Mobile Arbeitsplätze Balanceakt zwischen Zufriedenheit und Sicherheit

Die Digitalisierung sorgt auch für ganz neue Ansprüche der Mitarbeiter an den Arbeitsplatz. Mobil soll alles sein und modern. IT-Führungskräfte müssen häufig entscheiden zwischen Wettbewerbsvorteil und Sicherheit.

Zehn Zauberformeln für Mitarbeiterzufriedenheit
1. ZuhörenHören Sie ihrem Mitarbeiter einfach mal aufmerksam zu. Was sind seine Sorgen, Ängste, Nöte? Was spornt ihn an? Wo liegen seine Interessen? Welche Aufgaben übernimmt er gerne und was liegt ihm besonders am Herzen? Der Chef, der ein paar Minuten für seine Mitarbeiter opfert, wird kurz über lang Stunden zurück erhalten. Quelle: Fotolia
2. LobenStellen Sie öfter mal die positiven Ergebnisse in den Mittelpunkt und stärken damit die gewünschte Richtung. Achten Sie darauf, dass der Einsatz dieser Zutat nicht überdosiert wird und stehen Sie auch zu dem Gesagten. Wichtig ist: Die Anerkennung muss aufrichtig sein Quelle: Fotolia
3. Zeit gewährenWer den Lebensrhythmus seiner Mitarbeiter kennt, kann sie für individuelle Arbeitszeiten nutzen. Arbeitet er lieber früh oder spät? Hat er Kinder? Der Chef, der die Vorlieben und Ansprüche seiner Mitarbeiter kennt, sie wenn möglich entsprechend einsetzt, wird die Zufriedenheit steigern können. Quelle: Fotolia
4. Angemessen bezahlenSetzen Sie sich dafür ein, dass Ihre Mitarbeiter gut und gerecht bezahlt werden. Krasse Gehaltsunterschiede bei Mitarbeitern gleicher Qualifikation und mit vergleichbaren Aufgaben sorgen für unproduktive Unruhe.  Quelle: Fotolia
8. Die QualitätstrilogieDas besagt diese Theorie: Drei Schritte sind es laut Joe Juran zum Erfolg. Qualitätsplanung, Qualitätsverbesserung und Qualitätskontrolle. In der Planungsphase wird festgestellt, wer die Kunden eines Unternehmens sind und welche Bedürfnisse sie haben. Im Zug der Qualitätsverbesserung wird die Infrastruktur aufgebaut, die notwendig ist, um die Qualität des Unternehmens zu verbessern. Bei der Qualitätskontrolle wird schließlich die erbrachte Leistung im Verhältnis zu den Erwartungen beurteilt. So wenden Sie diese Theorie an: Stellen Sie ein Qualitätsteam zusammen, das Ihr Programm zur Qualitätsverbesserung vorantreibt. Diesem Team sollten Sie dann die nötigen Ressourcen, Schulungen und Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Erzielen Sie Erfolge, feiern sie diese! Und seien sie noch so klein. Quelle: Fotolia
2. Das VerhaltensgitterDas besagt die Theorie: Was bedeutet das Wort Führung eigentlich? Robert Blake und Jane Mouton haben dazu ein Verhaltensgitter erstellt. Es gibt an, wie sehr sich eine Führungskraft um die Erledigung der Aufgabe und um ihre Mitarbeiter kümmert. Ihre Führungstypen tragen schönen Namen: Der Glacéhandschuh-Manager interessiert sich weniger für die Erledigung der Aufgaben als für die sozialen Bedürfnisse seiner Kollegen. Der Befehl-Gehorsam-Manager will dagegen strikt die Aufgaben erledigen. Der Organisationsmanager sorgt sich permanent um das Wohlergehen der Mitarbeiter, will aber auch die Unternehmensziele erreichen, während der Überlebensmanager sich weder für die Kollegen noch für die Arbeit interessiert. Der Team-Manager vereint die Aufgabenerfüllung mit guten Mitarbeiterbeziehungen. Wenig überraschend: Blake und Mounton empfehlen allen Managern, letzteren Ansatz zu verwenden. So wenden Sie diese Theorie an: Nutzen Sie diese Theorie, um Ihren bevorzugten Führungsstil zu untermauern. Erkennen Sie aber auch an, dass Sie Ihren Stil anpassen können, wenn es die Umstände verlangen. Sie sind ein Team-Manager? Toll! Aber passen Sie auf, dass Sie engagiert wirken, nicht rasend oder kriecherisch. Glacéhandschuhe bringen Sie auf Dauer nicht weiter, die Arbeit ruft! Organisationsmanagement kann schön und gut sein, verprellt aber dauerhaft die Mitarbeiter. Wenn Sie sich als Überlebensmanager sehen, sind Sie entweder im falschen Unternehmen oder Sie sollten besser den Beruf wechseln.  Lange Rede , kurzer Sinn: Finden Sie Ihren Stil. Sie werden merken, dass es keinen Management-Stil gibt, der pauschal in allen Situationen funktioniert. Bleiben Sie also flexibel. Quelle: Fotolia
3. Maslows BedürfnispyramideDas besagt diese Theorie: Menschen haben Bedürfnisse, die sie erfüllen wollen. Abraham Maslows Pyramide stellt eine Hierarchie von Bedürfnissen auf, die von unten nach oben erfüllt werden müssen. Diese Ebenen lauten: Biologische Grundbedürfnisse (Nahrung, Wärme, Ruhe), Sicherheit (Gewissheit, Freiheit von Angst), Sozialbedürfnis (Zuneigung und Liebe), Anerkennung und Wertschätzung (Reputation und Respekt) und Selbstverwirklichung. Wurde eine Ebene nicht befriedigt, kann man nicht auf die nächsthöhere Ebene aufsteigen.   So wenden Sie diese Theorie an: Laut James McGrath und Bob Bates ist die Anwendung simpel: Sorgen Sie dafür, dass die Grundbedürfnisse Ihres Teams erfüllt werden. Nahrung, Wasser und eine ruhige Arbeitsumgebung können da schon einmal nicht schaden. Auch soziale Interaktion ist wichtig. In manchen Firmen kommen die Mitarbeiter freitags in legerer Kleidung – das fördert die Interaktion untereinander. Glücklich machen Sie Ihre Angestellten auch mit positivem Feedback für anspruchsvolle Aufgaben. Quelle: Fotolia

Deutschland hinkt in digitalen Vergleichen oft hinterher: Die Arbeitsplatzausstattung ist nicht so modern wie in Neuseeland, die flexiblen Arbeitsmodelle nicht so verbreitet wie in Skandinavien, die Innovationskraft nicht so groß wie in den USA. Dennoch verändert sich die Wirtschaft und damit auch der Arbeitsplatz der Deutschen. Und zwar branchenübergreifend. Selbst beim Rückversicherer Munich Re weht Silicon Valley-Luft durch die Büros: zum Meeting wählt man sich per Skype ein, viele Arbeitsplätze sind mobile, es gibt "Bring your own device". Die Mitarbeiter können also wählen, ob sie Firmenhardware oder ihre eigenen Geräte nutzen möchten.

Der "Arbeitsplatz der Zukunft" ist überall Thema - beim Rückversicherer genauso wie in der Fabrik, beim Discounter oder im Steuerbüro. Denn die Angestellten sehen es gar nicht mehr ein, von neun bis 17 Uhr an einen uralten Rechner gefesselt zu sein, während ihr gesamtes Privatleben mobil stattfindet.

Laut einer aktuellen IT-Sicherheitsstudie von VMware, einem Anbieter von Cloud-Infrastrukturlösungen, sagen 68 Prozent der befragten IT-Führungskräfte in Deutschland, dass ihre Mitarbeiter zunehmend mobile Arbeitsplätze einfordern. Für die Studie hat VMware insgesamt 1.700 IT-Entscheidungsträger und 3.500 Büroangestellte aus UK, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Italien, Schweden, Norwegen, Dänemark, Russland und dem Nahen Osten befragen lassen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die aktuelle Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC: Demnach halten sowohl die IT-Verantwortlichen als auch die Kollegen in den Büros die Modernisierung der IT-Arbeitsplätze für die wichtigste Baustelle in Unternehmen. „Any Place, Any Time“ ist heute der Anspruch an den Arbeitsplatz, heißt es in der Studie. „In den letzten Jahren wurden Investitionen in die IT-Arbeitsplatzmodernisierung immer mal wieder hinten angestellt, weil andere Dinge wichtiger waren. Hier gibt es meiner Meinung nach einen Investitionsstau“, sagt Mark Schulte, Berater bei IDC.

Besonders die junge Generation, die schon jetzt gut ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland ausmacht, fordert Veränderung. Hauptgrund für Beschwerden: Arbeiten von unterwegs oder dem Home-Office funktioniert nur eingeschränkt, weil nur gut die Hälfte der nötigen Dokumente oder Anwendungen geräte- und ortsunabhängig zu erreichen sind. Schulte: „Nur 55 Prozent der Wissensarbeiter zwischen 18 und 35 Jahren sind zufrieden mit ihrem IT-Arbeitsplatz. Bei den Babyboomern sind es dagegen 69 Prozent. Diese Generation hat ganz andere Ansprüche.“ Da sich das Verhältnis der beiden Gruppen im Arbeitsmarkt in Zukunft ändern wird, sollten Unternehmen die Bedürfnisse der jungen Generation jedoch ernst nehmen.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

In den IT-Abteilungen weiß man das - und gerät mitunter ganz schön ins Schwitzen, wie die Studie von VMware zeigt. Demnach stehen 65 Prozent der IT-Entscheider in Deutschland so sehr unter Druck stehen, Mobility-Initiativen auf den Weg zu bringen, dass sie dafür kalkulierte Sicherheitsrisiken in Kauf nehmen. Die Mehrheit der IT-Entscheider (60 Prozent) ist der Meinung, dass die Vorteile der Unternehmensmobilität potentielle Sicherheitsrisiken und damit verbundene Datenverluste rechtfertigen.

Denn die Mitarbeiter - zumindest gut 15 Prozent der Befragten - umgehen schon mal die Unternehmensleitlinien in Sachen mobiles Arbeiten, um produktiver arbeiten zu können. Um des mobilen Friedens Willen machen viele IT-Chefs dann beide Augen zu. Hinzu kommt, dass sich mehr als 22 Prozent der IT-Führungskräfte von ihrem Management unter Druck gesetzt fühlen. Sie sollen den Zugriff auf Unternehmensdaten von den mobilen Geräten der Mitarbeiter erlauben, auch wenn die Datensicherheit nicht gewährleistet ist beziehungsweise werden kann.

Der Zugriff auf Daten von mobilen Endgeräten ist der Kern des Problems: 49 Prozent der befragten IT-Entscheider gehen von einem beträchtlichen Sicherheitsrisiko aus, wenn Mitarbeiter von ihren eigenen Geräten aus arbeiten. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) sehen hierin die größte Schwachstelle für Cyber-Attacken.

Unternehmen sollten keinen Kompromiss zwischen Mobilität und Sicherheit eingehen müssen, warnt Dominic Schmidt-Rieche. Er ist bei VMware für die Leitung der Bereiche End User Computing und AirWatch für den deutschen Markt verantwortlich. „Das Management muss entscheiden, wie die Strategie aussieht – wie soll in Zukunft gearbeitet werden – und die IT muss dann mit den Fachabteilungen entscheiden, wie, also durch welche technischen Lösungen, man dorthin kommt.“ Das könne nie in einer Hauruck-Aktion erfolgen, sondern sei eine Reise. „Unternehmen stellen nicht jetzt den Hebel um, das wird sukzessive passieren.“

Die Richtung sei klar: Die Verschmelzung vom Mobile und Desktop rücke immer mehr in den Fokus, Technik werde immer nutzerfreundlicher. Schmidt-Rieche gibt ein Beispiel: „Ich kann mit einem Daumendruck Zugriff zu allen für mich notwendigen Dokumenten und Applikationen bekommen und muss mich nicht mehr für alles gesondert anmelden.“ Dafür braucht es eine entsprechende IT-Architektur. Damit können Unternehmen auf die große Nachfrage nach mobilen Arbeitsplätzen reagieren, ohne die Kontrolle über ihre IT-Sicherheitsprozesse zu verlieren.

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