Umfrage Jeder zweite Chef wird im Streit persönlich

Ein Klima der konstruktiven Kritik - das ist in vielen deutschen Unternehmen Fehlanzeige. Eine Umfrage zeigt: Fliegen im Betrieb die Fetzen, neigt jeder zweite Vorgesetzte dazu, seine Untergebenen persönlich anzugreifen.

Die schlechtesten Chefs der Welt
Brian Dunn: Die Liste der schlechtesten CEOs des Jahres, die der Management-Professor Sydney Finkelstein jedes Jahr erstellt, wird von Bestbuy-Chef Brian Dunn angeführt. Der zurückgetretene CEO des größten US-Elektronikhändles hat nicht nur Fehlentscheidungen in Milliardenhöhe verursacht, sondern stolperte auch noch über eine Affäre mit einer wesentlich jüngeren Mitarbeiterin. Quelle: dapd
Aubrey McClendon: D er schillernde Vorstandschef des US-Gasgiganten Chesapeake Energy (CHK), der auch am Profibasketball-Team von Oklahoma City beteiligt ist, hat offenbar Mühe, seine eigenen und die Finanzen seines Unternehmens auseinander zu halten. Laut einem Reuters-Bericht hat McClendon über drei Jahre lang Kredite von 1,1 Milliarden Dollar aufgenommen und seine Anteile an Chesapeake-Ölquellen als Sicherheit hinterlegt – ohne dass Aktionäre darüber informiert waren. Das Geld soll er dann genutzt haben, um in den Genuss potenziell lukrativer Sondervergütungen zu kommen. Laut Ranking hat der Milliardär, der eine Sammlung teurer französischer Weine besitzt, außerdem Firmenjets für Privatreisen mit Freunden und Familie genutzt und das Basketball-Team mit Firmengeldern unterstützt. McClendon hat einen Interessenkonflikt immer zurückgewiesen – inzwischen ermittelt die US-Börsenaufsicht. Quelle: REUTERS
Andrea Jung: Die Kosmetik-Königin und jetzt Ex-Avon-Chefin sollte ihren Konzern wieder auf die Erfolgsspur bringen. Doch die Topmanagerin, die einst als Überfliegerin gefeiert wurde, lehnte ein Milliarden schweres Übernahmeangebot ab, das ihrer Firma gut getan hätte – der Preis sei zu niedrig. Quelle: REUTERS
Mark Pincus: Der Zynga-Chef muss mit ansehen, wie der Börsenwert seines kriselnden Spielekonzerns ins Bodenlose stürzt – weil manche Onlinespiele des „Farmville“-Erfinders an Beliebtheit einbüßen, haben die Aktien des fünf Jahre alten Unternehmens in einem Jahr 75 Prozent an Wert verloren. Die Verzweiflung des 46-jährigen CEOs ist riesig, denn er muss jetzt mit einem radikalen Kurswechsel den Niedergang seiner Firma stoppen. Zu allem Unglück verliert Pincus nun auch noch seine Spitzenmanager an seinen engsten Partner: Zuletzt wechselte Finanzchef David Wehner zu Facebook. Quelle: dapd
Rodrigo de Rato: Gegen den ehemalige Chef der spanischen Krisenbank Bankia wird derzeit wegen Preismanipulationen, Bilanzfälschung und Betrug ermittelt. Der Gewinn des Gelhauses, der 2011 unter dem Ex-IWF-Chef mit 309 Millionen Euro angegeben wurde, soll in Wahrheit ein Verlust von rund 3 Milliarden Euro gewesen sein. Quelle: dpa
Mark Zuckerberg: Der Facebook-Chef, der sein Studium an der Elite-Uni Harvard abbrach, hat es nicht in das Ranking der schlechtesten Bosse des Jahres geschafft – allerdings nur ganz knapp, sagt Experte Finkelstein. Weil der Börsengang floppte, schrumpfte Zuckerbergs Vermögen laut Forbes von 17,5 auf 9,4 Milliarden Dollar zusammen (7,2 Mrd. Euro). Quelle: REUTERS
Andrew Mason: Den Einzug knapp verpasst hat auch der Gutscheinportal-Gründer Andrew Mason, der es mit seiner Idee zu Groupon in kürzester Zeit zum Multimillionär gemacht hat. Doch bei dem Schnäppchen-Anbieter läuft es derzeit gar nicht rund, die Geschäftszahlen waren zuletzt enttäuschend. Sogar der Posten von Mason ist gefährdet. Die Aktie verlor seit dem Börsengang vor einem Jahr rund 80 Prozent ihres Werts. Schon seit einiger Zeit hegen die Anleger Zweifel, ob das Geschäftsmodell überhaupt auf Dauer funktioniert. Groupon lebt von einer Kommission auf die Gutscheine. Die Versuche, das Geschäft über die Rabattcoupons hinaus auszuweiten, waren bisher nur mäßig erfolgreich. Quelle: REUTERS

Einfühlsam und durchsetzungsstark - so wünschen sich Arbeitnehmer ihre Vorgesetzten. Doch dahin ist es in Deutschland noch ein weiter Weg. Die Studie "Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg" der Personalberatung Rochus Mummert zeigt deutlich, dass die Streitkultur in deutschen Unternehmen zu wünschen übrig lässt: Nur jeder dritte Betrieb hat demnach Standards zur Lösung von unvermeidlich auftretenden Konflikten vorbereitet.

Der Großteil hingegen leidet unter diesem Versäumnis. Denn wo solche Ansätze fehlen, wird es schnell persönlich. 47 Prozent der Vorgesetzten in deutschen Unternehmen vergessen sich im Streit selbst - und damit auch den Unterschied zwischen der Person, die den Unmut abbekommt, und der Sache selbst. Die Folgen sind fatal: In fast jeder zweiten Firma ist so die Unternehmenskultur durch fehlende Achtung und Wertschätzung geprägt. Alltägliche Diskussionen eskalieren leicht und vergiften das Klima.

Auslöser für Zoff und Ärger sind in 46 Prozent der Fälle uneindeutige Anweisungen durch die Vorgesetzten. In 43 Prozent der Streitfälle geht es um Arbeitszeiten. In der Mehrzahl der deutschen Betriebe sei zudem Widerspruch generell nicht erwünscht. Unter der mangelnden Streitkultur leidet nicht nur die Stimmung im Team - es verhindert auch, dass für die Probleme eine Lösung gefunden wird. In knapp 90 Prozent der Firmen komme es dadurch zu Produktivitätseinbußen, so das Ergebnis der Studie.

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Zudem leidet durch die angespannte Stimmung die Attraktivität eines Unternehmens für Jobsuchende. "Ein schlechtes Arbeitsklima dringt heute sehr schnell nach außen", sagt Studienleiter Hans Schlipat. "Die nachrückende Generation Y informiert sich vor einem Stellenantritt in ihrem Netzwerk aus erster Hand über die Unternehmenskultur - negative Erfahrungen werden sofort sichtbar. Unternehmen dürfen daher ihr Arbeitgeber-Image nicht vernachlässigen."

Gerade die viel gesuchten Fachkräfte sind bei mieser Stimmung im Betrieb schnell zu einem Wechsel des Arbeitgebers bereit. "Um auch in Zukunft für Leistungsträger attraktiv zu sein, sollten Unternehmen ihre Führungs- und Leistungskultur überdenken - dazu zählt auch die offene, konstruktive Auseinandersetzung", rät Schlipat. Hierbei seien neben der Geschäftsführung vor allem die Personalmanager in der Pflicht.

Für die repräsentative Studie wurden HR-Führungskräfte (Human Resource, Personalmanager) sowie 1000 Arbeitnehmer befragt.

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