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MBA-Ausbildung "Reflexion statt Gehirnwäsche"

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Studenten in einer Quelle: dpa

Woran liegt es dann, dass manche Manager versagen?

Das hat mit Egozentrik zu tun, mit Abschottung, intellektuellem und seelischem Autismus. Mit fehlender Verantwortung für ein größeres Ganzes, das über die eigenen, aber auch die Interessen des Unternehmens hinausgeht. Es hat zu tun mit mangelnder Reflexionsfähigkeit und Selbstkritik. Sich selbst im Spiegel anzuschauen und zu sagen: Was machst du hier eigentlich und warum?

Sind das nicht eher Fragen für die Freudsche Couch als für angehende Manager?

Nein. Die Auseinandersetzung mit sich selbst ist für mich integraler Bestandteil eines umfassenden Bildungs- und Lernprozesses.

Ist es nicht vermessen, bei MBA-Studenten, die Ende 30 sind und zehn Jahre Berufserfahrung haben, zu glauben, man könne noch ethische Grundlagen legen?

Sich mit Fragen etwa der Gerechtigkeit auseinanderzusetzen, ist doch keine Frage des Alters. Dann könnte man auch nur Frauen für technische Studiengänge gewinnen, die als kleines Mädchen eine Eisenbahn geschenkt bekommen haben.

Liegt die Verantwortung für die Weiterbildung von Mitarbeitern nicht bei den Unternehmen selbst?

In der Tat haben viele Unternehmen Pädagogik, Didaktik und Inhalte ihrer Manager-Ausbildung weitestgehend an Business Schools abgegeben. Und damit auch die Verantwortung dafür.

Was wäre die Alternative?

Mit den Schulen den Disput über das dort gelehrte Theoriegebäude führen. Auch Geschäftsgebaren und institutionelles Gefüge einer Schule gehören auf den Prüfstand – also der Rekrutierungsprozesses für den Lehrkörper genauso wie die Finanzierung der Schule. Sind Fallstudien wirklich unabhängig erarbeitet oder werden sie aus Gefälligkeit erstellt? Ich muss die DNA einer Schule prüfen – wie ein Unternehmen, das eine Transformation durchmacht.

So wie die Telekom gerade...

Die Skandale des Jahres 2008 hatten sicher katalysatorische Wirkung. Wie eine Krise im klassisch griechischen Sinn: als Chance zur Läuterung.

Auch in Sachen Manager-Ausbildung?

Wir wollen unserem Führungsnachwuchs künftig mehr Raum zur Reflexion der eigenen Person geben und sie mit anderen Perspektiven konfrontieren – von der des Kunden über die des Servicetechnikers bis zu der des Theologen.

Was versprechen Sie sich davon?

Reflexion statt Gehirnwäsche. Also kein Mehr an abfragbaren Rezepturen, sondern die Fähigkeit, anders an Probleme heranzugehen: Wie gestalte ich Veränderung? Wie bescheiden und maßvoll muss Führung sein? Wie bauen wir Hierarchien ab? Wie sanktionieren wir Fehlverhalten? Das setzen wir in den kommenden sechs bis zehn Monaten um – aber nur noch mit Partnern, die unser neues Denken verstehen und beherzigen.

Also ohne Business Schools?

Wir arbeiten mit zehn der renommiertesten Business Schools zusammen, unterziehen diese Kooperationen jedes Jahr einer kritischen Prüfung – und wechseln unsere Partner im Zweifelsfall aus.  

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