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Unternehmensberatung Coaching zwischen Manipulation und Betreuung

Die Nachfrage nach Coaches steigt immer weiter. Doch sinnvoll ist das Coaching nicht als Dauereinrichtung und schon gar nicht, um die Verantwortung für Führungsaufgaben abzuwälzen, schreibt Gastautor (und Coach) Helmut Geiselhart.

Was erfolgreiche Chefs täglich tun
1. Sie sind zugänglich Viele Führungskräfte wirken auf ihre Kollegen einschüchternd. Wer erfolgreich sein will, sorgt dafür, dass dem nicht so ist. Vielmehr sorgen sie dafür, dass in Meetings und Einzelgesprächen eine angenehme Gesprächsatmosphäre herrscht, in der sich auch die graue Maus im Büro traut, den Mund aufzumachen, um ihre Meinung zu sagen. Also: besser nicht zu sehr den Boss raushängen lassen, sondern lieber Sicherheit geben, dass Kritik nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist. Quelle: Fotolia
2. Sie treffen Entscheidungen Ja Mensch, denken sich jetzt vermutlich viele, mache ich auch – auf dem Weg zur Arbeit, am Rechner, in der Kantine. Erfolgreiche Chefs sind im Treffen von Entscheidungen wahre Experten. Dabei konzentrieren sie sich immer darauf, dass alle Entscheidungen, die getroffen werden, dazu führen, dass ein Prozess voranschreitet, etwas möglich wird, etwas am Ende herauskommt. Entscheidungen mit Folgen sozusagen. Quelle: Fotolia
3. Sie definieren ZieleErfolgreiche Führungskräfte sind hervorragende Kommunikatoren in eigener Sache. Und natürlich vor allem dann, wenn es ihnen etwas nützt. Also erzählen sie, wann immer es geht, welche Ziele das Unternehmen verfolgt, welche Werte es vertritt, damit die Vision korrekt verinnerlicht ist und umgesetzt werden kann. Und jeder im Team immer wieder erinnert, wird, welche Aufgabe er in diesem System zu erfüllen hat. Quelle: Fotolia
4. Sie übernehmen VerantwortungErfolgreiche Führungskräfte halten ihren Mitarbeitern den Rücken frei. Sie boxen Entscheidungen durch, damit ihre Kollegen mit ihrer Arbeit weiterkommen und sich nicht im Kleinklein des strategischen Taktierens verlieren müssen. Sie schaffen ein Umfeld, in dem sie sich auf ihre Mitarbeiter und ihre Mitarbeiter sich auf sie verlassen können. Quelle: Fotolia
5. Sie sind BeispielfunktionKlingt wieder banal, aber auch über Banalitäten kann es sich lohnen, noch einmal nachzudenken. Nur wenige Führungskräfte sind dabei nämlich konsequent. Das fängt bei der Pünktlichkeit an und hört bei dem Verhalten in Meetings auf. Erfolgreiche Führungskräfte wissen, dass sie unter ständiger Beobachtung stehen und decken intuitiv diejenigen auf, die nur auf einen klitzekleinen Fehler warten. Quelle: Fotolia
6. Sie geben FeedbackJeder Angestellte möchte, dass seine Führungskraft weiß, welchen großartigen Beitrag er jeden Tag für das Unternehmen leistet. Erfolgreiche Führungskräfte wissen daher, wie wichtig es ist, Feedback zu geben. Sie schenken auch einmal kleinen Details Aufmerksamkeit und legen Wert auf vertrauensvolle Beziehungen zu ihren Mitarbeitern. Quelle: Fotolia
7. Sie nutzen das Potenzial des Teams perfektErfolgreiche Führungskräfte wissen genau um die Talente in ihrem Team. Sie sind Experten darin, auch noch so versteckte Fähigkeiten ihrer Kollegen zu erkennen und heraus zu kitzeln. Wie auf dem Fußballfeld ist es nicht sonderlich sinnvoll, einen Stürmer als Verteidiger einzusetzen und umgekehrt. Erfolgreiche Führungskräfte erkennen das und setzen ihre Kollegen ihren Fähigkeiten entsprechend ein. Quelle: Fotolia

Heutzutage muss ja jeder kreativ sein und lebenslanges Lernen bleibt keinem erspart. Wer nicht erfolgreich seine eigene Persönlichkeit optimiert, dem hilft bald noch so viel Empathie nicht mehr weiter. Erfreulicherweise gibt es einen Lichtblick – den Coach. 40.000 von ihnen gibt es im deutschsprachigen Raum. Sie erwirtschaften, so berichtet Erik Lindner in seinem Buch „Coaching Wahn“ einen Umsatz von 300 Millionen Euro.

Warum dieser Bedarf? Wir leben in einer Gesellschaft voller Freiheit und sind doch gefangen. Immer reden andere mit. Immer sind oder tun wir etwas nicht. Treiben wir Sport, kümmern wir uns zu wenig um Kultur. Engagieren wir uns beruflich, dann vernachlässigen wir die Familie. Pflegen wir unseren Freundeskreis, dann kommt unsere Weiterentwicklung zu kurz. In einer Welt ohne Grenzen stoßen wir an Normen, die uns zeigen, was wir alles nicht leisten.

Immer wieder müssen wir unsere Exzellenz nachweisen und die Sorge, einmal nicht mehr mithalten zu können, ist ein ständiger Begleiter. Wir werden beobachtet, getestet, begutachtet und selektioniert. Wir müssen uns entwickeln, erneuern, und über uns hinauswachsen. Alles andere heißt stagnieren.

Wenn die Beziehungen zu Freunden distanzierter werden, die Zeit für ein intensives Familienleben fehlt, die Zusammenarbeit zwischen Kollegen formalisiert ist, das gemeinsame Lernen mit dem Vorgesetzten outgesourct wird, es keine Möglichkeit gibt, ihn zu fragen und ihn nachzuahmen, wenn er keine Zeit mehr hat für Beurteilungs- und Fördergespräche, dann braucht es einen Ersatz: den Coach.

Was heißt Coaching?

Coaching ist ein persönlicher Prozess, der dazu anregt, sich weiterzuentwickeln. Die Klienten sollen blockierende Denk- und Verhaltensmuster erkennen, sich neu ausrichten und eigenständige Lösungen finden – soweit die Theorie.

Coaching hat seinen Ursprung im Sport. Der Coach arbeitet daran, die Sportler zu Spitzenleistungen zu führen, in ihnen Kräfte zu wecken, die sie weit über die üblichen Erwartungen hinaustreiben. Dabei geht es ihm nicht nur um Technik und Kondition, sondern auch um psychologische und mentale Betreuung - und dies oft auf autoritäre Weise. Nach erreichter Spitzenleistung wechseln die Sportler oft den Coach, weil sie sich aus der starren Herrschaftsbeziehung befreien und weiterkommen wollen.

Üben, wiederholen, sich steigern, körperlich und mental – irgendwann reicht‘s.

Zwischen Meister und Lehrling, zwischen Lehrer und Schüler gibt es Coaching-Gespräche, weil der eine, der besser werden möchte, durch den anderen, der über das Können verfügt, gefördert wird. Vermittelt werden handwerkliches Können, theoretisches Wissen, aber auch Meinungen, Regeln und Verhalten. Am wirksamsten geschieht dies, wenn der Lernende sich mit seinem Lehrer identifiziert. Er bewundert etwas an ihm, etwas, das er auch können oder sein möchte. Identifikation schafft aber eine Beziehung für lange Zeit. Ohne sie reicht das Lernen nicht so tief.

Auch zwischen Führungskräften und Beratern gibt es Gespräche, die etwas Neues bewirken sollen. Der Berater oder seine Firma werden sorgfältig ausgewählt, nach Kompetenz, Ansehen und Sympathie. Man definiert Ziele, bespricht eine Vorgehensweise und vereinbart  Maßnahmen, handelt Bedingungen aus und schließt ein Rahmenvertrag ab. Aber der Berater kommt von außen, eine intime Systemkenntnis hat er nicht. Das Unternehmen als lebendes System grenzt sich nach außen ab und bestimmt autonom, wie es mit Impulsen von außen umgeht. Hier ließe sich die endlose Liste der zähen Widerstände, teuren Fehlplanungen und unerwarteten Nebenwirkungen von Beratungsmaßnahmen anführen.

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