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Weiterbildung Unternehmen ziehen sich ihre Fachkräfte selbst heran

Azubis, Mitarbeiter in Elternzeit, ältere Kollegen – für sie alle könnte sich der Fachkräftemangel als Chance erweisen, selbst im Unternehmen aufzusteigen. Quelle: imago

Wenn der Arbeitsmarkt keine Fachkräfte hergibt, müssen Unternehmen kreativ werden. Immer mehr gehen im eigenen Personalpool auf die Suche, zeigt eine neue Studie.

Fehlende Fachkräfte sind das vielbeklagte Problem von Unternehmen aller Größen. Um sie doch zu finden, lassen sich Personalexperten mittlerweile einiges einfallen. Weil auch das nicht immer hilft, greifen mehr und mehr Unternehmen auf ein altbewährtes Mittel zurück: Sie ziehen sich ihre Fachkräfte selbst heran.

Einer Studie des Marktforschungsinstituts Kantar TNS zufolge setzen fast drei Viertel (73 Prozent) der Teilnehmenden auf Weiterbildung als Instrument gegen Fachkräftemangel. Beauftragt wurde die Studie von der Studiengemeinschaft Darmstadt, befragt wurden rund 300 Personalverantwortliche in Deutschland. „Natürlich könnte man den Eindruck haben, dass Unternehmen erst jetzt die Weiterbildung wiederentdecken. Das ist aber nicht ganz so“, sagt SGD-Geschäftsführer Maziar Arsalan im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Vielmehr habe sich das Bewusstsein für die Bedeutung von Weiterbildung erweitert.

Zwischen 2011 und 2018 erhöhte sich demnach die Zahl der Unternehmen mit Personalengpässen rapide. Bei kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern sind inzwischen 51 Prozent betroffen, vor sieben Jahren waren es 38 Prozent. Bei mittleren Unternehmen erhöhte sich der Anteil der verzweifelt Suchenden von 70 auf 86 Prozent. Unter den großen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind heute 88 Prozent von Fachkräftemangel betroffen – 2011 waren es 73 Prozent. Fachkräftemangel bedeutet nicht automatisch, dass Unternehmen einfach nur mehr Mitarbeiter brauchen. Sie brauchen Mitarbeiter mit anderen Qualifikationen.

Insbesondere die mittleren und großen Unternehmen entdecken deshalb ihren eigenen Personalpool neu. 79 beziehungsweise 82 Prozent setzen auf Weiterbildung, um das Knowhow in der eigenen Belegschaft den veränderten Bedürfnissen anzupassen. „Viele gut ausgebildete Fachkräfte haben das Potenzial, sich weiterzuentwickeln – zum Meister, Fachwirt, Techniker oder beispielsweise auch im Projektmanagement“, sagt Andreas Vollmer, der pädagogische Direktor der Studiengemeinschaft. Geschäftsführer Arsalan ergänzt: „Weiterbildung ist eng verknüpft auch mit anderen Herausforderungen, mit denen Unternehmen konfrontiert sind: Es sind nicht nur Stellen zu besetzen oder neue Anforderungen zu erfüllen. Auch Bewerber fragen häufiger nach Weiterbildungsprogrammen.“

Die Auszubildenden sind eine Zielgruppe, die Unternehmen unbedingt halten und weiterqualifizieren wollen. Für 94 Prozent der befragten Personaler sind die Azubis die erste Gruppe, die gefördert werden soll. 92 Prozent setzen zudem auf Qualifizierungsmaßnahmen für vorhandene Mitarbeiter. Fast ebenso große Bedeutung hat es mit 91 Prozent, alle Mitarbeiter fachlich und persönlich weiterzubilden. Ebenfalls genannt werden Förderprojekte für Berufseinsteiger ohne Schulabschluss oder abgeschlossene Ausbildung, die Weiterbildung von Frauen und Männern in Elternzeit und von Mitarbeitern ab 55 Jahren.

Quelle: PR

Die Art und Weise, wie Weiterbildung künftig stattfinden wird, wird sich nach Ansicht von Maziar Arsalan stark verändern. Er setzt auf digitale Lernprogramme on demand, die Arbeitnehmer selbständig nutzen. „Es ist klar, dass die Motivation bei Berufstätigen für Weiterbildung mal höher und mal niedriger ausfällt. Es gibt Phasen, wo man mehr oder weniger Zeit hat, mehr oder weniger motiviert ist. Da passt sich das Modell des flexiblen Lernens an.“

Unternehmen reagieren mit großzügigeren Weiterbildungsbudgets auf die schwierige Lage am Arbeitskräftemarkt. 85 Prozent der für die vorliegende Studie befragten Personaler erwarten weiter steigende Beträge, die zur Verfügung stehen werden. Nur zehn Prozent rechnen mit sinkenden Ausgaben für Weiterbildung.

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