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Arbeitsleben Privatleben ist Absolventen wichtiger als Karriere

Jung-Akademiker streben eher nach dem privaten Glück als beruflichem Erfolg. Bei der Wahl des Arbeitsplatzes sind für die Hälfte von ihnen die Work-Life-Balance und eine kollegiale Atmosphäre wichtig, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Familienglück ist den meisten Absolventen wichtiger als die Karriere. Dennoch. ging die Anzahl der Ehen mit Kindern unter 18 Jahren in Deutschland zwischen 1998 und 2010 um gut ein Fünftel zurück. Quelle: obs

Für deutsche Hochschulabsolventen hat ein harmonisches Privatleben die höchste Priorität – weit vor der beruflichen Karriere. 71 Prozent aller Studierenden geben an, dass ihre Familie und Freunde zu den wichtigsten Werten und Zielen in ihrem Leben gehören. Mit einigem Abstand auf Platz zwei der wichtigsten Ziele im Leben liegt für die Absolventen die eigene Selbstverwirklichung mit 48 Prozent, gefolgt von Erfolg und Karriere, die 43 Prozent der jungen Akademiker als für sich wichtig bewerten. Das ergab die „Absolventenstudie 2011/2012“ der Kommunikationsagentur Kienbaum Communications.

Während das persönliche Glück für die Studierenden klar im Vordergrund steht, werden materielle Werte als nebensächlich angesehen: Nur ein Prozent der 355 befragten Studenten aller Studienrichtungen nannte Reichtum als wichtiges Ziel ihres Lebens, zwei Prozent entschieden sich für Genuss und Konsum. „Die Studie zeigt, dass das persönliche Glück für die heutigen Studierenden einen höheren Stellenwert hat als etwa das schnelle Geld", sagt Erik Bethkenhagen, Geschäftsführer von Kienbaum Communications. Er prophezeit den Personal- und Kommunikationsabteilungen große Aufgaben: Nicht nur verknappt sich durch den Bevölkerungsrückgang das Angebot an Arbeitnehmern, es verändern sich auch die Ansprüche der Kandidaten. "Nur wem es gelingt, die Anforderungen der jungen Menschen zu erfüllen, dies zielgruppengerecht zu kommunizieren und gleichzeitig zu Höchstleistungen zu motivieren, wird im globalen Wettbewerb bestehen“, sagt Bethkenhagen.

Entwicklungsmöglichkeiten machen Arbeitgeber attraktiv

Bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber sind für 70 Prozent der befragten Jung-Akademiker vor allem die zu erwartenden Entwicklungsmöglichkeiten ausschlaggebend. Gut die Hälfte entscheidet sich aufgrund einer vorteilhaften Work-Life-Balance und der kollegialen Arbeitsatmosphäre für einen potenziellen Arbeitgeber. Ein möglichst hohes Gehalt steht bei den meisten Absolventen zwar nicht im Vordergrund, aber knapp die Hälfte der Befragten legt Wert auf eine "angemessene" Vergütung. Nur für fünf Prozent der Studienteilnehmer ist es wichtig, für einen bekannten Namen zu arbeiten.

Die größten Karrieremythen
Der erste Job muss der richtige seinWer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“ Quelle: AP
Der MBA ist ein Karriere-TurboDie deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen. Quelle: dpa
Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere KarriereNicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren. Quelle: Fotolia
In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt. Quelle: dpa
Frauen hindert die „gläserne Decke“ am AufstiegTatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“ Quelle: dapd
Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitetFalsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seiner Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“ Quelle: dpa
Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des KarriereerfolgsDie Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt. Quelle: dpa

Traineeprogramme sind beliebt als Einstieg

Die große Mehrheit der Studierenden verspricht sich von einem Traineeprogramm eine solide Basis für das weitere Berufsleben. 94 Prozent der Befragten können sich einen solchen Einstieg als Trainee bei ihrem Wunscharbeitgeber vorstellen. Bei der vorausgegangenen Umfrage von 2010 waren es noch zehn Prozentpunkte weniger. 96 Prozent der Studierenden sehen in Traineeprogrammen eine zeitgemäße Ausbildungsform. Aus Sicht der Absolventen spricht vor allem die gezielte praktische Einführung und Vorbereitung auf die spätere Tätigkeit dafür. Gezielte Personalentwicklungsmaßnahmen, die inhaltliche Vielfalt des Programms und Auslandsaufenthalte wurden jeweils von vier von zehn Absolventen als entscheidende Faktoren genannt.

Unternehmens-Websites sind die wichtigste Informationsquelle

Fast jeder (94 Prozent) der befragten Studierenden informieren sich mit Hilfe der Unternehmens-Website über einen möglichen Arbeitgeber. Auch der persönliche Kontakt zur Firma hat einen hohen Stellenwert: 45 Prozent der Studienteilnehmer informieren sich bei einem Mitarbeiter des Zielunternehmens über dessen Arbeitgeberqualitäten. Jeder vierte Student nutzt zu diesem Zweck Jobbörsen.

In Arbeit
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Über Business Networks wie Xing oder LinkedIn informiert sich inzwischen jeder vierte Studierende über berufliche Perspektiven. Dagegen dienen private Social Networks zurzeit nur selten als berufliche Informationsquelle: Lediglich acht Prozent der befragten Absolventen nutzen private Netzwerke wie Facebook zur Information über mögliche Arbeitgeber.

      

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