Thomas Sattelberger zu Unternehmenskultur "Schmeißen Sie den CEO raus - und den Personalchef gleich mit"

Geht es um Digitalisierung, geht es immer auch um die richtige Unternehmenskultur. Aber was heißt das? Wir haben jemanden gefragt, der ein Unternehmen digitalisiert und einen, der die Dax-Konzerne seit 40 Jahren kennt.

WirtschaftsWoche: Digitalisierung, Arbeiten 4.0 - alles dreht sich nur noch um die Veränderung des Arbeits- und Wirtschaftslebens. Kann man sich als Unternehmer oder Manager dem noch entziehen?
Patrice Barbedette: Organisationen müssen sich verändern. Wenn sie weiterhin einen Unterschied zwischen dem Privatleben ihrer Mitarbeiter und deren Arbeitsleben pflegen - das Private ist smart und mobil, das Berufliche langsam und langweilig - brauchen sie sich nicht wundern

Es geht also mehr um Kultur und Einstellung, als um Technik...
Thomas Sattelberger: Wenn ich mir die Dax 30 anschaue, sind ein Drittel der Konzerne in einem kritischen Zustand: Die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Energieversorger, Volkswagen, um nur einige zu nennen. Diese Unternehmen - und andere auch - brauchen eine radikale Veränderung - und zwar schnell.
Sie brauchen smarte Produkte, ein smartes Geschäftsmodell und smarte Prozesse. Und hier sind wir beim Thema soft skills: Mit den richtigen Leuten und der passenden Unternehmenskultur ist das natürlich einfacher. 

Zu den Personen

Herr Barbedette, Sie digitalisieren derzeit Oracle Frankreich. Wie sieht die neue Kultur bei Ihnen aus?
Patrice Barbedette: Wir haben beispielsweise in Frankreich einen Hackathon mit 400 Oracle-Mitarbeitern veranstaltet, die ihre Ideen vor professionellen Investoren pitchen durften. Und unsere Kunden waren eingeladen, vorbei zu schauen, sich anzusehen, wer bei uns arbeitet und welche Ideen unsere Mitarbeiter haben und umsetzen. Manager waren bei dieser Veranstaltung nicht zugelassen - es sei denn, sie hatten eine Idee. Dann mussten sie die aber auch vor allen pitchen.

Sie schaffen also neue Ideen vor den Augen der Kunden.
Patrice Barbedette: Es geht nicht mehr ohne eine offene Innovationskultur, Design Thinking und eine bunt gemischte Belegschaft, die ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Ideen einbringt, abteilungsübergreifend arbeitet und so eine lebendige Unternehmens-DNA kreiert. 

Hilfreiche Roboter, bunte Nachrichten, smarte Netze
Hackathon Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Hackathon - ein Format für neue Ideen Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Nur eine Minute Zeit haben die Ideengeber zu Beginn, um Mitstreiter von ihrem Projekt zu überzeugen. Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Intensives ArbeitenKapuzenpullis, dicht beklebte Laptops und Kabelsalat ließen einen Hauch von Freibeutertum durch die Verlagsgebäude wehen. Doch trotzdem ging es oft erstaunlich leise zu, zwischen Getränkeflaschen und bunten Klebezeiten wurde konzentriert und emsig gewerkelt. Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Der Hackathon fand im Foyer der Verlagsgruppe Handelsblatt statt. Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Die Präsentationen Quelle: Lea Ricking für WirtschaftsWoche
Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart Quelle: Lea Ricking für WirtschaftsWoche
Best Overall und Coremedia-Sonderpreis Quelle: Lea Ricking für WirtschaftsWoche
Virtual-Reality-Preis Quelle: Lea Ricking für WirtschaftsWoche
3M-Innovationspreis Quelle: Lea Ricking für WirtschaftsWoche
Beste Verlagsidee Quelle: Lea Ricking für WirtschaftsWoche
 Hakan Özbölük (links) und Christoph Safferling Quelle: Lea Ricking für WirtschaftsWoche
Der Ausklang auf der Dachterrasse des Verlagsgebäudes gab Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Ideen weiterzuspinnen. Quelle: Lea Ricking für WirtschaftsWoche

Thomas Sattelberger: Unternehmen müssen aufhören, nur Hardware  zu verkaufen. Sie verkaufen Ideen, Kommunikation, smarten Service  und - darin eingebettet - ein Produkt. Zudem müssen sie auch ihre menschliche Seite zeigen. Dem Mitarbeiter und dem Kunden. 

Das ist bei einem Software- und Cloudanbieter aus den USA vielleicht ein bisschen leichter als beim Maschinenbauer aus Oberschwaben...
Thomas Sattelberger: Wenn sich die deutsche Wirtschaft hier nicht beeilt, laufen wir Gefahr, schon sehr bald im Sandwich zwischen dem 'digital House USA' und dem Maschinenhaus China eingedrückt zu werden.

Patrice Barbedette: Mit der Digitalisierung ist es wie mit dem Wasser: Wenn der Druck stark genug ist, sucht es sich seinen Weg. Dabei wird es Veränderungen und Erschütterungen geben, aber Sie können das Wasser nicht aufhalten. 

Okay. Und wie kommt die neue Innovationskultur in ein traditionelles Unternehmen, ohne dass die frischen Ideen von der alten Struktur erdrückt werden? 
Thomas Sattelberger: Etablierte Konzerne müssen ihren eigenen Weg finden. Sie müssen mehr optional experimentieren: interne Innovation Labs gründen, mit Start-ups und Hochschulen zusammen arbeiten, Greenfields schaffen, ihre Organisation aufspalten wie E.On es getan hat- es gibt zig Pfade. 

Patrice Barbedette: Eine Trennung innerhalb Unternehmens in traditionelle und neue Bereiche ist meiner Meinung nach eine gute Lösung. Dafür braucht es natürlich eine starke Rückendeckung, auch finanziell, von ganz oben.

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