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Psychologie Das Geheimnis der Autorität

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Der Mainzer Trainer Thomas Quelle: dapd

"Die einhellige Meinung ist: Tuchel weiß, was er tut", sagt Bernd Strauß, Sportpsychologe an der Universität Münster. Zumindest hat er so das Vertrauen der Spieler gewonnen: Mittelfeldmann Lewis Holtby preist seinen Chef als gelungene Kombination aus "Autorität und Menschlichkeit".

Damit stellt Tuchel gleichsam einen neuen Typus der Autoritätsperson dar. Einen, dem es gelungen ist, jene widersprüchlichen Tugenden zu vereinen, die tief in uns stecken und die in der modernen Gesellschaft heute gefragt sind – einerseits die Kraft der klaren Ansage, andererseits die Wärme der emphatischen Einbindung.

Denn ohne eine klare Autorität kann man nicht einmal eine Pavianhorde leiten: Sobald dort das Autoritätsgefüge in Unordnung gerät, geht der Stresspegel bei allen Beteiligten in die Höhe – bei den Gefolgstieren ebenso wie bei den Ranghöheren. Ähnliches wurde auch bei Menschen beobachtet.

Falsche Autorität macht krank

Ebenso schädlich wie der Autoritätsverlust ist ein Zuviel an autoritärer Härte, wie die Forscher des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit zeigten: In einem Versuch hatten sie Probanden in den Computertomografen gesteckt und Rechenaufgaben lösen lassen, die viel kniffliger waren, als es zunächst den Anschein hatte.

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    Während die Versuchspersonen knobelten, trat eine Autorität im weißen Kittel heran und setzte sie unter Druck: Ob sie nicht wüssten, dass sie hier teure Untersuchungszeit vergeudeten? Ob sie sich nicht gefälligst mehr anstrengen könnten? Prompt versagten viele. "Sozialer Stress ist der schlimmste Stress, den es gibt", sagt Andreas Meyer-Lindenberg. Wer ihm dauerhaft ausgesetzt sei, reagiere mit "chronischen Unterwerfungsreaktionen". Kurzum, falsche Autorität macht krank.

    Und so muss, wer eine Führungsposition anstrebt, stets neu die richtige Mischung aus Kompetenz und Zugewandtheit, aus Auftreten und Einbinden finden, um das Charisma zu erzeugen, das am Ende Autorität genannt wird. Wem es gelingt, diese neue Art der Autorität zu verkörpern, verspricht im Umkehrschluss ein gesünderes, ein nachhaltigeres Zusammenleben. Für sich, das sanfte Alphatier, genauso wie für seine kluge Horde.

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