Arbeitsverbot Wie Flüchtlinge in Deutschland um Arbeit kämpfen

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„Das Damoklesschwert der Abschiebung“

Die Lage von Veaceslav ist so ungewiss wie bei vielen anderen. Die Bundesagentur für Arbeit erwartet in diesem Jahr 350.000 Flüchtlinge auf Jobsuche. Insgesamt rechnen die Behörden mit 450.000 Asylanträgen. Die Politik hat das Arbeitsverbot zwar von neun auf drei Monate verkürzt. Die Wirtschaft verlangt aber mehr Klarheit.

„Das Damoklesschwert einer eventuellen Abschiebung führt dazu, dass Unternehmen meist davor zurückschrecken, Flüchtlinge auszubilden oder zu beschäftigen“, sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer. Asylbewerber mit Bleibeperspektive und Geduldete in Ausbildung sollten auf jeden Fall auch abschließen dürfen. Das solle auch für eine anschließende Beschäftigung gelten, verlangt er. Jobperspektiven für Flüchtlinge sind eines der Hauptthemen eines Spitzentreffens der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel an diesem Donnerstag.

Vor diesen Problemen stehen die Zuwanderer
Teilnehmer eines Kurses "Deutsch als Fremdsprache" Quelle: dpa
Eine Asylbewerberin wartet in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Berlin Quelle: dpa
Eine Frau sitzt in einem Flüchtlingsheim in einem Zimmer Quelle: dpa
Ein Flüchtling sitzt vor einer Gemeinschaftsunterkunft der Asylbewerber Quelle: dpa
Verschiedene Lebensmittel liegen in der Asylunterkunft in Böbrach (Bayern) in Körben Quelle: dpa

Khalid Habib Gibreil Habib hat seinen Traumjob schon so gut wie in der Tasche - und lebt trotzdem in ständiger Unsicherheit. Der 51-jährige Sudanese arbeitet seit kurzem als Pflegehelfer. Gerade kommt er von der Arbeit in einer mit roten Teppichen und gediegenen Möbeln ausgestatteten Pflege-Wohngemeinschaft. Er kommt gut an dort, seine Probezeit hat sein Chef bereits verkürzt.

Nun sitzt Habib im Schatten eines Baumes und erzählt seine Geschichte: „Schon im Juni 2012 hat mein Asylverfahren angefangen, noch immer ist es nicht abgeschlossen.“ Wann es so weit ist, weiß er nicht. Mehrere Jahre arbeitete er zuvor in der sudanesischen Botschaft, mitverantwortlich für Organisation, Verwaltung, Transport. „Dann wurde ich plötzlich auf die Straße gesetzt, ohne Rechte, ohne Bezahlung.“ Er klagte.

„Doch das Gericht konnte nichts machen“, sagt Habib. Seine Stimme bekommt etwas Bitteres. „Im Sudan verletzt das Regime die Menschenrechte, und hier genießen diese Leute diplomatische Immunität.“ Zurück könne er nicht, sagt Habib und blickt ins Leere. „Bei uns werden Menschen verhaftet, getötet, gefoltert. Man klagt bei uns nicht gegen eine Behörde wie die Botschaft.“

Er wirkt gedämpft, gedrückt. Er hat Bescheinigungen dabei, Bewerbungsschreiben, Lebenslauf - am Liebsten möchte er die ganzen Scherereien hinter sich lassen. Die Arbeit mit den Senioren beschreibt er als Lichtblick. „Ich möchte den alten Menschen helfen“, sagt Habib, „sie sind sehr nett zu mir und freundlich.“

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