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Achtsamkeit Meditieren reduziert Stress und steigert die Produktivität

Das Silicon Valley meditiert: Die Techies haben erkannt, dass Stress und Leistungsdruck der Mitarbeiter auch Sache der Unternehmen sind. Sie schicken ihre Leute zum Meditationskurs. Das könnte auch den Deutschen helfen.

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Für mehr Achtsamkeit im Alltag
Meditieren ist nicht nur etwas für Esoteriker, sondern auch bei deutschen Führungskräften ein wichtiges Thema. Gemeinsam mit "Year of the X" hat die WirtschaftsWoche im Zen-Kloster Buchenberg im Allgäu ein Retreat organisiert und Führungskräfte, Neurowissenschaftler sowie buddhistische Mönche eingeladen, um der Frage nachzugehen, wie ein achtsames Leben aussehen kann. Der Name der Veranstaltung: "Mindful leadership in the digital age". Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche
Viele Menschen sind - gerade im Beruf - überfordert durch fast unzählige Kommunikationskanäle. Aus dem Leben wegzudenken sind diese aber auch nicht, vielfach erleichtern sie sogar das Alltagsleben. Obwohl sie doch ständig “on” sind, fühlen sich viele Leader und Mitarbeiter in Unternehmen wenig “connected”, berichten über Sinnkrisen und suchen nach neuen Ufern für ihre Selbstentfaltung. Burnouts, gescheiterte Familien, fruchtlose Meetings und “low energy” sind die Symptome des digitalen Zeitalters. Zeit, sich wieder auf sich und sein Leben zu besinnen... Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche
... etwa beim gemeinsamen Meditieren - morgens um 5.30 Uhr. 25 Minuten dauert eine Meditationsrunde in der Regel - insgesamt drei stehen morgens an, meist verbunden mit einer Teezeremonie. Menschen, die sich für bis zu drei Monate in das Kloster zurückziehen, folgen einem strikten Tagesablauf, der aus Meditieren, Vieraugengesprächen mit dem Zen-Meister, Arbeit, Essen und Sport besteht. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche
Zen-Meister im Daishin Zen Kloster ist Hinnerk Polenski, der von einem japanischen Meister ausgebildet wurde. Er leitet das Haus im Allgäu und bietet dort verschiedene Seminare für Anfänger und Fortgeschrittene an. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche
Aber nicht nur die persönliche Einkehr stand beim "Mindful leadership in the digital age" auf dem Programm, sondern auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Themen Achtsamkeit und neurowissenschaftlichen Betrachtungen. So sprach etwa WirtschaftsWoche-Herausgeberin Miriam Meckel über das Gehirn als Produktivitätsfaktor der Zukunft - und zeigte dabei, wie die Hirnleistung mit Medizin und Technik bereits heute gesteigert werden kann. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche
Der Neurowissenschaftler Antonio Chevez zeigte live, wie sich die Aktivitäten des Gehirns verändern, sobald sogenannte Alphawellen eingesetzt werden. Diese reduzieren den Stress, dem unser Gehirn ständig ausgesetzt ist, weil es alle Arten von Reizen verarbeiten muss. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche
Über Kopfhörer spielte Chevez der Versuchsperson Alphawellen vor. Schon nach wenigen Sekunden veränderte sich die Gehirnaktivität, wie auf den Bildschirmen im Hintergrund zu sehen ist. Nach einigen Minuten wechselte die Farbe von rot zu grün. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

„Kinder, wenn ihr alt werden und lange gesund bleiben wollt, lernt! Seid neugierig, experimentiert, macht Fehler – aber hört nicht auf zu lernen.“ Mit diesem Satz beendete mein damals fast 70-jähriger, vor Agilität strotzender Haustechnikprofessor seine Vorlesungen. Was haben wir ihn karikiert, imitiert und unsere Witze darüber gemacht.

Heute - 25 Jahre später - denke ich, es war vielleicht der wichtigste Satz des gesamten Studiums. Er ist aktueller denn je, denn genau diese Eigenschaften innerer Haltung benötigen wir für den Prozess der Digitalisierung: Offene Neugierde, Mut zu experimentieren, Fehler zu machen, daraus zu lernen und Wandel zu gestalten.

Dieses Fehler machen, das Experimentieren und die Geschwindigkeit, in der wir leben und arbeiten, verlangen uns aber auch viel ab. Und so hat sich beinahe schleichend eine Gegenbewegung gegen Stress und Arbeitsdruck etabliert: Im Silicon Valley geben sich Digitalisierung und Meditation bereits seit Jahren die Hand.

Zur Autorin

In der Tech-Schmiede meditieren so viele Menschen und Firmen, dass man inzwischen von einer Achtsamkeitsbewegung spricht. Darunter Unternehmen wie Google, Microsoft, Facebook und Co. Es funktioniert, weil die neue Bewegung auf eine Unternehmenskultur trifft, die eine offene, experimentierfreudige, lernbereite und mutige Lebenseinstellung fördert.

Den amerikanischen Unternehmen, die Meditation für ihre Mitarbeiter einsetzen, geht es um erfolgreiches Arbeiten, um inneres Wachstum, Zufriedenheit und ein Gleichgewicht von persönlicher und betrieblicher Entwicklung. Dies zeigen die Beiträge der Wisdom 2.0 Conference, die Ende Februar 2015 in San Francisco stattfand und sich genau mit dieser Thematik befasste.

In Deutschland sind die positiven Effekte von Meditation auf die Produktivität und die Innovationskraft noch wenig bekannt. „Zum Ein- und Ausatmen haben wir jetzt keine Zeit“, heißt es immer wieder. Arbeitgeber sollten dennoch versuchen, einen Weg finden, den Stress ihrer Angestellten zu reduzieren. Denn der steigt mit jedem Jahr weiter an, weil mit der zunehmenden Digitalisierung auch das Arbeitspensum und die Arbeitsdichte steigen. Rund 61 Prozent aller Arbeitnehmer sind laut TK Stressreport 2016 gestresster als noch vor drei Jahren. Vor allem die ständige Erreichbarkeit macht einen großen Teil der Mehrbelastung aus.

Die Folgen sind auch für Arbeitgeber nicht zu ignorieren: 33 Prozent brauchen regelmäßige Behandlung aufgrund chronischer Erkrankungen und 21 Prozent der Gestressten leiden an Depression.

Der Kostendruck, der durch Krankheiten erzeugt wird, beschleunigt gerade auch in Deutschland die Einführung von Achtsamkeitsseminaren und Meditationskursen in Unternehmen. Rückenschule allein genügt heute nicht mehr, um Mitarbeiter ein Arbeitsleben lang fit und gesund zu erhalten.

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