Umgang mit Gen Z: „Findet ihr das solidarisch gegenüber den Kollegen am Band?“
„Alle Wünsche müssen sofort verfügbar sein“, sagt Mona Ghazi. Mit Continental-Vorständin Ariane Reinhart (l.) sprach die Jungunternehmerin über die Ansprüche der Generation Z.
Foto: PresseMona Ghazi hat Ariane Reinhart schon mal überzeugt. Sie überlege jetzt, sagt Ghazi nach einer Stunde Austausch mit der Continental-Personalvorständin, selbst beim Hannoveraner Autozulieferer anzufangen. Als was denn? „Als persönliche Assistentin des Vorstands“, sagt die 21-jährige Unternehmerin.
So viel Einigkeit ist selten zwischen den Generationen. Und so viel Eifer wird Menschen der Generation Z, wie Ghazi, selten zugesprochen.
Kaum jemand von den Jüngeren wolle noch Verantwortung übernehmen, klagen Personalverantwortliche hinter vorgehaltener Hand. Die Berufsanfänger gelten manchen Firmenchefs älteren Semesters als wenig karriereorientiert, gar ambitionslos.
Sie seien zwar besser ausgebildet als die Mitglieder jeder Generation vor ihnen, klagte gerade erst der Gründer der Modekette s.Oliver, Bernd Freier, in einem Interview mit dem „Spiegel“. Aber „in einer gesättigten Gesellschaft wie unserer fehlt es häufig an Biss“.
Ariane Reinhart geht da als Dax-Vorständin deutlich diplomatischer vor. Continental lud in dieser Woche zu einem Pressegespräch mit Mona Ghazi, Co-Gründerin des Software-Start-ups Optimo. Ihr Vorhaben: diese Vorurteile abzubauen.
In einer repräsentativen Umfrage ließ Continental im vergangenen Monat rund 3000 Erwerbstätige zwischen 16 und 67 Jahren befragen, was ihnen im Berufsleben wichtig ist. Das Ergebnis: Arbeit ist allen Altersklassen gleich wichtig. Jüngere legen dabei aber im Vergleich zu Älteren etwas mehr Wert auf eine hohe Bezahlung. 78 Prozent der 16- bis 24-Jährigen würden für eine bessere Bezahlung bei einem anderen Arbeitgeber sogar den Job wechseln. Unter den 25- bis 57-Jährigen sind es 71 Prozent, in der ältesten Kohorte deutlich weniger.
Flexibilität im Beruf ist vor allem für die Gen Z ein Motiv, den Arbeitsgeber zu tauschen. Reinhart versteht darunter die „maximale Selbstbestimmung“, wo und wann jemand arbeite. „Das ist ein Wunsch, den wir versuchen zu erfüllen.“
Aber ihr ist auch klar, dass das niemals in allen Teilen des Industriebetriebs möglich sein wird. Sie muss verhindern, dass unter Produktionsmitarbeitern – die sich als diejenigen, die im Werk arbeiten müssen, vernachlässigt fühlen könnten – sozialer Unfrieden ausbricht. Eine „Diskussion, die mich manchmal emotionalisiert“, sagt Reinhart, „wenn ich da höre: ‚Ich will nur noch im Homeoffice arbeiten, dafür eine Zulage und außerdem noch das und das umsonst.‘ Findet ihr das solidarisch gegenüber den Kollegen am Band?“
Hören Sie dazu das „Chefgespräch“ mit Ariane Reinhart: „Ich wollte nicht für die Sekretärin gehalten werden“
Reinharts Job ist es aber nicht nur, zwischen Homeoffice und Bandarbeit zu vermitteln. Sie muss auch darauf achten, die Generationen im Konzern zusammenzuhalten und niemanden, der gerade von der Uni kommt, zu bevorzugen nur, weil es für ganz spezielle Jobs heutzutage nur sehr wenige Kandidaten gibt. „Der Personalbereich ist dafür da, die richtigen Leute am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt zu haben“, sagt die 53-Jährige im WirtschaftsWoche-Podcast „Chefgespräch“.
Die Grenzen für exorbitante Gehälter für Spezialisten, die innerhalb des Konzerns nicht zu finden sind, seien eng, berichtet Reinhart. Genauso wie die Grenzen für die Wünsche der Gen Z. „Meine Generation hat die Anspruchshaltung, es muss alles immer sofort verfügbar sein“, erzählt Ghazi. Das sei im Arbeitsleben nicht anders. „Alle Wünsche müssen sofort verfügbar sein.“ Als Unternehmerin und Personalverantwortliche sieht Ghazi das selbst durchaus kritisch. Wie auch Reinhart lehne sie Bewerber ab, wenn jemand überzogene Erwartungen habe und zu sehr vorpresche.
„Ich habe gar kein Problem damit, wenn sie zielstrebig sind und wissen, was sie wollen“, sagt die Personalvorständin Reinhart. „Wir dürfen uns nur nicht jedem Wunsch unterwerfen.“ Junge Menschen, die nach zwei, drei Jahren ein Sabbatical machen wollen, seien im Vergleich zu früher eine Neuerscheinung. Nicht, dass sie grundsätzlich gegen Sabbaticals sei, aber es sei nun mal eine Frage der Verhältnismäßigkeit.
In der Tatsache, dass junge Menschen aufgrund des Fachkräftemangels in vielen Bereichen tatsächlich eine gute Verhandlungsposition haben, sieht Ghazi ein „Privileg“. Und sie glaubt, es helfe der Wirtschaft, „wenn wir die Unternehmen so herausfordern“.
Firmen richten sich auf die Gen Z aus, in der Hoffnung, junge Talente für sich zu gewinnen. Doch Heiko Fink warnt davor, zu übertreiben. Fink leitet bei der Managementberatung Horváth den Bereich Strategie & Transformation. Firmen müssten das Gleichgewicht der Generationen wahren, meint er. Tatsächlich aber stellten sich Unternehmen im Werben um die Gen Z häufig zu engagiert dar. „Von Remote Work über Nachhaltigkeit bis zu Diversität – schaut man sich die Präsentationen an, müsste in 90 Prozent der Unternehmen ein wahres New-Work-Paradies zu finden sein. Das ist selten so.“
Unternehmen könnten auf diesen Schein einfach verzichten, sagt Fink. „Mit unternehmerischer Realität kommen junge Menschen anders als angenommen durchaus gut klar. Die Gen Z möchte nicht in einer Parallelwelt leben, sondern verantwortlich einbezogen werden“, konstatiert der Berater.
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