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Thomas Sattelberger zu Unternehmenskultur "Schmeißen Sie den CEO raus - und den Personalchef gleich mit"

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Die Digitalisierung steht und fällt mit dem Chef

Gutes Stichwort. Welche Rolle spielt der CEO in dem Prozess?
Thomas Sattelberger: CEOs, die selbst nicht digitalaffin sind und nicht digital denken, werden ihr Unternehmen nicht digitalisieren. Da hilft auch der beste CDO nicht.

Wie sieht es denn in den deutschen Führungsriegen in punkto digitale Affinität aus?
Thomas Sattelberger: Die jetzigen Konzernspitzen in Deutschland sind mehrheitlich nicht fähig, die notwendige Transformation anzustoßen und den Prozess zu begleiten. Dafür braucht es Querdenker, Menschen, die schräg im Stall stehen. Und was haben wir? Einheitsbrei: gleiche Schule, gleiche Uni, gleiche Biografie, gleicher Club. 

Fünf Typen von CDO

Was heißt das für die deutschen Konzerne?
Thomas Sattelberger: Das besagte Drittel der Dax-Konzerne braucht disruptive CEOs - und zwar von Außen. Keine Hochgedienten, sondern Ideen getriebene Vordenker. Wenn sie die nicht selbst in ihrem "Talentbiotop" produzieren können, müssen Sie die draußen  finden. 

Haben wir denn genug unentdeckte Genies da draußen, die einen Dax-Konzern führen könnten?
Patrice Barbedette: Sowohl Frankreich als auch Deutschland haben ein Bildungssystem, das kaum auf Kreativität und Mut ausgelegt ist. Trotzdem haben beide Nationen eine blühende start-up-Branche. Das Potenzial, die Kreativität ist also da. Unternehmen müssen nur bereit sein, diese kreativen Schöpfer bei sich willkommen zu heißen - und nach deren Regeln zu spielen. Diese Einstellung "Wenn du bei mir arbeitest, arbeitest du für mich" ist da Fehl am Platz.

Thomas Sattelberger: Im angelsächsischen Raum sind Unternehmen deutlich stärker bereit, aus einem Außenseiter einen CEO zu machen als in Frankreich oder Deutschland. Hier läuft vieles über inzestuöse Netzwerke. 

Okay, gut. Wir schmeißen die alten Chefs raus - und dann? 
Patrice Barbedette: Wecken Sie die Begeisterung ihrer Mitarbeiter. 

Thomas Sattelberger: Sie müssen bereit sein, Ihren Mitarbeitern mehr Verantwortung zu geben, sonst können Sie es gleich vergessen. 

Patrice Barbedette: Alle reden immer davon, wie teuer die Digitalisierung ist, dabei kostet dieser Prozess kaum Geld. Andere inspirieren, zuhören, offen sein, neugierig sein - das ist umsonst. 

Neugier und Inspiration - klingt nicht gerade nach typisch deutschen Tugenden...
Thomas Sattelberger: Gerade wir Deutschen sind sehr, sehr stolz auf unsere Ingenieurskunst. Zu Recht. Aber nur damit schaffen wir es nicht. Die Dominanz der Ingenieurstugenden und der deutsche Perfektionismus stehen der Innovationskultur im Weg. Sie können eine Maschine bis zum Exzess optimieren, aber davon verändert sich weder das Unternehmen, noch wird es innovativer. Die Unternehmen müssen reagieren, das Wasser steht ihnen schon bis zum Hals. Trotzdem quatschen sie noch, diskutieren Modelle und wägen ab, anstatt zu handeln. 

Nochmal kurz zurück zur Belegschaft: Wen braucht das zukunftsfähige Unternehmen?Programmierer, Hacker, 20-Jährige, die mit ihrem iPhone verwachsen sind? 
Patrice Barbedette: Menschen lernen voneinander, deshalb ist ein Mix so wichtig. Nicht nur aus Geschlechtern und Altersgruppen. Ein erfolgreiches Unternehmen braucht Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen, mit verschiedenem kulturellen Hintergrund, da müssen Gründer neben Ingenieuren, neben Managern sitzen. 

Haben Sie einen Tipp für Unternehmen, wie das gelingen kann?

Thomas Sattelberger: Wenn Ihr Personalchef nicht digital denkt, schmeißen Sie ihn raus.  

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