Private Aktivität bei der Arbeit Facebook-Nutzer halten sich für unproduktiver

Die Auswirkung der sozialen Medien auf die Arbeit ist noch kaum erforscht. Doch jetzt zeigt eine Studie: Die Nutzer selbst fürchten, dass sie dank Facebook weniger leisten.

Facebook macht unproduktiv, glauben die Nutzer Quelle: dpa

Soziale Netzwerke machen unproduktiv. Das befürchten nicht nur besorgte Arbeitgeber, sondern offenbar auch die Nutzer selbst. Zu diesem Ergebnis kommt eine norwegische Forscherin just zu dem Zeitpunkt, da bekannt wird, dass Facebook mit einem neuen, speziell auf Unternehmen ausgerichteten Netzwerk das Arbeitsleben verändern möchte.

Die Psychologin Cecilie Schou Andreassen von der Universität Bergen in Norwegen befragte rund 11.000 norwegische Angestellte, rund die Hälfte davon in Führungspositionen. Und die berichten, sofern sie sich in der Arbeitszeit in sozialen Netzwerken tummeln, dass sie glauben, dies mache sie weniger produktiv. Es könnte also sein, dass die sozialen Netzwerke dem Wohl der Unternehmen schadeten.

So arbeitet es sich bei Google und Facebook
Bequemer zur Arbeit geht es kaum. Der Google-Shuttle holt die Mitarbeiter vor der Haustür ab und fährt sie bis zum Google-Campus nach Mountain View. Den Verkehr, der regelmäßig morgens und abends den Highway 101 zwischen San Francisco und der südlichen Bay Area verstopft, bekommt man in dem Luxus-Liner kaum mit. Stattdessen ist Arbeiten angesagt. WLAN etwa ist an Bord des Shuttles inklusive. Acht junge Kollegen der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten, die bei Handelsblatt und Wirtschaftswoche arbeiten, haben das Silicon Valley besucht. Den kompletten Report ihrer Reise finden Sie hier im Kaufhaus der Weltwirtschaft. Quelle: Sebastian Kirsch
Sonnenschirme, wohin das Auge reicht. So empfängt die Google-Zentrale am 1600 Amphitheatre Parkway in Mountain View jeden Tag ihre Mitarbeiter. Auf der Terrasse im Innenhof wird allerdings nicht nur Kaffee getrunken; hier wird auch gearbeitet. Der Hof ist einer der zentralen Treffpunkte, wichtig für den Ideenaustausch. Quelle: Sebastian Kirsch
Google sorgt sich um das Wohl der Mitarbeiter. Sport machen kann hier jeder – entweder zum Abspannen in einem der Fitness-Studios auf dem Campus. Oder aber bei der Arbeit. Die Mitarbeiterin hält mit dem Laufband Schritt, während sie ein paar Ideen in den Computer tippt. Quelle: Andreas Dörnfelder
Die Mitarbeiter von Google sollen bei der Arbeit die beste Version ihrer selbst sein, so eine Sprecherin. Und so sorgt das Unternehmen dafür, dass die Googler zwischendurch mal richtig ausspannen können. Etwa im Liegestuhl im Innenhof-Gärtchen. Das Smartphone allerdings ist immer dabei. Quelle: Andreas Dörnfelder
Damit kein Googler vergisst, wo er eigentlich arbeitet, ist das Logo der Internetfirma omnipräsent, die Corporate Identity allgegenwärtig. Und sei es nur der Fußabstreifer. Quelle: Sebastian Kirsch
Wie praktisch, dass auch die Billard-Kugeln perfekt ins Google-Design passen. Ein Spielchen zwischendurch soll den Geist beflügeln ... Quelle: Andreas Dörnfelder
Wie der große Innenhof ist auch die Kantine ein Treffpunkt. Bunt und laut geht es hier zu Stoßzeiten zu – alle wichtigen Neuigkeiten aus dem Unternehmen werden hier kommuniziert. Quelle: Sebastian Kirsch

Aber: Die in der Fachzeitschrift „Comprehensive Psychology“ veröffentlichte Studie erhebt keinen Anspruch darauf, objektive Produktivitätseinbußen feststellen zu können. Es geht nur um das Selbstbild der Angestellten. Dass diese glauben, durch Facebook-Aktivitäten unproduktiver zu werden, muss nicht bedeuten, dass sie es tatsächlich sind. Andreassen räumt selbst ein, dass die Effekte möglicherweise so gering seien, dass sie für die Unternehmen  „ohne praktische Bedeutung“ blieben.

In Arbeit
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Die private Nutzung des firmeneigenen Rechners ist in den meisten Firmen eine Grauzone. Sehr viele Angestellte tun es wohl zumindest gelegentlich. Nach existierenden Umfragen nutzen vier von fünf Büroangestellten gelegentlich soziale Medien zu privaten Zwecken. In den wenigsten Fällen wird es geahndet, sofern es nicht um Pornografie oder andere verwerfliche Aktivitäten geht. Bei Microsoft Deutschland, Bosch und einigen anderen Unternehmen sind Privataktivitäten seit einiger Zeit auch offiziell gestattet.

Erstaunlicherweise gibt es bisher kaum Studien zu den Folgen der sozialen Medien für die Arbeitsproduktivität. Objektive Daten über die Nutzung und erst recht über Produktivitätseinbußen zu sammeln, dürfte sehr schwierig sein.

In einer vorangegangenen Studie hat Andreassen immerhin schon mal einige Faktoren herausgestellt, die für eine besondere Facebook-Affinität sprechen: Männlich, jung, alleinstehend, höher gebildet, außerdem extrovertiert, eher neurotisch und weniger pflichtbewusst.

Daran kann der Arbeitgeber wenig ändern. Doch auch die Arbeitsbedingungen haben einen Einfluss auf die Netzwerknutzung, hat Andreassen festgestellt: Besonders eifrige Facebooker gaben an, dass sie von ihrer Arbeit nicht besonders herausgefordert seien.

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