Anzüge vom Schneider So kleidet sich der Mann nach Maß

Massenprodukte sind out. Wer punkten will, muss ausgefallen anders sein. Am besten funktioniert dies über Produkte, die dem Kunden auf den Leib geschneidert sind. Das ist die Garderobe für den Mann nach Maß.

Die besten Maßschneider Europas
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Massimo und Lorenzo Cifonelli (Paris)Das Familienunternehmen Cifonelli ist eine Maßschneiderei, die heute in einer kleinen Seitenstraße der berühmten Champs Élysées im Herzen von Paris liegt. Betrieben wird sie von Massimo und Lorenzo Cifonelli, die das Haus ihres Großvaters traditionsbewusst fortführen. Beibehalten haben sie vor allem den von Arturo entwickelten, besonderen Zuschnitt der Schulternaht und des Ärmelzusatzes, der unter Modekennern als „Cifonelli-Schulter“ bezeichnet wird. Das besondere an dieser Machart ist die maximale Bewegungsfreiheit bei einer stark geschwungenen Brustpartie und einem sehr hohen Armloch. Nicht nur Modezar Karl Lagerfeld schätzt den Modesalon. Auch Industrielle, Politiker, Musiker und Schauspieler sind treue Einkäufer der im eigenen Haus gefertigten Kleidungsstücke. Quelle: Screenshot
Katrin Emmer (Potsdam)Kathrin Emmer nutzt ihre großflächige Potsdamer Altbauwohnung als Schneiderwerkstatt für ihre handgefertigten Kleidungsstücke nach Maß. Die selbstständige Schneidermeisterin, die sich auf Herrenanzüge spezialisiert hat, fertigt neben klassischer Oberbekleidung auch Leinenhosen, Westen und Capes für ihre Abnehmer an, die hauptsächlich aus Potsdam oder Westberlin in das Atelier kommen. Quelle: Screenshot
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Carlo Jösch (Köln)Liebhaber des extravaganten Businessoutfits sollten einen Besuch im Kölner Atelier von Carlo Jösch nahe der Ehrenstraße nicht missen. Der gebürtige Düsseldorfer hat sich auf schottische Tweeds spezialisiert, aus denen er Jacken, Mäntel, Hosen, Westen, Anzüge und hin und wieder sogar Morgenmäntel anfertigt. Seine Hauptabnehmer der von Hand und nach Maß produzierten Kleidung sind neben Schottlandliebhabern vor allem Unternehmer und Musiker. Bei der Anprobe setzt er auf die Methoden der französischen Couture: Bevor das gewählte Stück zugeschnitten wird, nutzt er einen Leinenstoff als Vorlage. Quelle: Screenshot
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Wir lieben das Besondere. Darauf haben sich viele Firmen eingestellt. So können sich Kunden bei der Berliner Firma Chocri ihre persönliche Lieblingsschokolade mit Früchten, Gewürzen oder Nüssen nach eigenem Gusto zusammenstellen. Bei Nike, Adidas oder Reebok designen Kunden sich ihren persönlichen Laufschuh selbst und bei Myuniquebag, Gucci und Louis Vuitton gehören personalisierte Handtaschen zum Sortiment.
Dem Anbieterverzeichnis egoo.de zufolge gibt es deutschlandweit inzwischen etwa 550 Hersteller von Produkten, die sich individuell gestalten lassen. Zum Vergleich: Im Oktober 2008 waren es noch 30. Wer sein Produkt selbst gestalten kann und nachher etwas Einzigartiges geliefert bekommt, hat eine größere emotionale Verbundenheit zum Produkt, glaubt Adidas. Und das rechnet sich: „Die Kunden geben in diesem Fall gern etwas mehr Geld aus.“ Denn individuell ist teurer als Massenware.


Es gibt heute mehr Maßschneider als vor 100 Jahren

Ein Bereich, bei dem individuelle Anfertigung nahezu unberührt von Trends funktioniert, ist die Mode. Kleidung von der Stange – one size fits all oder die sogenannten Konfektionsgrößen – gibt es erst seit dem Jahr 1791. In diesem Jahr boten Pariser Kaufhäuser erstmals Konfektionskleidung an.
Und auch heute gibt es sie in vielen Städten: Maßschneider. „Maßkleidung wird seit Jahren totgesagt, doch das Angebot ist heute viel umfangreicher als beispielsweise in den 1920er Jahren“, schreibt Stil-Experte und Gentleman-Papst Bernhard Roetzel in seinem neuen Buch „Der Gentleman nach Maß – Maßgeschneiderte Herrenkleidung.“

Was deutsche, englische und italienische Schneidertradition unterscheidet

Die Zeiten, in denen sich Kunden die gesamte Garderobe schneidern lassen, seien allerdings vorbei. Heute trägt man in der Regel ein oder zwei Unikate, der Rest ist Massenware. „Zu dieser Mischung bekennt sich auch Ferrari-Chef Luca di Montezemolo: Er trägt beispielsweise Brooks-Brothers-Hemden zum Anzug von Caraceni. Eine Kombination, die auch Wirtschaftsboss Gianni Agnelli und Tod’s-Erfinder Diego Della Vallle schätzen“, beschreibt Roetzel.

Auch beim Maßanzug ist Individualität das Schlagwort. „So, wie man sich beim Neuwagenkauf die Extras aussucht, die das neue Auto haben soll, konfiguriert der Schneiderkunde auch seinen Maßanzug“, so Roetzel. Denn auch der teure Anzug von Hugo Boss, Lagerfeld oder Pierre Cardin ist schließlich Massenware – auch wenn er teurer ist, als das Modell von C&A.

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