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Top-Managerinnen Die Chefinnen der Zukunft

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Nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel

Zugegeben: Top-Managerinnen wie von Fugler, Wiederhold oder Glang sind in deutschen Unternehmen nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Laut aktueller Erhebungen der Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) sind nur knapp 6 Prozent der Vorstandsposten und 18 Prozent der 1669 Kontrollposten der in Dax, MDax, TecDax und SDax gelisteten Unternehmen mit Frauen besetzt. Noch.

Denn geht es nach der Bundesregierung, wird sich das ab 2016 ändern: Im November soll sich das Kabinett mit dem Gesetzentwurf zur Frauenquote befassen, damit sie 2015 in Kraft treten kann. Demnach sollen alle börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen die Zahl ihrer weiblichen Aufsichtsräte auf 30 Prozent anheben. Das heißt: Alle frei werdenden Mandate müssen so lange an Frauen verteilt werden, bis die Zielmarke geknackt ist. Betroffen wären etwa 100 Unternehmen, davon 24 der 30 größten börsennotierten – allein diese müssten in den kommenden Jahren 38 Aufsichtsratsposten an Frauen vergeben –, also rund ein Drittel mehr als derzeit.

Zahlreiche Unternehmen stellen sich schon jetzt darauf ein: Adidas hat Henkel-Personalvorstand Kathrin Menges und Katja Kraus, Geschäftsführerin bei der Werbeagentur Jung von Matt/Sports, in sein Kontrollgremium geholt, im Bayer-Aufsichtsrat sitzt seit Ende April Henkel-Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah. Die Deutsche Post hat Melanie Kreis vor wenigen Tagen zum Personalvorstand befördert und Outdoor-Unternehmen Jack Wolfskin Melody Harris-Jensbach an die Spitze gesetzt.

„Für Aufsichtsräte wie Vorstandsetagen gibt es ausreichend qualifizierte Bewerberinnen“, sagt Personalberater Heiner Thorborg, der vor sieben Jahren das Frauennetzwerk Generation CEO gegründet hat, dem mittlerweile 160 hochkarätige Frauen angehören. Darunter Sandrine Piret-Gérard, die im Februar zur Deutschland-Chefin des Pharmakonzerns Hexal aufstieg.

Dass solche Personalien künftig eher die Regel werden, bestätigt auch eine internationale Langzeitstudie der Unternehmensberatung Strategy&. „Wir erwarten, dass 2040 mehr als ein Drittel aller neu besetzten CEO-Posten an Frauen gehen“, sagt Klaus-Peter Gushurst, Sprecher der Geschäftsführung von Strategy&.

So viele Frauen fehlen in den Aufsichtsräten bei einer Frauenquote von 30 Prozent

Dass sie schon früh das Zeug für eine steile Karriere mitbringt, beweist Theresa von Fugler mit Anfang 30: Damals arbeitet die promovierte Biochemikerin in Shanghai für den L’Oréal-Konkurrenten Henkel, bei dem sie fünf Jahre zuvor als Markenmanagerin angeheuert hatte. „Möchtest du Länderchefin für Vietnam werden?“, fragte sie der damalige Asien-Pazifik-Chef des Düsseldorfer Konsumgüterherstellers eines Abends völlig unvermittelt. Ein Feuerlöscherjob, stand doch die dortige Landesgesellschaft kurzfristig ohne Führung da. „Du kannst die Nacht drüber schlafen.“

Muss sie nicht. „Ich war sofort begeistert“, erinnert sich von Fugler. Dabei plagen sie nicht nur rückläufige Absatzzahlen, sondern auch regelmäßige Stromausfälle im Büro und Ratten in der Fabrik.

„In dieser Zeit hat sie unter Beweis gestellt, wie stark sie ist“, sagt Personalberater Thorborg. „Und dass sie sich unheimlich gut auf neue Situationen einstellen kann.“

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