eine Geschichte sein: „23 Millionen zufriedene Kunden - das ist unsere Bilanz. Wie wir das geschafft haben?“ Und dann geht es los. Zwei bis drei der Vorstände haben das in diesem Jahr so gemacht.

Die DAX-Chefs im großen Redner-Check
10. Martin Winterkorn, VolkswagenPlatz zehn im exklusiven Rhetorik-Ranking des Handelsblatts und der Uni Hohenheim  hat Volkwagen-Chef Martin Winterkorn inne. Damit fällt er im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze nach hinten. Das Computerprogramm des Hohenheimer Kommunikationswissenschaftlers Frank Brettschneider ermittelt jedes Jahr, wie verständlich die Reden der Vorstandschefs der größten börsennotierten Unternehmen ausfallen. Es prüft jeweils Satzbau, Fremdwortanteil, Abstraktheitsgrad, Wort- und Satzlängen und bewertet dann jede Rede auf einer Verständlichkeitsskala. Diese reicht von Null - der Vortrag ist etwa so unverständlich für den Durchschnittsbürger wie eine Doktorarbeit - bis 10. Quelle: dpa
9. Reinhard Ploss, InfineonDer Vorstandsvorsitzende des Chipherstellers Infineon Technologies AG hat es im Redner-Ranking auf den neunten Platz geschafft. Neben der Verständlichkeitsskala (A-Note) hat Brettschneider eine Checkliste entwickelt, mit der der Stil bewertet wird. In der „Kür“ können die Redner in zwei Teilbereichen „Relevanz und Aufbau“ sowie „Präsentationsform“ insgesamt 100 Punkte für ihre B-Note holen. Quelle: dpa
8. Elmar Degenhart, Continental Der Chef des niedersächsischen Reifenherstellers hat es ebenfalls in die Top-Ten der besten Redner geschafft. Für ihn und Infineon-Chef Ploss war es die erste Rede als Konzernlenker. Quelle: dpa
7. Ulf Schneider, Fresenius Der Vorstandsvorsitzende der Fresenius SE, Schneider, schaffte d en größten Sprung: Vergangenes Jahr war er noch Vorletzter des Gesamtklassements, diesmal überraschte er mit Rang sieben. Quelle: dpa/dpaweb
6. Dieter Zetsche, DaimlerAuf Platz sechs im großen Redner-Check hat es der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG geschafft. Brettschneiders Fazit der Hauptversammlungs-Saison 2013: „Wir haben insgesamt bessere Reden als im Vorjahr erlebt.“ Der Verständlichkeitsgrad steigerte sich von 3,8 Punkten auf 4,6 und somit auf ein mittleres Niveau. Quelle: dpa
5. Johannes Teyssen, E.ONDie Top 5 eröffnet der CEO von E.ON. Teyssen ist künftig auch oberster Vertreter der Energiebranche auf europäischer Ebene in Brüssel. Ob er die EU-Abgeordneten mit seiner Rhetorik ebenfalls überzeugen kann? Quelle: REUTERS
4. Norbert Reithofer, BMWDer Vorstandsvorsitzende der BMW AG wurde in diesjährigem Ranking aus dem Spitzentrio verbannt. Vergangenes Jahr schaffte er es noch auf Platz zwei, in diesem reicht seine Rede nur für den vierten Platz. Quelle: Christian Stadler/BMW

Rühmliche Ausnahmen? Oder sind die Reden insgesamt besser geworden? 

Sie sind besser geworden. Spitzenmanager werden seit Ende der 90er Jahre besser geschult und sie bereiten sich besser vor. Das liegt aber auch an den Vorständen selbst, mittlerweile steht eine andere Generation an der Spitze der Unternehmen. Heinrich von Pierer hat noch stundenlang an einem Semikolon gefeilt und seine Rede dann einfach abgelesen. Viele der aktuellen Dax-Vorstände waren bei McKinsey oder Ernst & Young und sind angelsächsisch geprägt. Die wissen, dass neben dem Inhalt auch die Wirkung zählt.

Wer zum Beispiel?

Ich nenne keine Namen, aber zwei Branchen. Die Vorstände der Banken sind in den letzten fünf Jahren rhetorisch viel besser geworden. Sie sind nicht mehr so sperrig wie früher, auf Fragen reagieren sie eleganter und nicht mehr so belehrend. Die andere Branche ist der Automobil-Sektor – sprachlich steckten die Jahrzehntelang im Keller fest. Mittlerweile ist es nicht mehr ganz so schlimm.

Pharma- und Chemievorstände eher mittelmäßig

Sind Sie auch rhetorisch der Chef?
Mitarbeiter machen nicht, was sie sollenWenn Mitarbeiter nicht wissen, was es ihnen persönlich einbringt, dann machen sie in den seltensten Fällen, was ihnen gesagt wird. Deshalb sollten die Manager persönliche Anreize setzen und erklären, was der Vorteil für den individuellen Mitarbeiter ist: Ob er Fußballkarten, einen Bonus oder eben Karten für die Oper möchte, Sie sollten ihm den Wunsch erfüllen. Quelle: dpa/dpaweb
4. Effektiv kommunizierenIst erstmal ein Aktionsplan erstellt, sollten ihn auch alle Mitarbeiter verstehen. Konkret bedeutet das, dass Sie Ihre Pläne mit allen Kollegen teilen und diese um Ihre Meinung bitten sollten. Dank Chester Barnards Klassiker "The functions of the executive" ist bekannt, dass Organisationen in Wahrheit durch Informationen zusammengehalten werden, nicht durch gutes Management oder Besitzverhältnisse. Druckers Tipp: Sparen Sie nicht an Informationen, sondern kommunizieren Sie Ihre Pläne. Dabei sollten Sie auch untergebene Mitarbeiter nicht ausschließen. Quelle: dpa
Mit den Enttäuschten reden! Bei Umstrukturierungen wird immer jemand der Leidtragende sein: Damit der Enttäuschte nicht auf Rache sinnt, sollte mit ihm geredet werden. Persönliche Anerkennung in wenigen Sätzen kann manchmal dafür sorgen, dass er die Kröte besser schluckt. Und Sie und die Firma in Ruhe lässt. Quelle: REUTERS
5. Chancenorientiert denkenEs klingt wie eine Floskel, ist aber ein effektives Element guten Managements. Erfolgreiche Führungskräfte konzentrieren sich auf Chancen, nicht auf Probleme. Japan geht dabei als gutes Beispiel voran: Dort wird sichergestellt, dass vorhandene Chancen nicht von Problemen erdrückt werden. Dabei spielt auch die Stellenbesetzung eine wichtige Rolle. Japanische Führungskräfte lassen ihre besten Mitarbeiter an Chancen arbeiten, nicht an Problemen. Druckers Tipp: Probleme und Risiken gibt es überall – aber auch Chancen. Stellen Sie diese in Ihrem Unternehmen in den Mittelpunkt. Auch Probleme lassen sich in Chancen umwandeln, indem Sie sich fragen: Wie können wir diese Veränderung oder jenes Problem als Chance für unser Unternehmen nutzen? Quelle: dpa
Das Kündigungsgespräch: kurz und schmerzlosMachen Sie es sich und ihrem bald Ex-Mitarbeiter nicht schwerer als es ist: Zwei, drei Sätze reichen, um keine der beiden Seiten unnötig zu belasten. Und helfen Sie Ihrem ehemaligen Mitarbeiter dann noch, indem Sie ihm schnell und unbürokratisch seine Papiere geben und ihm ein Arbeitszeugnis schreiben. Quelle: dpa-tmn
Konsequenzen dramatisieren!Sie müssen unpopuläre Maßnahmen wie Kostensenkungen und Budgetkürzungen kommunizieren? Kein Problem, wenn Sie nur dramatisch und konsequent sind. Denn nur dann können die Mitarbeiter Ihre Maßnahmen nachvollziehen. Die meisten Manager schreiben Mails, weil sie die nicht beantworten müssen. Ein Gespräch mit dem Mitarbeiter könnte hingegen zu unbequemen Nachfragen führen. Quelle: dpa
Loben Sie die Mitarbeiter namentlich!Seien Sie kein eitler Hahn, sondern geben Sie etwas vom Erfolg auch an Ihre Mitarbeiter zurück. Ein rhetorisch guter Manager lobt sein Team namentlich - das führt auch bei gelobten Mitarbeiter zu einem kleinen Motivationsschub. Quelle: dpa

Und wer steckt jetzt noch im Keller fest?

Die Pharma- und Chemie-Konzerne sind im Mittelfeld stecken geblieben. Diese Unternehmen haben zwar eine schwierige Materie zu vermitteln, aber das allein sollte nicht der Grund sein. Ich glaube, es liegt eher an dem Background der Vorstände. Das sind häufig Naturwissenschaftler, da zählen im Studium und während der ersten Berufsjahre andere Themen als Rhetorik.

5 Tipps für die perfekte Rede

Was sind die häufigsten Fehler?

Die Manager sind zu deutsch. Sie formulieren zu korrekt und faktenlastig, sind immer auf Vollständigkeit bedacht und mit jeder Zahl persönlich bekannt. Symbolisch steht der Aktenkoffer neben Rednerpult und Podium. Eine weiterer Fehler ist, dass die Reden häufig im schriftdeutsch getextet und dann einfach abgelesen werden. Und zu guter Letzt: Der Sprecher befindet sich im falschen Film. Ein gutes Beispiel war ein Kanzlerduell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück. Steinbrück war immer sachlich-nüchtern. Eigentlich hätte er die Kandidaten aber überzeugen müssen, gewinnend und charmant sein.

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Bei welchem Redner können sich die Dax-Vorstände was abschauen?

Bill Clinton. Ich gebe ein Beispiel: In einer Rede war Clintons erster Satz: „Wir sind hier um den nächsten Präsidenten zu ernennen“. Das war falsch. An diesem Tag wurde nicht der nächste Präsident, sondern der nächste Präsidentschaftskandidat nominiert. In Deutschland wäre das undenkbar, es war schließlich nicht richtig. Doch die Amerikaner fanden es toll, dass Clinton so schön übertrieben hat. Oder Daniel Vasella – der ehemalige Novartis-Chef bindet sein Publikum sehr gekonnt ein.

Wie schneiden die Deutschen im internationalen Vergleich an?

Immer noch schlecht. Deutsch sein heißt sachlich sein. Die Angelsachsen sind rhetorisch viel eleganter. Oder auch die Franzosen und die Italiener. Der komplette Vorstand von Fiat ist da ein gutes Beispiel. Die sehen schon viel origineller und moderner aus – und so sprechen sie auch.

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