Unternehmensführung Die Gebote der Mitarbeitermotivation

Der Sozialpsychologe und Managementforscher Dieter Frey erklärt, wie Manager am besten motivieren und Kritik so anbringen, dass sie wirkt.

Dieter Frey

Herr Frey, zurzeit finden in vielen Unternehmen die meist unbeliebten Jahresgespräche statt. Wie motiviert eine gute Führungskraft ihre Mitarbeiter, sich 2012 mit voller Kraft fürs Unternehmen zu engagieren?

Frey: Eigentlich sind nur zwei Dinge wichtig. Einerseits muss sie Exzellenz vorleben und einfordern, andererseits muss sie die Mitarbeiter anständig behandeln.

Klingt einfach. Trotzdem kommen zahlreiche Studien zu dem Ergebnis, dass das Gros der Arbeitnehmer entweder überfordert, gestresst oder gelangweilt ist. Können deutsche Führungskräfte ihre Kollegen nicht motivieren?

Frey: Viele Chefs sind zumindest nicht empfindsam genug, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter zu beachten.

Warum?

Frey: Weil sie nie systematisch gelernt haben, Menschen zu führen. Ich gehe davon aus, dass jede zweite Führungskraft eine Fehlbesetzung ist – sie ist vielleicht fachlich gut, aber nicht in der Lage, Menschen zu führen, weil sie narzisstisch oder opportunistisch veranlagt ist. Also auch kein guter Kapitän, Mentor oder Coach, der sich vor, neben und hinter seine Mitarbeiter stellt. All das sollte ein guter Motivator tun.

Kann eine Führungskraft von ihren Mitarbeitern nicht erwarten, dass die genügend eigene Motivation aufbringen?

Frey: Nein. Durchgängige Motivation und Freude an der Arbeit sind Privilegien, die nur wenige genießen. Das gilt sowohl für Chefs als auch für deren Mitarbeiter. Viele Menschen sind motiviert, weil sie die Arbeit zur Sicherung ihrer Existenz brauchen. Sie benötigen Geld zum Leben und gehen deshalb arbeiten. Aber auch die Befriedigung dieses existenziellen Bedürfnisses ist ein extrinsischer, also von außen kommender Grund, jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Aber auf Dauer nur intrinsisch, also von innen motiviert, sind die wenigsten.

Wir sprechen hier doch nicht über pubertierende Schüler, sondern über erwachsene Menschen. Müssen Führungskräfte wirklich für deren gute Stimmung sorgen?

Frey: Ja, müssen sie. Sie müssen die verschiedenen Sehnsüchte und Interessen ihrer Kollegen jeden Tag aufs Neue hinterfragen – also eine Antwort darauf finden, wie Leistung und Fairness miteinander vereinbar sind. Gute Stimmung hilft dabei, aber sie reicht nicht.

Was denn noch? Regelmäßig loben?

Frey: Es ist sicher hilfreich, wenn Manager die Mitarbeiter loben – falls dieses Lob ehrlich gemeint und präzise formuliert ist. Lippenbekenntnisse können sie sich schenken. Aber auch das alleine reicht natürlich nicht. Vielmehr geht es um Wertschätzung. Die Mitarbeiter müssen nicht nur wissen, was zu tun ist – sondern sie müssen sich auch bewusst sein, dass sich ihre Anstrengungen lohnen.

Also ist Kritik tabu?

Frey: Keineswegs. Ohne Feedback gibt es keine Entwicklung und kein Wachstum, das schließt Lob genauso ein wie Kritik. Entscheidend ist aber nicht die Kritik per se, sondern die Art, in der Kritik geäußert wird.

So kritisieren Sie richtig

Wie sie Mitarbeiter motivieren können
Buchcover des Buchs 1001 Ideen von Bob Nelson
Vorspeisen in einem Luxusrestaurant
Eine Reißzwecke in einer Holztafel
Mann sortiert Bücher
Zwei Frauen stehen vor einer bunten Wand
Fisch der Sorte Dorsch
Kleine Geschenkpakete

Wie kritisiert man richtig?

Frey: Dazu ist es zunächst einmal notwendig, gemeinsam mit dem Mitarbeiter klare Ziele zu vereinbaren – und den Mitarbeiter beim Versuch, diese Ziele zu erreichen, auch zu begleiten. Wenn er dabei nicht weiterkommt oder Fehler macht, muss eine Führungskraft konsequent reagieren – aber immer so, dass es nachvollziehbar und motivierend ist, nicht destruktiv.

Eine ziemliche Gratwanderung...

Frey: ...die nur durch Vertrauen und Glaubwürdigkeit gelingt. Der Teufel steckt im sprichwörtlichen Detail, denn oft ist sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig schlecht. Was bei der einen Person wirkt, ist bei der anderen Person wirkungslos. Deshalb brauchen Führungskräfte sehr viel Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl, aber auch die Fähigkeit zur permanenten Selbstreflexion.

Lässt sich diese Selbstreflexion denn trainieren?

Frey: Teilweise. Manager sollten sich ständig selbst hinterfragen: Was kann ich noch besser machen? Was habe ich falsch gemacht? Außerdem müssen sie wachsam sein, zuhören können – und die Mitarbeiter auch dazu ermutigen, ihnen permanent Feedback zu geben.

In Arbeit
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Das klingt komplex.

Frey: Das ist es auch. Deshalb gibt es wenige wirklich beeindruckende Führungskräfte, genauso wie es nur ganz wenige Spitzentrainer im Fußball gibt. Um gleich in diesem Bild zu bleiben: Eines darf man nicht vergessen – für die Motivation ist der ganze Verein zuständig.

Wie meinen Sie das?

Frey: Auf sich allein gestellt, wäre eine einzelne Führungskraft mit der Motivation seiner Mitarbeiter überfordert. Entscheidend ist die gesamte Unternehmenskultur, die geheimen Spielregeln, welche Werte die Unternehmensspitze vorlebt. Herrscht sowohl eine Leistungskultur als auch eine von Menschenwürde, Wertschätzung und Fairness? Wenn das nicht der Fall ist, hat die Führungskraft als Einzelkämpfer praktisch kaum Chancen, ihren Mitarbeitern ein guter Motivator zu sein.

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