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Managergehälter Wie viel Boni braucht das Land?

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Populistische Diskussion versachlichen

Managergehälter

Dadurch lässt sich zwar nicht jeder Exzess verhindern, wie die hohen Bonuszahlungen bei dem nur dank milliardenhoher staatlicher Stützung vor dem Konkurs geretteten Versicherer AIG zeigen. „Aber langfristig“, sagt DSW-Vergütungsexpertin Hölz, „wird da Vernunft einkehren.“

Auch in Deutschland. „Das neue Gesetz wird die teils populistische Diskussion um die Angemessenheit von Gehältern in Deutschland versachlichen“, sagt Henning Gebhardt, Fondsmanager der Fondsgesellschaft DWS. „Wichtig ist nicht die Auseinandersetzung um die absolute Höhe, sondern die leistungsorientierte Systematik dahinter.“

Neue Gehaltsstrukturen

Das zeigt auch eine Umfrage der WirtschaftsWoche unter den rund 200, in den Börsen-Indizes Dax 30, S-Dax, M-Dax- und TecDax notierten Unternehmen.

Ergebnis: Das Gros der befragten Unternehmen feilt bereits intensiv an den Details – so wie Triebwerksbauer MTU, dessen Aufsichtsrat sich in den kommenden Wochen „weiter mit der Finalisierung der Neuregelung befassen“ wird. Und auch wenn bei zahlreichen Unternehmen, darunter Stahl-Zulieferer SKW, die neue Systematik „noch nicht veröffentlichungsreif ist“: Vereinzelt werden erste Konturen einer neuen deutschen Vergütungslandschaft sichtbar.

So kündigt die Postbank an, dass sich negative Unternehmensentwicklungen „unmittelbar auf die Höhe der Vorstandsvergütung auswirken“. Keramikhersteller Villeroy & Boch wird wiederum künftig auch „die Höhe der Bezüge von Wettbewerbern“ in die Betrachtung einbeziehen. Und das Hamburger Immobilienunternehmen Alstria plant, für Boni eine absolute Obergrenze einzuführen. „Die neue Vergütungssystematik wird zeigen“, kündigt die Comdirekt-Bank an, „dass der Nachhaltigkeit ein größeres Gewicht zugeordnet wird.“

Nachhaltigkeit belohnen

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Umfrage der Unternehmensberatung Kienbaum unter 186 deutschen aktiennotierten Unternehmen. Demnach arbeitet jedes vierte Unternehmen an einer „grundlegenden Überarbeitung“ seines Vergütungssystems und hat dabei vor allem neue Regeln in Bezug auf Angemessenheit und Nachhaltigkeit der Vorstandssaläre im Blick.

Rund 75 Prozent wollen Boni erst auszahlen, wenn vereinbarte Unternehmensziele über mehrere Jahre hinweg erreicht werden. Und Boni auf Jahresbasis sind für die Mehrheit der Befragten nur noch dann legitim, wenn sie um solche langfristigen Boni ergänzt werden.

„Über praktische Fragen hinaus steht das gesamte System von Aufsichtsrat und Vorstand vor einer Neuorientierung“, sagt Alexander von Preen, Geschäftsführer der Kienbaum Management Consultants. „Nachhaltigkeit und Koppelung an die strategischen Unternehmensziele nehmen den Vorstand stärker in die Pflicht.“

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