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Werte Sieben Tugenden für den Unternehmenserfolg

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6. Tugend: Fleiß

Wenn Fabiana Trani in die Saiten ihrer Harfe greift, scheint die Welt auf wundersame Art und Weise langsamer zu werden. Doch das Spiel auf dem Instrument ist ein Knochenjob: „Harfenisten haben Hornhaut auf den Fingerkuppen“, sagt Trani. Sind diese weg, können sich Blasen bilden, das Spielen tut weh. Nur regelmäßiges Üben kann das verhindern. Mehrere Stunden täglich. Tag für Tag, Woche für Woche.

Trani ist Solo-Harfenistin der Düsseldorfer Symphoniker und Dozentin an der Robert-Schumann-Hochschule. Begonnen hat sie ihre Karriere am Konservatorium von Triest. Da lernte sie den Wert von Konsequenz und Ehrgeiz. Der Mythos vom Wunderkind ist eben nicht die ganze Wahrheit: „Natürlich braucht man Talent, aber ohne Disziplin wird es schwierig“, sagt Trani.

Fleiß führt zum Erfolg

Fleiß hilft nicht nur Harfenisten: 2015 fanden Sportökonomen der Universität Duisburg-Essen und der Sporthochschule Köln heraus: Laufleistung und Erfolg von Bundesligateams hängen zusammen. Jede 100 Meter, die sich ein Spieler mehr bewegt als sein Gegner, steigt die Siegeswahrscheinlichkeit um rund drei Prozent. Doch entscheidend ist die richtige Dosis: Mit jedem Sprint sanken die Erfolgschancen.

Fleiß bedeutet eben nicht nur puren Einsatz, sondern auch die Erfahrung, zu wissen, wann wie viel gefordert ist. Dass das zum Erfolg führt, beweisen auch die Studien der US-Psychologin Angela Duckworth. Sie hat den Begriff „grit“ (Biss) geprägt. Mit einem Team von Psychologen wertete sie 2011 die Daten von Teilnehmern eines nationalen Buchstabierwettbewerbs aus. Dabei fokussierten sich die Forscher auf jene Kinder, die mit der Methode des zielgerichteten Übens gelernt hatten.

Dabei geht es vereinfacht gesagt darum, über einen langen Zeitraum an seinen Fähigkeiten zu feilen, sich ständig zu steigern und fortwährend Feedback einzuholen. Das Ergebnis war eindeutig: Kinder, die mit dieser Methode gelernt hatten, waren erfolgreicher als andere. 2013 wiederum untersuchte Duckworth Kadetten an der US-Militärakademie West Point. Jene mit Biss hielten länger durch. Duckworth ist überzeugt:

Biss hilft nicht nur Schülern und Kadetten, sondern auch hochrangigen Führungskräften. „Topmanager müssen im Grunde wie Spitzenkünstler sehr beharrlich an ihrer Karriere arbeiten“, sagt auch Verhaltensökonom Sutter. In beiden Bereichen ginge es nicht ohne die Fähigkeit, für das Erreichen langfristiger Ziele einen ausreichend langen Atem zu haben.

7. Tugend: Geduld

Das Wort klingt passiv, nach Abwarten und Ausharren. Lieber sprechen Manager über Ungeduld als ihre größte Schwäche. Dabei wissen Experten: Auch Geduld ist wichtig, um Ziele zu erreichen. Ökonomisch betrachtet geht es um die Fähigkeit, anstelle einer kleineren Belohnung in der Gegenwart eine etwas größere in der Zukunft zu wählen. Wie wichtig das ist, zeigte schon das inzwischen berühmte Marshmallow-Experiment: In den Sechzigerjahren setzte der Wissenschaftler Walter Mischel eine Gruppe von amerikanischen Vorschulkindern vor einen Marshmallow. Die Aufgabe: Wenn die Kinder es schaffen, die Süßigkeit 20 Minuten lang nicht anzurühren, bekommen sie als Belohnung noch eine zweite klebrige Köstlichkeit. Manche Kinder konnten problemlos warten, andere wurden von der Lust auf die Süßigkeit übermannt.

Viele Jahre später besuchte der Wissenschaftler die mittlerweile Erwachsenen erneut. Und siehe da: Die Kinder, denen es gelang, durchzuhalten, haben Jahrzehnte später erfolgreichere Wege im Berufsleben eingeschlagen als jene, die eben nicht abwarten konnten.

Geduld ist also ein wichtiger Faktor in der eigenen Karriereplanung und genießt zu Unrecht einen schlechten Ruf. Und doch fällt vielen das Abwarten schwer. Laut einer Studie der Europäischen Kommission hat die lebenslange Karriere in einem Unternehmen ausgedient. Nur noch 14 Prozent der Deutschen haben ihren Arbeitgeber noch nie gewechselt. Die Mehrzahl ist zu Veränderungen bereit. 66 Prozent der Deutschen haben ihre Stelle zwischen einem und fünf Mal gewechselt.

Wer kann es ihnen verdenken? Den Wechselwilligen lockt in der Regel mehr Geld und eine bessere Position. Dass es sich dennoch lohnt, den sprichwörtlichen Spatz auf der Hand für die Taube auf dem Dach abzulehnen, zeigt eine Studie von Russell Reynolds Associates.

Die Personalberatung analysierte die Karrieren von amtierenden Vorstandsvorsitzenden weltweit. Das Ergebnis: Deutsche Spitzenpositionen werden zu 73 Prozent intern nachbesetzt. Prominente Beispiele dafür gibt es zuhauf: Lufthansa-Chef Carsten Spohr war rund 19 Jahre im Konzern, bevor er 2014 Vorstandsvorsitzender wurde. Ähnlich sieht es bei Harald Krüger von BMW oder bei Joe Kaeser von Siemens aus. Krüger fängt 1992 als Trainee bei dem Autobauer an, erst 2015 wird er an die Spitze gewählt. Kaeser blickt auf 36 Jahre im Münchner Unternehmen zurück.

Management erfordere die Balance zwischen Gelassenheit und dem Willen, etwas erreichen zu wollen, sagt Anselm Grün: „Es braucht Geduld mit anderen, aber auch mit sich selbst.“ Das wussten schon die Verfasser des Alten Testaments: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“

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