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15 Jahre nach dem PISA-Schock Schulsystem wieder auf PISA-Prüfstand

Wie gut sind unsere Schüler? Die PISA-Studie dürfte die Stärken und Schwächen des deutschen Bildungssystems wieder schonungslos offenlegen. Vor 15 Jahren wurde das Land schon einmal ordentlich durchgerüttelt.

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Die Länder mit der höchsten Akademikerquote
Platz 10: IrlandBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 39,7 ProzentIm Jahr 2012 haben knapp 40 Prozent der Iren zwischen 25 und 64 Jahren eine universitäre Ausbildung. Das resümiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (kurz: OECD) in ihrem Bildungsbericht 2014. Deutschland hingegen schafft es nicht unter die Top Ten: Nur 28 Prozent haben einen Tertiärabschluss – also ein abgeschlossenes Studium oder einen Meister. Der OECD-Durchschnitt liegt dagegen bei knapp 33 Prozent. Quelle: AP
Platz 9: NeuseelandBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 40,6 ProzentDie weltweite Finanzkrise hat sich in Neuseeland nicht wirklich bemerkbar gemacht: Während die Zahl der Studenten in vielen Industriestaaten zwischen 2008 und 2011 zurückgegangen ist, steigt sie in Neuseeland weiter an und liegt bei knapp 41 Prozent. Im Jahr 2011 investieren neuseeländische Studenten im Durchschnitt knapp 11.000 US-Dollar in ihre Hochschulausbildung. Quelle: dpa
Platz 8: GroßbritannienBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 41,0 ProzentA-Level-Studentin Tabitha Jackson (r.) freut sich mit ihren Kommilitoninnen über ihren Abschluss am Brighton College. 41 Prozent der britischen Bevölkerung hat einen Hochschulabschluss. Ein Studienjahr in Großbritannien kostet rund 16.000 US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 7: AustralienBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 41,3 ProzentEin Surfer springt mit seinem Brett in die Wellen vor Sydney. Auch „Down Under“ hat eine gut qualifizierte Bevölkerung, die deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt: 41,3 Prozent der Erwachsenen haben einen Universitätsabschluss. Pro Jahr muss ein australischer Student etwa 16.000 US-Dollar für seine Ausbildung zahlen. Quelle: AP
Platz 6: KoreaBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 41,7 ProzentJunge koreanische Studentinnen feiern ihren Abschluss an der privaten Sookmyung Universität in Seoul. In Korea haben 41,7 Prozent der erwachsenen Bürger einen Hochschulabschluss. Ein Studienjahr kostet knapp 10.000 US-Dollar. Quelle: dpa
Platz 5: USABevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 43,1 ProzentVon allen 30 untersuchten Staaten ist ein Studium in den USA am teuersten: Rund 26.000 US-Dollar muss ein Student dort pro Jahr an einer Universität zahlen. Dennoch kann fast jeder zweite Erwachsene einen Hochschulabschluss vorweisen. Auf diesem Foto ist der Campus der Georgetown University in Washington zu sehen. Quelle: AP
Platz 4: IsraelBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 46,4 ProzentDieses Bild zeigt die israelische Universität Beerscheva, die auch als Ben-Gurion University of the Negev bekannt ist. Auch Israels Bevölkerung ist mit einem Anteil von 46,4 Prozent Hochschulabsolventen überdurchschnittlich gut ausgebildet. Pro Jahr investiert ein israelischer Student im Durchschnitt knapp 12.000 US-Dollar in seine Ausbildung. Quelle: dpa

Der „PISA-Schock“ sitzt vielen Eltern, Lehrern und Bildungspolitikern bis heute in den Gliedern. Bei der Premiere der großen OECD-Schulvergleichsstudie zu Mathematik, Naturwissenschaften sowie Lese- und Textverständnis erlebten Deutschlands 15-Jährige 2001 ein Fiasko, das mit den damals noch miesen Ergebnissen des Fußball-Nationalteams vergleichbar war. Danach ging es auch bei PISA zaghaft, aber stetig bergauf. Doch vor der nächsten Präsentation am Nikolaustag gibt es Warnsignale.

Pisa die Sechste - Am Dienstag stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aktuelle Ergebnisse vor. 10.000 Mädchen und Jungen aus Deutschland starteten im Mai 2015 von einem soliden Platz im oberen Mittelfeld in die Tests. Die Bildungspolitik hatte aus dem Debakel gelernt und bis zur Studie von 2012 Reformen umgesetzt. „In den ersten Jahren nach dem PISA-Schock ist unglaublich viel in Bewegung gekommen in Deutschland“, lobt OECD-Chefkoordinator Andreas Schleicher. „Insgesamt hat diese Dynamik das Land wirklich nach vorn gebracht.“

Längst bezweifelt niemand mehr, dass PISA die deutsche Schulpolitik aus dem Tiefschlaf geweckt hat. „Davor haben wir uns zur Qualität unseres Bildungssystems doch jahrelang in die Tasche gelogen“, sagt Heinz-Peter Meidinger, Chef der Lehrergewerkschaft Deutscher Philologenverband. Zwar gab es Zweifel an der OECD-Testmethodik, und moniert wurde auch, dass sich die Studie zu sehr auf den Nutzwert von Schule etwa für den Arbeitsmarkt fokussiere. Die Kultusministerkonferenz der 16 Länder (KMK) rückte von PISA-E (einer regionalisierten Vergleichstest-Aufschlüsselung) ab, blieb aber ansonsten im OECD-Boot.

Die schwachen Test-Leistungen vor 15 Jahren waren hochnotpeinlich. Die soziale Kluft im deutschen Bildungssystem indes musste jeden tief schmerzen, der sich Chancengerechtigkeit in einer demokratischen Gesellschaft auf die Fahnen schreibt. Bis heute ist das Land trotz Milliardenausgaben für seine Schulen nicht so weit wie erwünscht. Die Studie „TIMSS 2015“ zu Viertklässlern zeigte soeben: Es gibt hier im internationalen Vergleich zu viele „Risikoschüler“ aus bildungsfernen Elternhäusern, die früh den Anschluss verlieren; es finden sich zu wenige Leistungsstarke; Kinder von Migranten haben oft massive Probleme, im Unterricht mitzuhalten.

Einen neuen „PISA-Schock“ werde es nach 15 Reform-Jahren gleichwohl nicht mehr geben, da sind sich die Experten auch nach einigen neueren, wenig berauschenden Studien einig. Philologenverbands-Chef Meidinger erwartet für Dienstag „weder einen jähen Absturz noch einen überraschenden Höhenflug“. Die Fachpolitiker aus Bund und Ländern betonen, dass neue Pläne und Programme in der Schublade liegen. Man fühlt sich - bei aller Unzufriedenheit mit den fortbestehenden Mängeln - insgesamt ganz gut gewappnet. Doch TIMSS-Leiter Wilfried Bos sagt, man dürfe in Deutschland durchaus wieder „Angst haben, abgehängt zu werden“.

Vor nachlassender Reformdynamik warnt schon länger Andreas Schleicher. Hierzulande sei der Schwung eher abgeflaut. Mit Bildungsinvestitionen von 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liege Deutschland unter dem OECD-Schnitt (4,8). Schleicher verweist gern auf asiatische Länder, wo weitsichtige Politiker, tolle Lehrer und motivierte Schüler Erfolgsgeschichten schrieben. Auf der anderen Seite stehe Frankreich noch vor „deutlich größeren Herausforderungen“, sagt der Hamburger OECD-Statistiker angesichts bisheriger PISA-Desaster des Nachbarlandes. Schleichers Credo: „PISA spiegelt wider, was im Klassenzimmer passiert. Die Länder, die viel getan haben, sehen verbesserte Leistungen - und die Länder, wo wenig passiert, die sehen auch wenig Gutes.“

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