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Adam Grant Helfen macht erfolgreich

Der amerikanische Psychologe Adam Grant hilft seinen Mitmenschen ohne Gegenleistung. Entgegen der landläufigen Meinung glaubt er, dass das Geben die Menschen erfolgreicher macht.

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Adam Grant Quelle: Michael Kamber

Adam Grant ist ein Gutmensch. Wann immer er kann, versucht er anderen Leuten zu helfen. Das kostet ihn viel Zeit, doch Grant ist überzeugt: Das Geben macht ihn erfolgreich. 30 Stunden wendet er pro Woche dafür auf. Grant ist Professor für Psychologie an der Wharton School der Universität von Pennsylvania. Fast jeden Abend verbringt der 32-Jährige damit, auf die hunderten Emails zu antworten, die er jede Woche bekommt. Für seine Frau und die zwei Kinder bleiben neben Vorlesungen, Vorträgen und Interviews nur noch ausgewählte Zeitfenster: Darüber gebe es aber keinen Streit, sagt Grant, nach einer Stunde würde er seine Frau sowieso langweilen. Ein Gespräch mit einem resoluten Tiefstapler und überzeugten Altruisten.

WirtschaftsWoche: Herr Grant, was war ihre letzte gute Tat?

Grant: Ich habe einigen meiner Studenten geholfen einen Job zu finden. Bei der Jobsuche, ich glaube da helfe ich am meisten.

Und was haben Sie dafür bekommen?

Ein “Danke” bekomme ich immer. Und mehr erwarte ich in einem solchen Moment auch gar nicht. Ich bin weniger berechnend als die meisten Menschen. Ich frage mich nicht, was gebe ich jemandem und was bekomme ich im Gegenzug dafür. Ich frage mich stattdessen: Kostet es mich weniger als es meinem Gegenüber bringt.

Man könnte auch sagen: Sie lassen sich ausnutzen…

Natürlich besteht die Gefahr, dass man ausgenutzt wird. Davor hat mich meine Mutter schon als kleiner Junge gewarnt. Sie war davon überzeugt, dass ich einen Hang zum Altruisten habe. Andere Kinder haben sich mit ihren Geschwistern gestritten, ich war der große Bruder, der versucht hat ihnen zu helfen. Seit mein Buch in den USA veröffentlicht ist, bekomme ich unendlich viele Emails von Menschen, die mich um Hilfe bitten. Ich antworte wahrlich nicht mehr allen, nicht wenige fragen sogar, ob ich ihnen helfen kann, Millionär zu werden.

Können Sie nicht helfen? Sie schreiben doch, Leute die geben sind erfolgreicher.

Erfolgreich zu sein, heißt ja nicht unbedingt Millionär zu sein, möglichst viel Macht oder Geld anzuhäufen. Erfolg ist viel mehr: Es heißt, die eigenen Ziele so zu erreichen, dass sie auch anderen nutzen.

Das Verhältnis zwischen Geben und Nehmen muss stimmen

Der Gebende wird der Gewinner sein
Adam Grant ist der jüngste Professor an der Wharton School in Philadelphia: In seinem neuesten Buch sagt er, dass es drei Schubladen gebe, um das Verhalten der Berufstätigen zu erfassen: die Nehmenden, die Vergleichenden und die Gebenden. Quelle: Fotolia
Eine Typologie, die auch andere Wissenschaftler erforschen. Obwohl die Gebenden häufig ganz unten auf der Karriereleiter stehen, und Nehmende und Vergleichende sich eher im Mittelfeld tummeln, so dominieren sie doch auch die Spitze der Karriere. Quelle: Fotolia
Noch etwas macht die Gebenden zu den Gewinnern: ihre Art, zu handeln. Sie sprechen auch über ihre Schwächen und versuchen nicht allein ihre eigenen Interessen durchzudrücken. Obwohl es ihre Verhandlungsposition schwächen kann, steigert es auch ihren Ruf. Denn sie sind ehrlich - und lügen nicht über Dinge, die sie vielleicht doch nicht können. Quelle: Fotolia
Mit Gebenden, so Grant, könne leichter zusammengearbeitet werden: Durch ihre Empathie sind sie in der Lage, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen und auch auf dessen Wohl zu achten. Sie denken einfach an alle. Quelle: Fotolia
Während Nehmende wenig auf die Fähigkeiten anderer vertrauen, haben Nehmende ein Urvertrauen, das dazu führt, dass sie in jedem Menschen Potential sehen. Quelle: Fotolia
Das Netzwerk spielt in Grants Gedanken eine entscheidende Rolle: Sie helfen immer, auch wenn daraus für sie kein unmittelbarer Nutzen entsteht. Mit der Zeit haben sie dann ein Netzwerk, das sich mit ihnen verbunden fühlt. Quelle: Fotolia

Sie sagen: Leute profitieren davon, wenn Sie anderen helfen. Wie kommen Sie denn darauf?

Leute die erfolgreich und hilfsbereit zugleich waren, habe ich schon immer sehr bewundert – etwa meinen Highschool-Tauchlehrer. Er sollte uns im Sommer das Tauchen beibringen, den Rest des Jahres sollten wir alleine üben. Er aber war so nett, dass er uns weiterhin gratis Tauchunterricht gab, nur damit meine Freunde und ich besser wurden. Er war mein Idol. Geber sind erfolgreicher, das zeigen auch verschiedene Studien: Ob Medizinstudenten, Verkaufspersonal oder Ingenieure - nach objektiven Kriterien waren diejenigen, die die beste Leistung erbrachten, die Geber. Sie haben die besten Chancen zu Spitzenleuten zu werden.

Was man seinen Kollegen geben kann

Kann jeder Mensch ein Geber werden?

Bei jeder Entscheidung, die wir treffen, bestimmen wir selbst, ob wir Geber oder Nehmer sind. Selbstverständlich ist es für einfühlsame oder großzügige Menschen leichter, anderen einen Gefallen zu tun. Die meisten Leute sind Tauscher. Für jede Leistung wollen sie ausgewogen belohnt werden. Sie hassen es zu sehen, wenn Leute selbstsüchtig handeln. Sie finden das unfair. Deshalb haben sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Nehmer in der Gesellschaft zu bestrafen. Es ist wie in einer Freundschaft: Wenn das Verhältnis zwischen Geben und Nehmen arg aus dem Gleichgewicht gerät, kann eine Freundschaft daran zerbrechen. Wir wünschen uns, dass wir etwas zurückbekommen.

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Was macht Sie so sicher, dass es dazu auch kommt? Die meisten Menschen machen doch andere Erfahrungen – oder befürchten zumindest, ausgenutzt zu werden…

Wir müssen eben lernen, dass das Prinzip des Gebens eben nicht auf unmittelbarer Gegenseitigkeit beruht. Es ist vielmehr eine Art Kreislauf. Ich gebe und irgendwann wird auch mir wieder jemand begegnen, der mir zum Beispiel einen spannenden Geschäftspartner oder einen neuen Job vermitteln kann. Wir sollten nicht auf den direkten Austausch warten, sonst werden wir enttäuscht.

Ist Ihnen das auch schon mal passiert?

Enttäuscht nicht, aber überrascht schon. In den hunderten Emails, die ich als Reaktion auf mein Buch bekommen habe, haben sehr viele Menschen etwas von mir gefordert, um anderen zu helfen. Sie sind also durchaus bereit zu geben. Aber sie hoffen darauf, dass andere ihren Job übernehmen.

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