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33.000 Top-Jobs Unternehmen suchen so viele Spitzenkräfte wie nie

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71 Prozent der Unternehmern Quelle: dpa

Auch in den Köpfen der Beschäftigten ist der Aufschwung angekommen. Jeder Zweite ist derzeit der Meinung, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt in diesem Jahr weiter verbessert, ergab in der vorvergangenen Woche eine Umfrage der Online-Stellenbörse Stepstone unter 5000 Fach- und Führungskräften. Nur 18 Prozent der Befragten erwarten, dass es in diesem Jahr schwieriger werde als im Vorjahr, eine Stelle zu finden.

Qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter hätten „exzellente Chancen für den nächsten Karriereschritt“, sagte Stepstone-Geschäftsführer Frank Hensgens. Damit sind die Deutschen sogar optimistischer als ihre Nachbarn. Nur die Schweden schätzen ihre Jobchancen noch besser ein.

Klar ist auch: In guten Zeiten steigt die Bereitschaft, sich nach einem neuen Job umzusehen. Wissenschaftler der Universitäten Frankfurt am Main und Bamberg erkundigten sich vor Kurzem bei 10.000 Deutschen nach ihrer Wechselbereitschaft. Ergebnis: 62,7 Prozent der Arbeitnehmer planen, sich in nächster Zeit nach einer neuen Stelle umsehen. Jeder Dritte will sogar seinen Arbeitsvertrag kündigen.

Vor einem solchen Schritt aber lohnt insbesondere der Blick auf Arbeitgeber, die nicht an der Börse notiert sind. Die beiden Wirtschaftsprüfer Ernst & Young und PricewaterhouseCoopers beispielsweise suchen jeweils 1200 neue Mitarbeiter, genauso wie Robert Bosch in Stuttgart. Und der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen, der in diesem Jahr mit einem Umsatzwachstum von zehn Prozent rechnet, braucht 1250 neue Mitarbeiter.

Der ZF-Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Härter macht sich keine Sorgen, genügend qualifizierte Mitarbeiter in die Kleinstadt am Bodensee locken zu können: „Bei einem High-Tech-Unternehmen zu arbeiten – noch dazu in einer Region, wo andere Menschen Urlaub machen – ist auch für Top-Talente und angehende Führungskräfte reizvoll“, ist er überzeugt.

Ohne Eigeninitiative geht es nicht

Doch es ist nicht nur die Zahl von 33.000 Top-Jobs, die Hoffnung macht. Eine ähnliche Umfrage startete die WirtschaftsWoche bereits dreimal. Anfang 2010 gab es doppelt so viele Praktikantenplätze wie feste Stellen, jetzt liegen beide etwa gleich auf. Mit der Krise verabschiedet sich offenbar auch die Generation Praktikum.

So rosig die Zeiten zweifelsohne sind – ganz ohne Eigeninitiative und Engagement geht es auch in diesem Jahr nicht. Wer seinen Traumjob ergattern will, braucht mehr als einen guten Hochschulabschluss und eine Handvoll Praktikumszeugnisse. Auch sollten sich Bewerber bei der Suche nicht bloß auf die üblichen Stellenanzeigen und Online-Jobbörsen verlassen. Passende Stellen werden heute auf anderen Wegen gefunden – insbesondere durch den Boom der sozialen Netzwerke.

71 Prozent der Unternehmen nutzen die Social-Media-Plattformen bereits gezielt für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter, fand der Personalmanagement-Professor Thorsten Petry von der Wiesbaden Business School im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Online-Personalberater Talential heraus.

Vor allem Facebook boomt als digitaler Vermarktungskanal. So macht dort beispielsweise der Maschinenbaukonzern MAN deutlich, dass vor allem„Persönlichkeiten gesucht“ werden, BMW und die Lufthansa bieten auf ihren Facebook-Karriereseiten potenziellen Mitarbeitern gleich eine Jobbörse und beantworten Fragen zu Bewerbungsverfahren.

Die Tatsache, dass die Unternehmen immer stärker im Web vertreten sind, lässt sich freilich auch noch anders nutzen. So wie im Fall von Michael van Laar.

Der 32-Jährige erhielt Ende Januar von seinem damaligen Vorgesetzten seine Kündigung – an einem Freitag. Van Laar ist jedoch nicht der Typ, der lange zaudert. Stattdessen schrieb er Dutzende von Kontakten beim sozialen Netzwerk Xing an, außerdem postete er die Nachricht bei Facebook und Twitter.

Es dauerte nicht lange, bis ihm enge Freunde und entfernte Bekannte Tipps und Kontaktadressen lieferten. Einer gab ihm den Hinweis, dass die Münchner PR-Agentur Talkabout noch einen neuen Mitarbeiter sucht.

Deren Geschäftsführer Mirko Lange hatte van Laar zwar noch nie persönlich getroffen, kannte ihn aber über das Internet. Einen Tag nach seiner Kündigung verabredeten sich die beiden im Facebook-Chat, am nächsten Montag trafen sie sich persönlich. Zwei Tage später bekam van Laar die Zusage.

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