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Managergehälter Wie viel Boni braucht das Land?

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Umwälzungen bei Vergütung

Michael Frenzel Quelle: APN

Wesentliches Ziel der neuen Regularien: Die Gehaltsstrukturen in deutschen Vorstandsetagen sollen transparenter, das Salär der Top-Manager enger an die langfristige Entwicklung eines Unternehmens gekoppelt werden – in guten wie in schlechten Zeiten.

Das bedeutet im Detail, dass...

die Vergütung von Vorständen künftig in angemessenem Verhältnis zu deren Leistungen stehen muss und branchen- und landesübliche Vergütung nicht übersteigen darf.variable Vergütungsbestandteile vor allem auf der Basis langfristiger Leistung gewährt werden; für außergewöhnliche Entwicklungen soll der Aufsichtsrat eine Begrenzungsmöglichkeit vereinbaren.Aktienoptionen frühestens nach vier Jahren ausgeübt werden dürfen.der Aufsichtsrat künftig mehr Möglichkeiten hat, die Vergütung nachträglich zu reduzieren, wenn sich die Lage des Unternehmens verschlechtert.über das Gehalt eines Vorstands nicht mehr nur der Personalausschuss, sondern der gesamte Aufsichtsrat eines Unternehmens entscheidet.bei Abschluss einer Vorstands-Haftpflicht-Versicherung (D&O) Manager im Schadensfall mit in der Pflicht stehen – durch eine Selbstbeteiligung, die mindestens beim Eineinhalbfachen der jährlichen Festvergütung liegen muss.Aktionäre auf der Hauptversammlungen ein, wenn auch rechtlich unverbindliches, Votum zum System der Vorstandsvergütung abgeben dürfen.

Zu viele Boni-Exzesse

Mit dem VorstAG reagierte die Bundesregierung auf monatelange, hitzige Diskussionen um die Frage: Wie viel Boni braucht das Land? Und vor allem: welche?

Wie berechtigt diese Fragen sind, zeigt ein Blick auf die bisher gängige Praxis: Im Expresstempo waren die Bezüge der Dax-Vorstände seit 2001 gestiegen, mit großartiger Leistung hatte das nicht immer zu tun. So hat sich das Gehalt von TUI-Chef Michael Frenzel zwischen 2006 und 2008 auf rund 3,8 Millionen Euro verdoppelt – trotz verheerender Zahlen und Abschied aus dem Dax. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kassierte innerhalb von zwei Jahren knapp 150 Millionen Euro, weil er die Gewinne mit hochriskanten Optionsgeschäften kurzfristig aufblähte. Bislang allerdings wurde er auch dann nicht zur Kasse gebeten, als sich die blendenden Buchgewinne in haarsträubende reale Verluste verwandelten. Im Gegenteil: Wiedeking kassierte noch einmal 50 Millionen Euro Abfindung.

Mehr Transparenz

Die Gründe für diese Exzesse: Nach einer Untersuchung der DSW waren noch 2008 gerade mal fünf Prozent eines Vorstandsgehalts an mehrjährige Erfolgsvariablen geknüpft, 42 Prozent dagegen waren Boni, die sich am kurzfristigen Erfolg bemaßen. Viele Unternehmen blieben zudem recht vage, was die Bemessungsgrundlagen für Bonuszahlungen angeht.

In den USA herrscht mehr Transparenz: Die US-Börsenaufsicht SEC verlangt einen standardisierten Vergütungsbericht, der auf den SEC-Internet-Seiten veröffentlicht wird. Die wichtigsten Vergütungselemente für Vorstandsvorsitzenden, Finanzvorstand und die drei höchstbezahlten Manager eines Unternehmens werden dort in tabellarischer Form standardisiert abgefragt – bis hin zu Sachleistungen wie Dienstwagen oder Versicherungsbeiträgen.

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