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Spezialisierung ist gefragt

Seien Sie der Beste in Ihrem Thema

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Konzentrieren Sie sich auf Ihr Thema


Warum wohl ist der Philosoph Richard David Precht zum Bestsellerautor und gefragten Talk-Gast geworden? Was macht den Erfolg von Eckart von Hirschhausen aus? Oder denken Sie an Giulia Enders mit ihrem Bucherfolg „Darm mit Charme“. Sie schrieb einen Bestseller zu einem der am wenigsten erforschten Organe des menschlichen Körpers. Ihr Ziel: Darmprobleme aus der Tabuzone befreien. Das ganze verständlich formuliert. Und: Sie hat sich klar fokussiert – auf den Darm.

Erkenntnis: Werden Sie Experte in einem Thema, und sei es noch so klein. Seien Sie der Beste in Ihrem Thema. Nicht irgendein Thema. Sondern ein Thema, das zu Ihnen und Ihrer Vita wirklich passt. Das Sie mit Leidenschaft verfolgen. Konstruierte Strategien nach dem Motto „Ich rede jetzt über XY, weil das gerade angesagt ist“, führen nur zu überschaubarem Erfolg. Denn Menschen wollen in der Regel das Original. Für Sie hat die klare Fokussierung gleich zwei Vorteile:

  1. Menschen denken bei Ihrem Thema im besten Fall sofort an Sie.
  2. Sie können Ihre Energie und Leidenschaft in Ihr Thema investieren.

Spezialisierung führt zum Erfolg, bedeutet allerdings auch Verzicht. Sind Sie wirklich bereit, dass Sie sich auf ein Themengebiet beschränken? Lautet die Antwort „Ja!“, kann es weiter gehen: Lassen Sie alles weg, was von Ihrer Experten-Expertise ablenkt. Von einem Fußballer erwarten wir Erfolg auf dem Rasen und absolute Ballsicherheit. Auf einem Tennisplatz hat er nichts verloren – auf jeden Fall nicht im Profisport.

Fünf Tipps für eine erfolgreiche Spezialisierung

Wichtig auf Ihrem Spezialisierungs-Weg ist, dass Sie Ihren Standpunkt eindeutig formulieren und klar vertreten. Nichts ist schlimmer als jemand, der in seinem Buch eine starke These formuliert und im persönlichen Gespräch oder im Interview seinen eigenen Argumenten ausweicht bzw. sich widerspricht. So hat der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, unter dem Titel „Deutschland in Gefahr. Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt“ einen Bestseller mit provozierenden Thesen geschrieben. Kostprobe gefällig?

„Ich kann jeden verstehen, der sagt, dies ist überhaupt kein Rechtsstaat mehr“, oder „Die Staatsführung schert sich nicht um die Einhaltung des Rechts“. Im Prinzip ein richtiger Ansatz für einen Top-Experten. Doch dann sollte man auch liefern. So geschehen kürzlich bei Sandra Maischberger, als Wendt fast jede zugespitzte Frage der Moderatorin relativierte. Am Ende sind dann alle enttäuscht und der Status als verlässlicher Top-Experte ist gefährdet. Politisch ebenso wankelmütig sind gern auch Sigmar Gabriel und Horst Seehofer. Zu viel „Fähnchen im Wind“ schadet auf Dauer und verwässert die Marke.

Noch ein Beispiel aus der Praxis: Der Schauspieler Hannes Jaenicke engagiert sich seit vielen Jahren öffentlichkeitswirksam für Umwelt- und Tierschutz. Gerade beim Umweltschutz hat er klare Vorstellungen und persönliche Geschichten, wenn er erzählt, dass er am Filmset nie aus Kunststoffbechern trinkt und generell gegen Plastikabfall kämpft. Doch offensichtlich reichte ihm sein Themenfeld nicht mehr und so veröffentlichte er das Buch „Die große Volksverarsche“. Dort schrieb er nicht nur über Natur und Umwelt, sondern genauso kritisch unter anderem über Banken, Pharmaindustrie, Schönheit, Medien, Lebensmittel und Politik. Ein verdammt weites Feld.

Suchen Sie sich ein Thema und bleiben Sie dabei

Als Prominenter schaffte er es damit natürlich auch in eine TV-Talkshow. In diesem Fall zum Thema Gesundheit – eines der zahlreichen Kapitel aus seinem Buch. Doch der Zuschauer merkte schnell, dass der Schauspieler zwischen den gewieften Profis im Gesundheitswesen hoffnungslos überfordert war. Was folgte, war Frust auf allen Seiten: Weder er selbst, noch die Zuschauer oder die Redakteure der Sendung waren begeistert. Schade. Denn Hannes Jaenicke wollte zu viel und hat damit den Erfolg des Buches in den Schatten gestellt und seine eigene Marke verwässert.

Deshalb unser Rat: Suchen Sie sich ein Thema, in dem Sie sich besonders sicher fühlen und das bestenfalls nicht schon alle anderen beackern. Seien Sie ruhig redundant und einspurig. Das sind große Marken wie Apple oder Coca-Cola auch. Mehrspurig erwartet Ihr Publikum von Ihnen allenfalls, wenn Sie eine Lebensleistung vollbracht haben wie seinerzeit Peter Scholl-Latour oder Helmut Schmidt. Und selbst diese beiden verbindet man klar mit etwas: den einen mit Reisfeld oder Hindukusch. Denn anderen mit Zigarette und Sturmflut. Echte Marken und Top-Experten eben.

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