Trend Superfood Endlich Schluss mit miesem Essen

Mit gesunder Ernährung tun sich viele Menschen schwer - und greifen dann auf scheinbar gutes Superfood zurück. Das muss nicht sein. Denn wir haben in Deutschland mehr Wochenmärkte als sonst irgendwo in Europa.

Mit diesen Lebensmitteln überstehen Sie jede Woche
Obst und Gemüse Quelle: pilipphoto - Fotolia
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Lachs Quelle: dpa
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Die Menschen denken heutzutage offenbar nur noch in Extremen. Entweder finden sie etwas völlig beknackt oder hammermäßig. Daumen hoch oder Daumen runter, like oder dislike, dazwischen gibt es wenig bis gar nichts. Das kann man natürlich so machen. Das Problem ist bloß: Im Leben geht es nun mal nicht immer um Extreme, sondern um Balance – und zwar in jedem Bereich.

Acht Superfoods - und was sie können

Mein Bereich ist das Essen. Ich ernähre Menschen – aber nicht nur das. Seien wir ehrlich, niemand besucht meine Restaurants in Berlin, um sich einfach nur den Wanst vollzuschlagen. Das könnte man anderswo günstiger haben. Die Gäste wollen das Essen vor allem genießen. Die Realität außerhalb meiner Läden sieht leider anders aus, denn die Zeiten haben sich geändert. Woran das wohl liegt?

Der Trend kommt aus Kalifornien

Ich habe den Eindruck, vor 20 Jahren wurde auf unseren Straßen zum Beispiel weder so viel noch so aggressiv gehupt wie heute. Es gab weder Smartphones noch YouTube oder Twitter, keine mediale Dauerpräsenz. Die Menschen aßen damals hauptsächlich, um satt zu werden – und nicht um ihren Teller mit dem Handy abzufotografieren und das Bild sofort mit ihrem digitalen Freundeskreis auf Facebook zu teilen. Ich finde, der tägliche Lebens- und Überlebenskampf wurde nicht so verbissen geführt wie heute. Alles war irgendwie entspannter. Auch im Bereich der Ernährung.

Die größten Ernährungsmythen
Verlängern Chili-Schoten das Leben? Quelle: REUTERS
Schokolade Quelle: dpa
Je mehr Vitamine desto besser Quelle: dpa
Brot macht dick und ist ungesundGerade für die Verfechter kohlehydratarmer Nahrung steckt der Teufel im Brot: Es mache dick und trage sogar Mitschuld an Diabetes. Das ist so allerdings nicht richtig: Gerade Vollkornbrot (echtes Vollkornbrot, kein mit Malz eingefärbtes Weißbrot) hat sehr viel Ballaststoffe. Die sind gesund und machen satt. Außerdem liefert es verschiedene Vitamine sowie Iod, Flur, Magnesium und Zink. Quelle: dpa
"Light", "Leicht" oder "Fettarm" - das ist gut für die schlanke LinieDie Lebensmittelindustrie hat den Trend zu bewusster Ernährung entdeckt und nutzt ihn mit Fitness- und Wellness-Begriffen gezielt aus. Doch die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt: Oft werden so Lebensmittel beworben, die alles andere als kalorienarm sind. Der Verein hat das Nährwertprofil von sogenannten Fitness-Müslis, Wellness-Wasser oder Joghurt-Drinks überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass die scheinbar "gesunden" Lebensmittel Softdrinks oder Fast-Food-Snacks beim Zucker-, Salz- oder Fettgehalt oftmals in nichts nachstehen. Bei fettarmen Produkten wird der Geschmacksmangel häufig durch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, etwa Stärke und Zucker, ausgeglichen - der Kaloriengehalt unterscheidet sich kaum, ist manchmal durch den hohen Zuckergehalt sogar höher - und gesund ist das Light-Produkt noch lange nicht. Quelle: dpa
Kartoffeln machen dick Quelle: dpa
Öko-Lebensmittel sind gesünder Quelle: dpa
Gemäßigter Alkoholgenuss ist gut Quelle: dpa/dpaweb
Kochen zerstört Nährstoffe Quelle: dpa
Margarine ist besser als Butter Quelle: dpa/dpaweb
Frisches Gemüse ist besser als Tiefgekühltes Quelle: AP
Der Mensch braucht kein Fleisch Quelle: dpa
Spinat und Pilze darf man nicht aufwärmen Quelle: Fotolia
Fett ist ungesund Fett ist nicht gleich Fett. Deshalb ist diese Verallgemeinerung falsch. Olivenöl beispielsweise kann bei regelmäßigem Genuss die Konzentration an LDL-Cholesterin im Blut senken. Außerdem liefert lebensnotwendige Fettsäuren und sorgt dafür, dass bestimmte fettlösliche Vitamine aus der Nahrung überhaupt erst aufgenommen werden können. Sämtliche Langzeitstudien zeigen zudem, dass Menschen, die viel Milch und Milchprodukte konsumieren, überwiegend eine niedrige Herz-Kreislaufsterblichkeit aufweisen – niedriger als diejenigen, die weniger davon essen. Quelle: dpa

Menschen, die sich bio und öko ernährten, waren eine minimale Randgruppe, und niemand konnte ahnen, dass es deutsche Wörter wie Zeitgeist und über (allerdings ohne Pünktchen) in die englische Sprache schaffen würden.

Doch eines gab es damals schon. Ein Fleckchen Erde, an dem die Menschen seltsames Essen verspeisten. In einer Enklave, die bis zum heutigen Tag viele weltweite Ernährungstrends setzt – Kalifornien. Angeblich essen die Menschen in keinem anderen US-Bundesstaat so viel Gemüse. Vielleicht liegt es daran, dass die Lebensweise der Region bemerkenswert offen ist und frei, geprägt von visionären Entwicklungen, vor allem in technologischer, aber auch in kulinarischer Sicht.

Wer isst was? - Vegetarismus

Dort entstand bereits vor Jahren der Trend zu lokalen Wochenmärkten – mit einem Sexappeal, den weiterhin leider kein deutscher Marktstand ausstrahlt. Auf den sogenannten Farmer Markets tummeln sich heute trendbewusste Normalos Seite an Seite mit Hollywoodstars und Profisportlern. Davon will nun selbst ein Konzern profitieren, der mit gesunder Ernährung bislang nicht allzu viel zu tun hatte. Der Burger-Riese McDonald’s serviert seinen Kunden in den USA seit einigen Monaten Frühstücksgerichte mit Grünkohl und Spinat. Na dann: Guten Appetit!

Deutschland neigt auch beim Essen zu Extremen

Doch auch der Trend zur vegetarischen Ernährung, zu Smoothies und Streetfood – all das entstand in Kalifornien, Jahre bevor wir in Deutschland davon hörten. Und was passierte? Wir haben diese Trends übernommen – wogegen prinzipiell ja erst mal nichts einzuwenden ist. Aber auch hier setzen sich anscheinend wieder Extreme durch.

Wer isst was? - Veganismus

Die gut Informierten unter uns gehen seit ein paar Jahren in Biosupermärkte, nirgends in Europa gibt es so viele wie in Berlin. Und selbst die Drogeriekette dm bietet deutschlandweit auf mehreren Metern Lebensmittel an, die damit endgültig im Mainstream angekommen sind: Superfoods. Eingerührt ins morgendliche Müsli, den nachmittäglichen Smoothie oder das ganztägige Wasser, sollen sie uns die nötige Energie liefern. Aber nicht nur das: Diese Lebensmittel haben offenbar magische Kräfte. Sie können angeblich gleichzeitig Stress abbauen, den Körper entgiften oder das Immunsystem stärken.

„Optimal für einen modernen Lebensstil!“, behauptet dm. Super Marketingtrick! Behaupte ich.

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