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Unternehmen Technologie, Talent und Toleranz

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Mangelware in Berlin

Integrationskurs Quelle: dpa/dpaweb

Und da sieht es noch mau aus: Berlin ist zwar ein Biotop für diese Kulturen – große Technologiefirmen aber sind dort Mangelware. München dagegen, mit einer Fülle strategischer Kooperationen zwischen seinen Spitzen-Universitäten und Unternehmen wie Siemens oder BMW, eingebettet in ausgezeichnete medizinische Infrastruktur und eine lebendige Kulturszene, kann Vorbild sein für attraktive Metropolen.

Auch die Deutsche Telekom setzt auf Allianzen: etwa mit dem berufsbegleitenden Master Programm Digital Pioneering an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen. Mit den T-Labs an der Freien Universität Berlin, mit Stiftungslehrstühlen, Preisen und Stipendien für technische Studiengänge.

Aber auch mittelständische Vorzeigefirmen müssen sich weltweit als die Innovationsschmieden vermarkten, die sie sind. Automobilzulieferer Phoenix Contact macht es vor: Offenbar gibt es genügend Top-Ingenieure, IT-Experten und Manager, die für diese Firma ins westfälische Blomberg ziehen und dort bleiben.

Multi-Kulti-Nischen-Image

Aber auch das Umfeld muss stimmen: Kein Talent kommt an einen Ort ohne gute Kindergärten, Schulen oder kulturelles Angebot. Weil der Staat zunehmend klamm ist, müssen sich Unternehmen auch hier stärker engagieren – sonst werden sie den Kampf um Talente verlieren.

Und natürlich fällt es einem indischen IT-Spezialisten oder einer rumänischen Betriebswirtin wesentlich leichter, sich für ein Unternehmen zu entscheiden, wenn sie in der Kantine nicht als Exoten behandelt werden. Aber solange Diversity in der Multi-Kulti-Nische oder in politischen Grabenkämpfen zur Abschottung des deutschen Arbeitsmarktes versackt, werden internationale Fachleute Deutschland meiden.

Unternehmen müssen ihren Einfluss auf die Politik nutzen: auf kommunaler und regionaler Ebene zur Weiterentwicklung der sozio-kulturellen Infrastruktur, auf Landes- und Bundesebene fürs Bleiberecht ausländischer Hochschulabsolventen und die bessere Akzeptanz ausländischer Studien- und Fachabschlüsse. Und sie müssen kämpfen für mehr Durchlässigkeit im deutschen Bildungssystem, das bislang primär als Selektionsmaschine funktioniert.

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