Outfitwahl Mit Jeans in die Chefetage

Kleidung verrät oft, in welcher beruflichen Liga wir spielen. Dabei kann eine coole Jeans mittlerweile genau so viel Eindruck machen wie ein teures Designerkostüm.

Das bedeuten Dresscodes für Männer
Stufe 1: Baseline Casual für MännerDie Zeiten, in denen Anzug tragen Pflicht war, sind lange vorbei. Viele Unternehmen setzen jetzt auf den „Baseline Casual“-Look. Also: Hübsche T-Shirts oder Polohemden, dunkle Jeans ohne Waschungen und geschmackvolle, nicht zu sportliche Sneaker. Aber Achtung: Folgen Sie immer der +1/-1 Regel. Sie können immer eine Stufe schicker gekleidet ins Büro kommen und am „Casual Friday“ oder zu anderen entspannteren Events auch mal eine Stufe weniger schick. Kleiden Sie sich dagegen gleich zwei Stufen schicker, wirkt das nur overdressed und überheblich. Quelle: Peek&Cloppenburg
Stufe 2: Mainstream casual für MännerAls Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtige Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look. Quelle: Peek&Cloppenburg
Business CasualHier bleibt die Jeans im Kleiderschrank, dafür darf die Krawatte raus – bei Bedarf. Grundsätzlich ist ein Anzug mit Hemd und darüber eventuell ein feiner Strickpulli absolut ausreichend. Quelle: dpa
Stufe 2: Mainstream casual für MännerAls Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtigen Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look. Quelle: Peek&Cloppenburg
Stufe 5: Boardroom attire für Männer Schick, adrett und schwarz-weiß - diese drei Schlagworte sollten bei diesem Outfit im Vordergrund stehen. Als Mann kommen Sie um einen schwarzen oder dunkelgrauen Anzug nun nicht mehr herum. Auch die Qualität spielt jetzt eine große Rolle. Weißes Hemd und unifarbene Krawatte machen das Outfit komplett. Quelle: Peek&Cloppenburg
Black Tie / Cravate NoireDamit ist keine schwarze Krawatte, sondern eine schwarze Fliege gemeint – die zum Smoking getragen wird. Quelle: REUTERS
White Tie / Cravate BlancheHier tragen Männer Frack mit weißer Fliege.  Dies ist bei besonders festlichen Anlässen wie dem Wiener Opernball angesagt. Und was ist mit den Damen? >>Das bedeuten Dresscodes für Frauen Quelle: dpa

Frank Bergmann lässt den Anzug im Schrank hängen, wann immer es geht. Doch es passiert selten, dass der auf Hemd und Stoffhose wirklich verzichten kann. Dabei waren noch vor wenigen Jahren schmuddelige Hose und Karo-Hemd an der Tagesordnung. Mit 16 Jahren stieg Bergmann ins Berufsleben ein. Sein erster Job: Dachdecker. Durch mehrere Zufälle wechselte er in die IT-Branche, arbeitete sich vom Innen- in den Außendienst hoch.

Zuerst wurde das Arbeiteroutfit gegen Jeans und Pulli getauscht. Als er seinen jetzigen Posten im Außendienst eines großen Unternehmens antrat, mussten Anzüge her. "Das war für mich ein großer Karrieresprung und ich habe mich automatisch anders gekleidet", sagt Bergmann. Es sei schließlich auch eine Frage des Respekts. Im Alltag habe er jetzt vor allem mit Menschen zu tun, die Anzüge tragen. "Da passe ich mich natürlich entsprechend an", sagt er.

Wer schick gekleidet ist, vermittelt damit,  – ob gewollt oder ungewollt - dass er mit anderen elegant gekleideten, scheinbar hochrangigeren Personen zusammenarbeitet. Die Folge: Menschen erkennen wohlmöglich, dass man selbst einen wichtigen Job haben muss und das wird schon an Kleinigkeiten deutlich: "Wenn ich zum Beispiel heute in der Bank nur schnell was erledigen möchte, reagieren die Angestellten dort offener und freundlicher",  sagt Bergmann.

So kleiden Sie sich richtig

So intuitiv wie er, wählen aber nicht alle das richtige Outfit. Als Stilberaterin hilft Sandra Stein Menschen in Kleiderfragen auf die Sprünge. In Tests mit Seminargruppen hat sie festgestellt: Bestimmte Kleidung verbinden Menschen noch immer mit konkreten Berufsbildern. So wirken Männer in Anzügen sehr formell, Frauen in Kostümen besonders geradlinig und dadurch kompetent. Automatisch werden damit Führungspositionen assoziiert. „Diesen Berufsbildern wollen meine Kunden aber auch entsprechen und durch ihre Kleidung ihre Rolle und Aufgabe im Unternehmen unterstreichen“, sagt Stein.

Die Kleidung ist ein maßgeblicher Wirkungsfaktor, einen Geschäftspartner von sich zu überzeugen. „Natürlich muss man dann auch mit inhaltlicher Kompetenz punkten. Aber wenn schon der erste Eindruck schlecht ist, bleiben dafür weder Zeit noch Gelegenheit“, erklärt die Stilberaterin.

Darauf sollten Sie beim Anzug achten

Allerdings betont sie auch, dass es einfach nur mit Anzug und Kostüm nicht getan ist. Nicht jedes formelle Outfit vermittelt gleich auch, dass der Träger in der Chefetage sitzt. Passform, Schnitt, Farbe und auch Modebewusstsein sind Faktoren, die erst wirklich Professionalität ausstrahlen. Eine wildgemusterte, zwanzig Jahre alte Krawatte sieht nicht nach beruflichem Erfolg aus. Ab 400 Euro, sagt Stein, gibt es einen guten Anzug. Für ein ganzes Outfit mit Schuhen muss man also schnell mal 700 Euro berappen. Das ist auch einer der Gründe, warum Kleidung die berufliche Liga wiederspiegelt: Formelle Anziehsachen sind bekanntlich teuer. Wer hochwertig gekleidet ist, so oft die Wahrnehmung Außenstehender, muss auch entsprechend verdienen.

Kleider machen Leute
Michelle Obama Quelle: AP
Justin Trudeau Quelle: REUTERS
Marissa Mayer Quelle: AP
Angela MerkelNote: 2 Der Dreiknopfblazer, meist von der Designerin Anna von Griesheim, ist Programm. Außer dem maßgeschneiderten Blazer verzichtet unsere Bundeskanzlerin auf sichtbaren Luxus und trägt unauffällige Handtaschen meist vom französischen Label Longchamp. Auch die Farbwahl trifft die Bundeskanzlerin mit Bedacht. Mit ihrem roten Blazer sticht sie heraus und steht für Energie. Rote Blazer sind auch in Situationen, wie bei Vorstellungsgesprächen, empfehlenswert. Der von ihr gern gewählte grüne Blazer hingegen strahlt Ruhe und Kompetenz aus. Ihr Look symbolisiert etwas sehr bodenständiges. Sie hat sich mit ihrem immer wiederkehrenden Outfit den nötigen Rahmen geschaffen, jederzeit als Stimme der Sicherheit auftreten zu können. Ein bisschen mehr Leichtigkeit würde ihr aber sicher auch bei der Auswahl des Outfits gut tun. Quelle: dpa
Bill Gates Quelle: REUTERS
Delia Fischer Quelle: Screenshot
Oliver Samwer Quelle: REUTERS

Ein Karrieresprung muss nicht immer auch mit teuren Klamotten einhergehen, wie Nadine Piechucki zeigt. Bei ihr lief es genau andersrum. Zuerst arbeitete sie in der Unternehmensberatung. Schicke Bluse und hohe Absätze waren Standard. Dann wechselte sie zu einem Stuttgarter Start-up, arbeitet mittlerweile bei Moovel als Compliance-Managerin. „Das war für mich beruflich ein großer Fortschritt, weil ich viel mehr Verantwortung habe, als früher", sagt die 27-Jährige. Die Start-up-Kultur sehe ohnehin eine ganz andere Kleidungsordnung vor. "Ich trage lässige Kleidung, meine Chefs auch. Bei uns kann man nur am Äußerlichen keineswegs eine Hierarchie erkennen," sagt Piechucki.

Auch wenn die Tendenz in großen Konzernen ins Lässigere geht, kommt ein grundlegender Stilwechsel für Frank Bergmann erst einmal nicht in Betracht. Sein nächstes Karriereziel ist ein Posten im Management. Für den Job, meint er, ist seine jetzige Kleidung schon absolut geeignet. In dieser Hinsicht hält er es also ganz mit Giorgio Armani, der einst sagte: „Man soll sich nicht für den Job kleiden, den man hat, sondern für den, den man haben möchte.“

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