WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Nachwuchssuche Fachkräftemangel wird weniger dramatisch sein

Bessere Ausbildung, schwächeres Wirtschaftswachstum und Zuwanderung dämpfen einer neuen Studie zufolge den Fachkräftemangel in Deutschland.

Der vom Prognos-Institut erstellten Untersuchung zufolge werden bundesweit bis 2020 rund 1,7 Millionen Fachkräfte fehlen, bis 2035 rund 4 Millionen. Die Vorgängerstudie aus dem Jahr 2008 hatte bis 2015 eine Lücke von 3 Millionen und bis 2030 von 5 Millionen vorhergesagt. Quelle: AP

Der von der Wirtschaft befürchtete Mangel an Fachkräften wird einer Studie zufolge weniger dramatisch ausfallen als gedacht. So lasse etwa eine stärkere Zuwanderung, bessere Ausbildung und das schwächere Wirtschaftswachstum die erwartete Lücke kleiner werden, heißt es in einer der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die am Montagvormittag in München vorgestellt werden soll.

Vorsicht vor diesen Stellenanzeigen
Die StellenbeschreibungSie bewerben sich auf eine Stelle mit Assistentenfunktion beziehungsweise eine Stelle mit enger Zusammenarbeit mit dem Management? Dann stellen Sie sich darauf ein, den anderen den Rücken freizuhalten - und mehr nicht. Quelle: Fotolia
Ihr ProfilGesucht werden Mitarbeiter, die dynamisch und flexibel, kommunikativ, teamfähig und belastbar sind. Darunter verstehen der zukünftige Arbeitgeber sowie der Bewerber im besten Fall beide gar nichts, im schlechtesten Fall komplett unterschiedliche Dinge. Der belastbare Mitarbeiter kann zwar körperlich anpacken, hält aber Stress nicht aus, die dynamische Kollegin arbeitet schnell, ist aber menschlich eine Schlaftablette, teamfähig ist der Neue nur, wenn er das Team anführen darf und so weiter. Eine gute Stellenausschreibung sagt konkret, wen sie sucht und lässt keine Mehrfachdeutungen zu. Quelle: Fotolia
EinsatzbereitschaftDer neue Mitarbeiter sollte außerdem außergewöhnlichen Einsatz mitbringen. Wer das in einer Ausschreibung so betont, verwechselt Engagement mit Überstunden und Stress. Quelle: dpa
ArbeitsweiseGefragt sind außerdem selbstständiges Arbeiten und Entscheidungsstärke. Wenn nicht gerade jemand gesucht wird, der in einem jungen Unternehmen eine neue Abteilung aufbaut, könnte diese Phrase auch bedeuten, dass es im Betrieb an eindeutigen Vorgaben mangelt und jeder zusehen muss, was und wie er arbeitet. Quelle: Fotolia
VerantwortungsbewusstseinEinen Mangel an Strukturen und Vorgaben verstecken Unternehmen auch gern hinter schwammigen Formulierungen wie "Unternehmerisches Denken gewünscht" oder "Sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen". Im schlimmsten Fall kann das bedeuten: Mach deine Arbeit, wie du denkst - aber wehe, das Ergebnis stimmt nicht. Quelle: Fotolia
ArbeitsumfeldSie bewerben sich auf eine Stelle in einem sehr dynamischen Arbeitsumfeld. Richtig klar wird auch hier nicht, was gemeint ist. Entweder herrscht bei den Mitarbeitern eine hohe Fluktuation oder Sie müssen sich täglich um neue Aufgaben kümmern. Quelle: Fotolia
GleichberechtigungIm neuen Betrieb sind alle gleichberechtigt, es herrschen flache Hierarchien. Klingt nett, kann aber auch heißen, dass niemand Verantwortung übernimmt oder sagt, wo es lang geht. Quelle: Fotolia


„Dieser Befund darf uns dennoch nicht dazu veranlassen, die Bemühungen zur Fachkräftesicherung ruhen zu lassen“, schreibt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt in der Studie. „Wir haben aktuell ein erhebliches Fachkräftedefizit. Die Studie zeigt, dass trotz aller Gegenmaßnahmen das Defizit noch steigen wird.“
Der vom Prognos-Institut erstellten Untersuchung zufolge werden bundesweit bis 2020 rund 1,7 Millionen Fachkräfte fehlen, bis 2035 rund 4 Millionen. Die Vorgängerstudie aus dem Jahr 2008 hatte bis 2015 eine Lücke von 3 Millionen und bis 2030 von 5 Millionen vorhergesagt. „Die letzte Erhebung wurde im Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs erhoben. Es gab keine Staatsschuldenkrise“, sagte vbw-Präsident Randolf Rodenstock. Nun machten sich die deutlich trüberen Aussichten deutlich bemerkbar.

Daneben zahlten sich die Anstrengungen von Wirtschaft und Politik aus. Vor allem vielen Firmen sei zu danken, sagte Rodenstock. „Sie haben über Bedarf ausgebildet. Sie haben Fachkräfte in der Krise gehalten, obwohl der Auftragsbestand dies nicht gerechtfertigt hat.“ Zudem sei die Zahl der Schulabbrecher gesunken und es gebe mehr Zuwanderung. All das haben die Lage im Vergleich zu 2008 verändert. Ein Grund, sich zurückzulehnen sei die Entwicklung aber nicht.

Die fiesesten Fragen im Vorstellungsgespräch
„Wie viele Briefkästen der Deutschen Post stehen auf den Straßen Deutschlands?“ Quelle: dpa
„Wie viele Smarties passen in einen VW-Bus?“ Quelle: dpa
„Sie steigen in den Aufzug ein und im Aufzug befindet sich der CEO. Was würden Sie ihm sagen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen?“ Quelle: REUTERS
Wenn Sie alle Wohnungen in NRW mit Parkett ausstatten wollen würden, wie viel Holz müsste im Schwarzwald abgeholzt werden?“ Quelle: dpa
„Wie viele Cappuccinos werden täglich in Manhattan verkauft?“ Quelle: dpa
„Wenn der Schokoriegel „Mars” eine Person wäre, wie wäre sie?” Quelle: dpa
Der Leiter der Lufthansa Cargo Animal Lounge, Axel Heitmann, hält am Flughafen in Frankfurt am Main einen Regenwurm aus China in seiner Hand Quelle: dpa

„Die Lücke ist weniger groß, aber immer noch beachtlich.“ Sie bremse die Konjunktur, sagte Rodenstock und erneuerte Forderungen nach bessere Arbeitsvermittlung, Fortbildung und die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Und wir müssen gerade Mädchen und Frauen früher und mehr für technische Berufe begeistern“, sagte Rodenstock. Auch in der Bildung müsse mehr getan werden. Außerdem brauche es weiter eine konstante Zuwanderung aus dem Ausland.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%