Arbeitnehmerstudie Familie und Beruf sollten besser vereinbar sein

Für Arbeitnehmer ist die Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten von Müttern das Mittel der Wahl angesichts des Fachkräftemangels, zeigt eine Studie. Frauenquoten für Chefposten werden dem Problem nicht gerecht, schreiben die Autoren.

Wie Jobsuchende ihre Marktchancen einschätzen
Das Centre of Human Resources Information Systems der Universitäten Bamberg und Frankfurt hat sich zum zehnten Mal mit der Sicht von Jobwechslern auf den aktuellen und den zukünftigen Arbeitgeber befasst. Für die Studie " Bewerbungspraxis 2013" sind mehr als 6.000 Menschen befragt worden, was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht, womit sie in ihrem Job zufrieden oder unzufrieden sind und auf welchem Weg sie nach einem neuen Job suchen. Die Teilnehmer sind im Schnitt 38,7 Jahre alt und haben mehr als zehn Jahre Berufserfahrung. Quelle: Fotolia
Laut der Studie wollen 30,3 Prozent der Befragten ihren Job kündigen. 58,7 Prozent davon haben sogar ganz konkrete Pläne, ihren Arbeitgeber in naher Zukunft zu wechseln. Insgesamt hat ein Fünftel der Befragten in den ersten drei Monaten des Jahres das Unternehmen gewechselt, 10,3 Prozent haben aktuell ihren Arbeitsvertrag gekündigt. Die gute Nachricht ist: An den Kollegen, der Abteilung oder den Vorgesetzten liegt es nicht. Mit der menschlichen Komponente sind die deutschen Arbeitnehmer in der Regel sehr zufrieden. Auch fühlen sich drei von vier Befragten ihrem Arbeitgeber verbunden und zwei Drittel sind sogar bereit, sich mehr als nötig für ihr Unternehmen zu engagieren. Quelle: Fotolia
Das Problem ist vor allem die als nicht leistungsgerecht empfundene Bezahlung. Die Unzufriedenheit mit dem Gehalt macht sich auch darin bemerkbar, dass acht von zehn Wechselwilligen auch trotz neuem Jobangebot bei ihrem Arbeitgeber bleiben, wenn der ein höheres Gehalt zahlt. Es ist jedoch nicht ausschließlich das Geld: Die Studienteilnehmer waren auch unzufrieden mit ihren Aufstiegschancen im Unternehmen und der hauseigenen Kommunikation: Wissen würde ungenügend weitergegeben. Quelle: Fotolia
Die Befragten suchen mehrheitlich nach neuen Jobs im eigenen Unternehmen oder innerhalb Deutschlands, ein Wechsel ins Ausland wird eher als unattraktiv empfunden. Was ihre Chancen auf einen neuen Job anbelangt, sind die Befragten optimistisch: Jeder vierte glaubt, dass er gute Chancen hat, seinen persönlichen Traumjob zu bekommen. 48,5 Prozent sind sich sicher, dass sie ,wenn auch nicht den Traumjob, dann doch zumindest einen Job finden, der ihren Ansprüchen genügt. Quelle: Fotolia
Erledigte Aufgaben abhakenDieser Trick stammt aus dem Bereich des Zeitmanagements und der Selbstorganisation. Selbst kleine und scheinbar ganz banale Aufgaben können Spaß machen, wenn Sie diese auf einer To-Do-Liste aufschreiben und dann Stück für Stück abhaken. Das geht am besten ganz altmodisch mit Stift und Papier. Bereits der Vorgang des Aufschreibens und dann das Gefühl beim Durchstreichen oder abhaken einer Aufgabe kann Ihre Stimmung enorm steigern. Quelle: Fotolia
Wer sich unsicher ist, ob er seinen Job wechseln soll und in welche Richtung er sich beruflich verändert, vertraut deutlich häufiger auf den Rat von Freunden und externen Beratern. Auch Kollegen werden bei Karrierefragen zur Rate gezogen. Nur den HR-Mitarbeitern des eigenen Unternehmens trauen die Studienteilnehmer offensichtlich nicht. Sie werden nur von etwa jedem fünften Studienteilnehmer als hilfreich in Karrierefragen angesehen. Quelle: Fotolia
Bei der Suche nach einem neuen Job setzen die Menschen auf Internet-Stellenbörsen. Ganze 62,1 Prozent nutzen die Online-Stellensuche. Unternehmenswebseiten surfen 37,4 Prozent nach vakanten Stellen ab, 28,1 Prozent vertrauen auf Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn. Außerdem wünscht sich rund ein Drittel der Befragten mehr Stellenanzeigen mit interaktiven Elementen wie Videos, Links oder Facebook-Elementen. Online-Tests oder digitale Assessment-Center finden vier von zehn Studienteilnehmern gut. Quelle: Fotolia

Fragt man Arbeitnehmer in Deutschland, wie dem demografischen Wandel und dem daraus folgenden Arbeitskräftemangel begegnet werden solle, sehen knapp 85 Prozent die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wirksamste Gegenmaßnahme. An zweiter Stelle setzen 79 Prozent auf die Re-Integration älterer Menschen. Das ergab eine repräsentative Umfrage für die aktuelle Studie „Arbeitsmarkt 2013 – Perspektive der Arbeitnehmer“, initiiert durch das Personalunternehmen Orizon.

Viel weniger erwarten die Befragten von einer gezielten Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland. Lediglich 44 Prozent halten dies für effektiv gegen den Fachkräftemangel. Der Subventionierung von Förder- und Beschäftigungsmaßnahmen von schwervermittelbaren Personen geben dagegen 57,5 Prozent gute Chancen.

Gesetzliche Frauenquoten für Führungspositionen gehen, wie die Autoren schreiben, "an den realen Bedingungen des Arbeitsmarktes vorbei". Nach Angaben des statistischen Bundesamtes lag die Erwerbstätigkeit von Müttern im Jahr 2011 bei 67 Prozent. Fast die Hälfte aller berufstätigen Frauen sei nur teilzeitbeschäftigt. Dabei wünschten sich 7,7 Mio. dieser Arbeitnehmerinnen eine deutlich höhere Wochenarbeitszeit. Aber das sei, so die Studie, nur möglich, wenn Unternehmen und Politik entsprechende Modelle für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie anbieten. Die politische Diskussion zur gesetzlichen Frauenquote werde jedoch auf die Spitzenpositionen in der deutschen Wirtschaft reduziert und damit dem Kern des Problems nicht gerecht. So gibt der Bund deutscher Arbeitgeber (BDA) zu bedenken, dass solche Spitzenpositionen nur von Kandidatinnen ausgefüllt werden könnten, die die Chance haben, berufliche Erfahrungen zu sammeln und sich zu bewähren. Was für viele Frauen aufgrund der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf nicht möglich sei.

Auf Seiten der Wirtschaft seien erste Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, so gebe es inzwischen fast 600 Betriebskindergärten. „Zusätzlich ist es nötig, die Arbeitszeitmodelle zu flexibilisieren“, sagt Dieter Traub, Geschäftsführer von Orizon. „Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten wie Elternzeit gibt es schon einigen Spielraum für die Unternehmen, individuelle Konzepte umzusetzen, die sowohl den Bedürfnissen der Mitarbeiterin gerecht werden, als auch die Arbeitskraft für das Unternehmen sichern.“

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79 Prozent der Studienteilnehmer sehen an 2. Stelle zur Bekämpfung des Fachkräftemangels die Re-Integration älterer Arbeitsuchender. Dabei sollten sowohl für den Arbeitsuchenden als auch für Unternehmen Anreize geschaffen werden. Über 970.000 der ca. drei Mio. Arbeitslosen (April 2013) sind über 50 Jahre alt. „Als Personalunternehmen machen wir mit älteren Mitarbeitern durchweg positive Erfahrungen“, sagt Traub. Auf Grund der Berufserfahrungen "ausgeprägten sozialen Kompetenzen" hat Orizon "keine Schwierigkeiten haben, attraktive Arbeitsplätze für ältere Bewerber zu finden.“

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