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Werner Lanthaler „Manager dürfen keine Angst vor Veränderungen haben“

Krisenmanagement: Worauf kommt es in schwierigen Zeiten an? Quelle: Fotolia

Werner Lanthaler machte das Biotechunternehmen Evotec profitabel. Hier erzählt er, worauf es in der Krise ankommt.

WirtschaftsWoche: Herr Lanthaler, als Sie zu Evotec kamen, erwirtschaftete das Unternehmen hohe Verluste. War Ihr Wechsel nicht leichtsinnig?
Werner Lanthaler: Ganz im Gegenteil: Ich habe bei Evotec immer sehr großes Potenzial gesehen, auch schon bevor ich hier arbeitete.

Hatten Sie keine Bedenken, ein sinkendes Schiff zu betreten?
Nein, überhaupt nicht. Mit der Entwicklung eigener Wirkstoffkandidaten hatte das Unternehmen nicht viel Glück, aber die zugrundeliegende Wissenschaft war absolute Weltklasse.

Und warum kämpfte das Unternehmen gegen den Abstieg?
Es fehlte einerseits eine Fokussierung und andererseits ein Geschäftsmodell, das exzellente wissenschaftliche Arbeit auch dann honoriert, wenn sie mal nicht zum Erfolg führt. Wir haben daher nach Wegen gesucht, wie wir die Wirkstoffforschung vom Risiko entkoppeln, aber gleichzeitig vom Erfolg profitieren können.

Dr. Werner Lanthaler, Jahrgang 1968, ist seit März 2009 Vorstandsvorsitzender der Evotec AG.

Sie haben die Strategie geändert, die Medikamentenentwicklung gestoppt und Evotec als Dienstleister neu ausgerichtet. Inwiefern mussten Sie diesen Strategieschwenk gegen interne Widerstände verteidigen?
Als ich 2009 in den Vorstand gekommen bin, war Evotec ein Wirkstoffforschungsunternehmen – und das ist es heute auch noch. Wir haben in den Jahren nach 2009 nur das dahinterliegende Geschäftsmodell überarbeitet. Das war aber vor allem eine betriebswirtschaftliche Umstellung, unsere Mitarbeiter waren und sind aber zum allergrößten Teil Wissenschaftler. Und was einen Wissenschaftler in unserer Branche antreibt, ist vor allem die Möglichkeit, mit seiner Arbeit Patienten zu helfen. Wem das entwickelte Medikament schlussendlich gehört, ist zweitrangig, daher ist der interne Widerstand sehr übersichtlich gewesen.

Macht eine Krise solche Veränderungen vielleicht sogar leichter?
Das ist Ansichtssache. Einigen fällt es leichter, Veränderungen aus einer Position der Stärke heraus umzusetzen. Andere sagen sich: „Never touch a running system“ – und sind eher zaghaft. Meine Erfahrung ist aber, dass die Ausgangssituation weniger ausschlaggebend ist, als die Situation, die durch eine Veränderung herbeigeführt werden soll.

Das heißt: Veränderungen sind immer möglich?
Wenn Manager eine möglichst klare Vorstellung vermitteln, wohin die Reise hingehen soll - dann ja. Ob sich gegen eine Entscheidung Widerstand formiert, hängt davon ab, wie gut es den Entscheidungsträgern gelingt, die Gründe hinter ihrer Entscheidung transparent zu machen. Dazu gehört es auch, die Alternativen und ihre jeweiligen Konsequenzen zu verdeutlichen.

Rückblickend betrachtet: Worauf muss der Manager eines Unternehmens in der Krise vor allem achten?
Zunächst einmal sollte ein Manager nicht in Krisen denken, sondern auch in schwierigen Zeiten die Stärken des eigenen Unternehmens kennen und das Potenzial sehen. Das bedeutet keineswegs, blind für Risiko zu sein – es bedeutet nur, keine Angst vor Veränderungen zu haben. Angst ist ein schlechter Ratgeber, denn sie lähmt. Gerade in schwierigen Zeiten kommt es aber darauf an, zu agieren und nicht zu reagieren. Nur wer sich seine Handlungsfähigkeit bewahrt und Position bezieht, kann eine Strategie entwickeln, die auch von der Belegschaft mitgetragen wird.

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