WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Managergehälter Wie viel Boni braucht das Land?

Seite 4/4

Zweiklassengesellschaft vermeiden

Zu den Vorreitern dieser Entwicklung gehört zum Beispiel BASF. Obwohl die Bestimmungen des VorstAG nur für neu abgeschlossene oder zu verlängernde Verträge verpflichtend sind, erhielten alle Vorstände des Chemieriesen zum Jahresbeginn 2010 neue Kontrakte – um eine Zweiklassengesellschaft an der Führungsspitze zu vermeiden.

Beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport werden kurz- und mittelfristige Boni künftig anhand des operativen Ergebnisses laut EBITDA sowie der Verzinsung des eingesetzten Kapitals ermittelt. Abgerechnet wird jährlich – werden die Ziele in den Folgejahren deutlich verfehlt, müssen Vorstände bis zu 50 Prozent dieses Bonus zurückzahlen.

Kein Wohlfühl-Paragraf

Wie gut die neuen Regelungen ankommen, werden Vorstand und Aufsichtsrat am 2. Juni feststellen. Dann findet die nächste Fraport-Hauptversammlung statt – und auf der werden die Aktionäre über die neue Vergütungssystematik abstimmen. So, wie es das VorstAG seit diesem Jahr vorschreibt.

Und selbst wenn das Votum der Anteilseigner keine Rechtskraft hat: „Vergütungssysteme für Vorstände auf Hauptversammlungen zur Diskussion zu stellen, ist kein Wohlfühl-Paragraf“, sagt Joachim Kayser, Leiter des Bereichs Top-Management-Vergütung bei der Unternehmensberatung Towers Watson, „sondern ein scharfes Schwert.“

Das merkte Siemens schon im Januar, als auf der jüngsten Hauptversammlung zehn Prozent der Aktionäre die neuen Vergütungssysteme harsch kritisierten. Bei TUI verweigerten wenige Tage später gar 35 Prozent die Zustimmung in diesem Punkt.

Erfahrungen sammeln

Wohin solche Proteste führen können, zeigt ein Blick auf den britisch-niederländischen Ölmulti Shell: Auf der Hauptversammlung im Mai 2009 lehnten 60 Prozent der Aktionäre die Vergütungsregelung der Vorstände ab – der Konzern wollte Boni ausschütten, obwohl das Unternehmen die Ziele für das abgelaufene Geschäftsjahr nicht erreicht hatte. Die Folge: In einem Brief an die Anteilseigner vom 15. Februar 2010 schreibt Hans Wijers, Vorsitzender des Gehaltsausschusses des Shell-Aufsichtsrats, dass die Gehälter für die Top-Manager eingefroren und Boni künftig stärker am langfristigen Erfolg des Unternehmens ausgerichtet werden sollen.

Für die Aktionäre von Phoenix Solar ist diese Form der Einflussnahme Zukunftsmusik. Noch. „Wir müssen mit dem neuen Gehaltssystem erst Erfahrungen sammeln“, sagt Phoenix-Solar-Chef Hänel. „Aber schon auf der Hauptversammlung 2011 könnten uns unsere Aktionäre sagen, ob wir verdienen, was wir verdienen.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%