VW auf Managersuche Lieber unschuldig als kompetent

In Wolfsburg ist Großreinemachen angesagt – nicht nur in der Führungsetage. Doch mit den Managern setzt VW auch Knowhow auf die Straße. Für fähige Köpfe kann das die Karrierechance sein. Sofern sie eine weiße Weste haben.

VW Golf VII car (R) and a VW Passat are loaded in a delivery tower at the plant of German carmaker Volkswagen in Wolfsburg Quelle: REUTERS

Seit Freitag steht die neue Führungsmannschaft bei Volkswagen. VW-Aufsichtsratschef Berthold Huber hat klargemacht wie es weitergeht nach dem Auffliegen der Abgas-Affäre, die Kunden, Anleger und Mitarbeiter vor den Kopf und den Autobauer in eine tiefe Krise stößt. Und die den Dax-Konzern wohl Milliarden kosten wird.

"Das Unternehmen wird sich einer konsequenten Aufarbeitung stellen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und die notwendigen Konsequenzen ableiten", versprach Huber am vergangenen Freitag. Er meint damit Beurlaubung, Rauswurf und in manchen Fällen Strafanzeige.

Das bedeutet auch einen tiefgreifenden Wandel im Volkswagen-Konzern. Nach dem Diesel-Betrug wird eine schon lange geplante Neustrukturierung, mit der VW eigentlich effizienter werden sollte, zum großen Reinemachen. Posten werden neu besetzt, Manager verlassen den Konzern. Bekannt sind bislang die großen Namen.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Vorstands-Chef Martin Winterkorn hat seinen Rücktritt erklärt. Das Präsidium des Aufsichtsrates stellte ihm dafür einen Persil-Schein aus. VW-Vertriebschef Christian Klingler verlässt den Konzern "im Zuge einer langfristig geplanten Strukturänderung und aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftsstrategie mit sofortiger Wirkung", wie es in der offiziellen Erklärung heißt. Die Chefentwickler Heinz-Jakob Neußer, Ulrich Hackenberg und Wolfgang Hatz sind wegen der Abgas-Affäre offenbar beurlaubt - und werden wohl abgelöst.

"Diese personellen Konsequenzen sind ein Signal an die Öffentlichkeit und die Medien, dass entschieden vorgegangen wird", sagt Markenexperte Holger Geißler von YouGov. "Bislang ist das Image von VW im freien Fall. Solch drastische Schritte helfen, zumindest ein Plateau zu erreichen." Der Volkswagenkonzern muss langjährige Manager auf die Straße setzen, während er technisches Verständnis, innovative Ideen und treibende Kräfte braucht, um aus der Krise zu kommen.

Der Konzern braucht also dringend neue Köpfe, die die Lücken füllen. Eigentlich müssten davon genug da sein. "Ich glaube, dass es in diesem Riesenkonzern sehr viele Manager gibt, die mit Potenzial ausgestattet sind. Das zu entdecken und zu heben, wird Aufgabe von Müller sein", sagt der bekannte Frankfurter Headhunter Heiner Thorborg.

Dem stimmt auch Richard Fudickar, Managing Partner der Personalberatung Boyden, zu. Er sagt: "Bei VW kommt es nun zum Blending of the Best", dem Wettkampf der Geeigneten also. Denn gerade in den technologischen Bereichen, in der Grundlagenentwicklung, bei Motoren und Komponenten schaue man immer zuerst nach innen. Externen fehlt schließlich sowohl das entsprechende Netzwerk als auch die Kenntnis der Unternehmenskultur. "VW analysiert ständig seine Talente wie die Top-Führungskräfte und stellt Analysen an, wen man auf welchen Positionen in einem globalen "Spielfeld" einsetzen kann. Die wissen, welche Personen vertrauenswürdig sind", so Fudickar.

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