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Vergütung Millionen für Manager

Selbst bei kleineren Unternehmen verdienen die Vorstände inzwischen über eine Million Euro im Jahr. Das liegt unter anderem auch an den umstrittenen Pensionen.

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Viele Vorstände verdienen über eine Million Euro im Jahr - selbst bei kleineren Unternehmen. Quelle: dpa

Die Gehälter der Vorstände haben inzwischen auch jenseits der führenden Dax-Konzerne die Millionengrenze überschritten - und zwar nachhaltig. Bis auf den Technologieindex TecDax kommen Vorstandsmitglieder mühelos auf Jahresvergütungen über eine Million Euro, die Vorsitzenden ohnehin.

So verdient nach einer vergleichenden Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC und Professor Hans-Joachim Böcking von der Goethe-Universität Frankfurt ein einfaches Dax-Vorstandsmitglied im Median drei Millionen Euro, ein MDax-Manager 1,6 Millionen.

Das sind im Schnitt zwischen 55 und 60 Prozent des Gehalts ihrer Vorsitzenden. SDax-Vorstände erhalten eine Vergütung von 1,1 Millionen. TecDax-Bosse kommen auf 1,5 Millionen Euro und verdienen damit 700.000 Euro mehr als ihre restlichen Vorstandskollegen. Beim Median fallen Ausreißer nach oben oder unten nicht so ins Gewicht wie bei einer Durchschnittsberechnung.

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Platz acht: Skandinavien Quelle: dpa
Platz sieben: Beneluxländer Quelle: REUTERS
Platz sechs: Frankreich Quelle: REUTERS
Platz fünf: Italien Quelle: dpa
Platz vier: DeutschlandDie höchste Gesamtdirektvergütung unter den Top 100 der europäischen Unternehmen erreichte mit 14,4 Millionen Euro Rakesh Kapoor von Reckitt Benckiser, einem britischen Konsumgüterhersteller. Es folgten die CEOs des britischen Medienunternehmens WPP (13,3 Millionen Euro) und der Schweizer UBS Group (12,3 Millionen Euro). Auf Platz vier kam der bestbezahlte CEO eines deutschen Unternehmens: Bill McDermott bei SAP mit knapp 12,1 Millionen Euro. Daimlers Vorstandschef Dieter Zetsche, der 2015 auf den 4. Platz kam, schaffte es 2016 nicht mehr in die Top Ten. Insgesamt liegen die CEOs der deutschen Unternehmen mit einem Mediangehalt von 5,06 Millionen Euro auf dem vierten Rang. Der Median der Gesamtdirektvergütung der CEOs des DAX 30 liegt mit 4,99 Millionen Euro nur leicht unterhalb der deutschen Eurotop-Unternehmen. Quelle: REUTERS
Platz drei: Spanien Quelle: dpa
Platz zwei: Großbritannien Quelle: REUTERS

Unterhalb des Dax werden Millionengehälter für Vorstände allmählich zur Regel, lautet das Resümee der Studie. Petra Raspels von PwC sieht darin allerdings keine „ungesunde Entwicklung“. Die wachsenden Einkommen der Manager spiegelten die hohe Profitabilität der Unternehmen wider. Raspels ist deshalb auch überzeugt davon, dass die Vergütungen eines Tages sinken könnten.

Durch die variablen Anteile sei sichergestellt, dass – wenn die Gewinne irgendwann zurückgehen sollten – „auch die Vergütung wieder sinkt und die Unternehmen dann entsprechend weniger belastet werden“, sagt Raspels. Sie begründet das etwa mit dem Trend im TecDax, wo die Gehälter der Vorstände inzwischen zu zwei Dritteln aus leistungsbezogenen Boni und Tantiemen bestehen.

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In den anderen Börsensegmenten allerdings hat die Bedeutung der variablen Gehaltselemente in den letzten Jahren eher abgenommen. Feste Vergütungen wie Fixum, Nebenleistungen und Pensionsvorsorge machen bei Dax-Vorständen 43 Prozent aus, bei MDax-Kollegen 44 Prozent.


Üppige Betriebspensionen

Ein Grund für die erheblichen Unterschiede zum Technologieindex TecDax mag darin liegen, dass die Unternehmen aus den anderen Börsensegmenten mittlerweile recht üppige Betriebspensionen für ihre Vorstände finanzieren. Die entsprechenden Vorsorgeaufwendungen werden dem Jahreseinkommen zugerechnet und erreichen Anteile von bis zu 14 Prozent an der Gesamtvergütung. Im TecDax dagegen machen die Pensionen nur drei Prozent aus. Was auch daran liegt, dass von diesen meist jungen Unternehmen nur wenige überhaupt Pensionen zahlen. Das Thema ist umstritten und steht derzeit ganz oben auf der Tagesordnung von Governance-Experten.

RWE-Chefaufseher Werner Brandt plädiert für die Abschaffung der Firmenpensionen für Vorstände. Allianz-Chefaufsichtsrat Helmut Perlet ist für die Beibehaltung der traditionellen Praxis. In die Kritik geraten war diese Form der Vorsorge, weil Manager wie Daimler-Chef Dieter Zetsche inzwischen Pensionsansprüche von mehr als 40 Millionen Euro angehäuft haben.

Dabei können es sich die Vorstände durchaus leisten, selbst Altersvorsorge zu betreiben. Zetsche lag 2016 mit seiner Vergütung von 7,6 Millionen Euro für 2016 sogar noch deutlich über dem Median der PwC-Studie für Dax-CEOs von 5,6 Millionen Euro. TecDax-Chefs zum Vergleich bekommen 1,5 Millionen Euro - und finanzieren nach Steuern daraus ihre Altersversorgung.

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