Werner knallhart

Pioniere als Pechvögel - Die Ersten werden die Letzten sein

Von McDonald´s bis Emmy-E-Roller-Sharing. Die Ersten mit der guten Idee sind am Ende womöglich die Verlierer. Halten Sie den Pionieren bewusst die Stange?

Bosch-Tochter Coup, E-Motorroller Quelle: dpa

Ich habe diesen McDonald´s-Film im Kino gesehen. War mir gar nicht klar, dass die McDonald-Brüder Richard und Maurice mit der guten Idee von 1948 am Ende noch nicht mal ihren eigenen Familiennamen auf ihr Restaurant schreiben durften, nur weil sie nicht geschäftstüchtig genug waren.

Ihre Idee war ja nicht der labberige Hamburger. Sondern sie hatten schlicht die Hamburger-Buden revolutioniert. Bislang wurden die oftmals vom Personal auf Tabletts ans Auto gebracht - sogar auf Rollschuhen mitunter. Ein netter, aber umständlicher Service. Die McDonald´s-Idee: Am Selbstbedienungs-Tresen bezahlen und Hamburger, Pommes und Milchshakes direkt überreicht bekommen. Fast Food auf die Spitze getrieben eben.

Das zweite große Potenzial des Konzepts aber hob erst ihr Partner Ray Kroc: Er kaufte Grundstücke und verpachtete sie an McDonald´s-Franchise-Nehmer. Motto: Ihr dürft nur dort McDonald´s sein, wo wir es erlauben. Das war der Durchbruch. Aber nicht der Stil der Brüder.

So sieht der McDonald's der Zukunft aus
McDonald’s Quelle: McDonald's
McDonald’s Quelle: McDonald's
McDonald’s Quelle: McDonald's
McDonald’s Quelle: McDonald's
McDonald’s Quelle: McDonald's
direkt an den Platz geliefert, Quelle: McDonald's
direkt an den Platz geliefert, Quelle: McDonald's
McDonald's

Am Ende verkauften die genervt die Markenrechte am eigenen Namen, wohl um ihre Ruhe zu haben. Und waren raus aus der Nummer. Selbst ihr eigenes erstes Restaurant durfte nur noch The Big M heißen. Dann aber machte Kroc ein McDonald´s gegenüber auf. Bis selbst The Big M am Ende war.

Die Idee war gut, aber ausgeschlachtet hat sie ein anderer.

Anderes Beispiel: Die Studentenbude DeinBus hat 2009 mit einer Mitfahrgemeinschaft für Fernbusse eine Klage der Deutschen Bahn provoziert und so erst den Weg geebnet für die Liberalisierung des Fernbus-Marktes 2012. Heute ist der First Cover von damals ein Nischen-Winzling. Und Konkurrenz Flixbus ist der Riese.

Statt bei Napster hören wir Musik heute bei Spotify oder Amazon Music. Blackberry hat den privaten Smartphonemarkt unterschätzt. Und mit dem schon 1994 gegründeten Yahoo googeln heute verhältnismäßig wenige, nämlich knapp 3 Prozent weltweit.

Und wegen all dem mache ich mir zum Beispiel Sorgen um Emmy. Das Start-up aus Berlin war so mutig und hat 2015 insgesamt 150 Elektro-Roller im Look einer Retro-Vespa in Berlin aufgestellt. Ausleihen kann man die per App. Wer mitmachen möchte, muss sich einmal per Video-Chat registrieren und dabei mit seinem Führerschein vor der Linse umher wackeln, damit der Emmy-Mitarbeiter das Hologramm funkeln sehen kann.

Mittlerweile hat Emmy 350 ihrer orangefarbenen E-Roller in Betrieb. Und das Konzept ist genial: keine Parkplatzsuche, keine Abgase. Zwei Helme sind in der Box am Roller untergebracht. Zu zweit durch Berlin für 19 Cent pro Minute. Das Konzept passt zur Stadt wie nur was.

Das Blöde ist nur: Es gibt einen Konkurrenten. Bosch! Mit COUP-eScooter-Sharing. Die sind weniger cool. Das geht schon beim Namen los. Wie spricht man den? Kuh oder Kupp oder Kuup?

Und ihr Auftritt ist schon fast ein bisschen affig. Ihre Kunden heißen bei denen Coupster. Autsch!

Fahrten nennen sie Rides. Aber diese Rides sind schnell billiger als Fahrten bei Emmy. Die ersten 30 Minuten kosten pauschal 3 Euro. Ab Minute 16 spart man mit Coup. Und im Schnitt kostet die Minute dann die Hälfte. Dafür ist allerdings nur ein Helm in der Box. Man braucht zu zweit also zwei Roller, die erstmal nebeneinander geparkt sein müssen.

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