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Arbeitsmarkt Jeder Vierte arbeitet für Niedriglohn

Fast ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland verdienen weniger als 9,14 Euro pro Stunde. Das Risiko abzurutschen, hat sich im Vergleich zu 2001 für viele erhöht, wie der Report des Instituts Arbeit und Qualifikation feststellt.

Wie Jobsuchende ihre Marktchancen einschätzen
Das Centre of Human Resources Information Systems der Universitäten Bamberg und Frankfurt hat sich zum zehnten Mal mit der Sicht von Jobwechslern auf den aktuellen und den zukünftigen Arbeitgeber befasst. Für die Studie " Bewerbungspraxis 2013" sind mehr als 6.000 Menschen befragt worden, was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht, womit sie in ihrem Job zufrieden oder unzufrieden sind und auf welchem Weg sie nach einem neuen Job suchen. Die Teilnehmer sind im Schnitt 38,7 Jahre alt und haben mehr als zehn Jahre Berufserfahrung. Quelle: Fotolia
Laut der Studie wollen 30,3 Prozent der Befragten ihren Job kündigen. 58,7 Prozent davon haben sogar ganz konkrete Pläne, ihren Arbeitgeber in naher Zukunft zu wechseln. Insgesamt hat ein Fünftel der Befragten in den ersten drei Monaten des Jahres das Unternehmen gewechselt, 10,3 Prozent haben aktuell ihren Arbeitsvertrag gekündigt. Die gute Nachricht ist: An den Kollegen, der Abteilung oder den Vorgesetzten liegt es nicht. Mit der menschlichen Komponente sind die deutschen Arbeitnehmer in der Regel sehr zufrieden. Auch fühlen sich drei von vier Befragten ihrem Arbeitgeber verbunden und zwei Drittel sind sogar bereit, sich mehr als nötig für ihr Unternehmen zu engagieren. Quelle: Fotolia
Das Problem ist vor allem die als nicht leistungsgerecht empfundene Bezahlung. Die Unzufriedenheit mit dem Gehalt macht sich auch darin bemerkbar, dass acht von zehn Wechselwilligen auch trotz neuem Jobangebot bei ihrem Arbeitgeber bleiben, wenn der ein höheres Gehalt zahlt. Es ist jedoch nicht ausschließlich das Geld: Die Studienteilnehmer waren auch unzufrieden mit ihren Aufstiegschancen im Unternehmen und der hauseigenen Kommunikation: Wissen würde ungenügend weitergegeben. Quelle: Fotolia
Die Befragten suchen mehrheitlich nach neuen Jobs im eigenen Unternehmen oder innerhalb Deutschlands, ein Wechsel ins Ausland wird eher als unattraktiv empfunden. Was ihre Chancen auf einen neuen Job anbelangt, sind die Befragten optimistisch: Jeder vierte glaubt, dass er gute Chancen hat, seinen persönlichen Traumjob zu bekommen. 48,5 Prozent sind sich sicher, dass sie ,wenn auch nicht den Traumjob, dann doch zumindest einen Job finden, der ihren Ansprüchen genügt. Quelle: Fotolia
Erledigte Aufgaben abhakenDieser Trick stammt aus dem Bereich des Zeitmanagements und der Selbstorganisation. Selbst kleine und scheinbar ganz banale Aufgaben können Spaß machen, wenn Sie diese auf einer To-Do-Liste aufschreiben und dann Stück für Stück abhaken. Das geht am besten ganz altmodisch mit Stift und Papier. Bereits der Vorgang des Aufschreibens und dann das Gefühl beim Durchstreichen oder abhaken einer Aufgabe kann Ihre Stimmung enorm steigern. Quelle: Fotolia
Wer sich unsicher ist, ob er seinen Job wechseln soll und in welche Richtung er sich beruflich verändert, vertraut deutlich häufiger auf den Rat von Freunden und externen Beratern. Auch Kollegen werden bei Karrierefragen zur Rate gezogen. Nur den HR-Mitarbeitern des eigenen Unternehmens trauen die Studienteilnehmer offensichtlich nicht. Sie werden nur von etwa jedem fünften Studienteilnehmer als hilfreich in Karrierefragen angesehen. Quelle: Fotolia
Bei der Suche nach einem neuen Job setzen die Menschen auf Internet-Stellenbörsen. Ganze 62,1 Prozent nutzen die Online-Stellensuche. Unternehmenswebseiten surfen 37,4 Prozent nach vakanten Stellen ab, 28,1 Prozent vertrauen auf Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn. Außerdem wünscht sich rund ein Drittel der Befragten mehr Stellenanzeigen mit interaktiven Elementen wie Videos, Links oder Facebook-Elementen. Online-Tests oder digitale Assessment-Center finden vier von zehn Studienteilnehmern gut. Quelle: Fotolia

Trotz guter Marktlage arbeiteten im Jahr 2011 knapp 8,1 Millionen Beschäftigte in Deutschland für weniger als 9,14 Euro pro Stunde. Dieser Wert gilt als bundeseinheitliche Niedriglohnschwelle. Das ist fast jeder Vierte (23,9 Prozent). Die durchschnittlichen Bruttostundensätze im Niedriglohnsektor liegen mit 6,46 Euro in West- und 6,21 Euro in Ostdeutschland außerdem weit unter dieser Schwelle, wie der aktuelle Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) zeigt. Für weniger als 8,50 Euro pro Stunde arbeiteten knapp 7 Millionen, also jeder Fünfte. Fast 3 Millionen Beschäftigte verdienten im Jahr 2011 weniger als 6 Euro pro Stunde, bundesweit sind das 8,7 Prozent.

Wirtschaftswoche - Breite 420
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Selbst von den Vollzeitbeschäftigten hätte gut jeder Achte (2,75 Millionen) bei Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro Anspruch auf eine Erhöhung. Im Vergleich zu 2001 hat sich das Niedriglohnrisiko auch für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung und für Vollzeitbeschäftigte erhöht. Besonders stark ist es gestiegen für Ausländer, Männer, befristet Beschäftigte sowie unter 25-Jährige.
Bei Minijobbern ist Niedriglohn die Regel: 71,2 Prozent von ihnen arbeiteten 2011 für weniger als 9,14 Euro. Sie stellen mit 36 Prozent auch einen beachtlichen Anteil aller Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland. Auch bei Arbeitnehmerrechten werden viele Beschäftigte in Minijobs, so der Report des IAQ, benachteiligt: Oftmals gibt es Geld nur für tatsächlich geleistete Arbeitsstunden, während bei Urlaub, Krankheit und Feiertagen keine Lohnfortzahlung gewährt wird. „Offenbar werden die Sonderregelungen für Minijobs im Sozialrecht nicht selten dazu missbraucht, den Beschäftigten rechtswidrig auch grundlegende Arbeitnehmerrechte vorzuenthalten“, kritisiert Claudia Weinkopf, stellvertretende Direktorin des IAQ. „Gerade für Frauen erweisen sich Minijobs häufig als Sackgasse, der Übergang in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gelingt nur wenigen.“

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Die IAQ-Arbeitsmarktforscher fordern daher einen gesetzlichen Mindestlohn als verbindliche Untergrenze, die in keiner Branche unterschritten werden dürfte und für alle Beschäftigtengruppen gelten müsste. Sie kritisieren, dass die Absichtserklärungen der Regierungsparteien ausdrücklich keinen bundeseinheitlichen Mindestlohn vorsähen, sondern viele – nach Branchen und Regionen differenzierte – Lohnuntergrenzen, was deren Durchsetzung und Überprüfung erheblich erschweren würde.
Angesichts der hohen Niedriglohnanteile in Minijobs und der Hinweise auf zahlreiche weitere Benachteiligungen sollten außerdem auch die Sonderregelungen für Minijobs überprüft werden. „Eine Abschaffung der Minijobs könnte einen zusätzlichen Beitrag dazu leisten, den Umfang des Niedriglohnsektors wirksam zu begrenzen“, so Claudia Weinkopf.

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